Wenn ich mir selbst fremd werde
Ihr Lieben, es gibt Dinge, die man jahrelang erlebt, ohne zu wissen, dass sie einen Namen haben.
Man merkt nur: Irgendwas stimmt nicht.
Der Körper ist da. Die Füße stehen auf dem Boden. Die Hände machen, was sie sollen.
Der Alltag läuft weiter. Und trotzdem fühlt sich etwas fremd an.
Als wäre man nicht ganz in sich drin.
Als hätte jemand innerlich die Orientierung verstellt.
Als würde der eigene Körper plötzlich nicht mehr so selbstverständlich zu einem gehören.
Lange habe ich solche Momente weggeschoben.
Nicht verstanden. Nicht eingeordnet.
Vielleicht auch nicht ernst genommen.
Man funktioniert ja irgendwie weiter.
Kaffee kochen. ☕️ Müll rausbringen. Gassi gehen. 🐾 Nachrichten beantworten.
Einkaufen gehen, während die Welt da draußen rauscht, hupt, drängelt und einfach weitermacht.
Aber innen ist man nicht richtig da.
Und manchmal macht mir nicht nur Angst, was ich fühle.
Sondern dass ich nicht weiß, wie ich es erklären soll.
Vielleicht kennst Du dieses Gefühl gar nicht.
Dann ist das völlig okay.
Nicht jede innere Not ist für jeden Menschen nachvollziehbar.
Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum ich heute darüber schreibe.
Weil es Zustände gibt, von denen man kaum etwas weiß, wenn man sie selbst nicht erlebt hat oder niemand darüber spricht.
Menschen, die im Leben etwas sehr Schweres erlebt haben, nehmen die Welt manchmal anders wahr.
Nicht absichtlich. Nicht dramatisch anders. Nicht, weil sie sich anstellen.
Sondern weil ihr Inneres gelernt hat, vorsichtig zu sein.
Ein Geräusch ist dann nicht einfach nur ein Geräusch.
Eine Stimmung im Raum nicht einfach nur eine Stimmung.
Ein Blick nicht einfach nur ein Blick.
Manchmal nennt man das Trauma.
Manchmal PTBS.
Manchmal Dissoziation.
Aber bevor es ein Fachwort ist, ist es erstmal ein Erleben.
Dieses seltsame Gefühl: Ich bin da. Und doch nicht ganz bei mir.
Vielleicht liest heute jemand mit, der genau weiß, wovon ich rede.
Jemand, der Momente kennt, in denen der eigene Körper plötzlich seltsam fremd wirkt.
Nicht sichtbar krank.
Nicht sichtbar verletzt.
Nicht so, dass andere etwas merken müssten.
Und trotzdem fühlt es sich innen falsch an.
Als säße man nicht richtig in sich selbst.
Als wäre der Körper zwar da, aber nicht mehr vertraut.
Als würde man sich selbst beobachten, statt einfach da zu sein.
Man steht im Bad. Putzt sich die Zähne.
Sieht in den Spiegel. Und denkt nicht: „Da bin ich.“
Sondern eher: „Komisch. Ich erkenne mich, aber ich fühle mich nicht richtig bei mir.“
Vielleicht dauert das Minuten.
Vielleicht Stunden.
Vielleicht kommt es an Tagen, an denen sowieso alles zu viel war.
Und vielleicht fragt man sich dann: Bin ich noch normal?
Vielleicht reicht es für heute, zu sagen: Du bist nicht komisch. Und Du bist damit nicht allein. ❤️
Und vielleicht reicht es für alle, die dieses Gefühl nicht kennen, erst einmal zu wissen:
Es gibt Menschen, die innerlich kämpfen, obwohl man es ihnen von außen nicht ansieht.
Da sitzt jemand am Küchentisch. Trinkt Kaffee. Lächelt vielleicht sogar.
Und innen versucht dieser Mensch gerade, wieder bei sich anzukommen.
In Psalm 139,5 steht: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“
Kein Satz, der alles sofort leicht macht. Aber einer, an dem ich mich festhalte.
Glaube bedeutet für mich nicht, dass mein Nervensystem immer ruhig ist.
Nicht, dass ich mich immer sicher fühle.
Nicht, dass mein Körper sich immer wie Zuhause anfühlt.
Vielleicht bedeutet es manchmal nur:
Ich bin auch dann nicht verloren, wenn ich mich selbst gerade nicht richtig finde.
Gott bleibt.
Nicht mit einem schnellen „Jetzt reiß Dich zusammen“.
Sondern wie eine Hand, die nicht zieht.
Nur da ist.
Bis ich langsam wieder ankomme.
Im Körper.
Im Jetzt. ⚓️❤️
Danke fürs zuhören!
Schönes Wochenende!
Deine Mandy
