Leihmutterschaft – Gott sieht Hagar
Ich frage ja immer mal wieder, welche Themen Euch beschäftigen. (zB bei dieser Umfrage zum SeelenFutter)
Worüber ich im SeelenFutter schreiben könnte.
Und in letzter Zeit kam erstaunlich oft: Leihmutterschaft.
Und Leute, ganz ehrlich: Heißes Eisen! 🔥
Eins, mit dem ich mich selbst bisher kaum beschäftigt habe.
Weil … medizinisch. Rechtlich. Kompliziert.
Vielleicht auch, weil ich selbst nie einen Kinderwunsch hatte.
Diese Sehnsucht nicht kenne.
Darum fällt mir eine klare Meinung schwer.
Denn natürlich sehe ich den Kinderwunsch.
Den Schmerz. Diese Lücke, die vielleicht immer größer wird.
Und ich möchte da nicht mit einem schnellen Satz drübergehen.
Nicht mit: Dann soll es eben nicht sein.
Nicht mit: Man kann auch ohne Kinder glücklich werden.
Mag alles stimmen.
Hilft aber wahrscheinlich herzlich wenig.
Und trotzdem.
Irgendwas daran macht mir Bauchschmerzen.
Vielleicht beginnt die schwierige Frage genau da:
Wann wird ein Wunsch so groß, dass ein anderer Mensch zur Lösung wird?
Ein Körper.
Eine Schwangerschaft.
Ein Kind.
Das Wort „Ware“ liegt schnell auf dem Tisch.
Und gleichzeitig klingt es hart. Vielleicht zu hart.
Denn da ist ja eine Frau, die selbst sagt:
Ich möchte das.
Ich entscheide über meinen Körper.
Ich helfe anderen Menschen.
Und dann denke ich:
Ja.
Aber wie frei ist eine Entscheidung eigentlich?
Wenn Geld eine Rolle spielt.
Wenn die eine Seite viel hat.
Und die andere wenig.
Wenn aus einer Schwangerschaft plötzlich ein Vertrag wird.
Neun Monate.
Mit Regeln. Mit Erwartungen.
Mit einem Ergebnis.
Ein Körper ist keine Ferienwohnung.
Kein Ort, den man für eine Weile mietet.
Da wächst ein Kind.
Da verändert sich alles.
Der Körper. Die Gefühle.
Vielleicht auch das Herz.
Und was, wenn eine Frau vorher sicher war … und nach der Geburt nicht mehr?
Was gilt dann?
Der Vertrag? Das Geld? Das Gefühl?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht kann man neun Monate planen.
Aber kann man wirklich planen, was neun Monate mit einem Menschen machen?
Auch die Bibel erzählt von einer Frau, deren Körper zur Lösung für den Kinderwunsch einer anderen wird.
Sara kann keine Kinder bekommen.
Also soll ihre Magd Hagar Abraham ein Kind gebären.
Keine Leihmutterschaft, wie wir sie heute kennen.
Kein Krankenhaus. Keine künstliche Befruchtung. Kein moderner Vertrag.
Und trotzdem dieser Gedanke:
Mein Körper kann meinen Wunsch nicht erfüllen.
Vielleicht kann es der Körper einer anderen Frau.
Hagar wird schwanger.
Und plötzlich ist sie nicht mehr nur die Lösung.
Sie ist eine Frau.
Mit einem Kind im Bauch.
Mit Gefühlen.
Mit einer eigenen Geschichte.
Und dann kippt alles.
Eifersucht.
Verletzungen.
Macht.
Sara behandelt Hagar so hart, dass sie flieht.
In die Wüste.
Und dort begegnet ihr Gott.
Ausgerechnet ihr.
Nicht zuerst Sara mit ihrem Kinderwunsch.
Nicht Abraham mit seinem großen Glauben.
Hagar.
Die Frau, die im Plan der anderen vor allem gebraucht wurde.
Sie sagt: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – 1. Mose 16, 13
Und vielleicht hängt genau da für mich alles.
Wer wird gesehen?
Die Wunscheltern?
Natürlich.
Ihr Schmerz?
Ja.
Ihre Hoffnung?
Auch.
Aber die Frau?
Nicht nur ihr Körper.
Nicht nur ihre Bereitschaft.
Nicht nur das, was sie möglich macht.
Sie.
Als ganzer Mensch.
Und das Kind?
Nicht als erfüllter Wunsch.
Nicht als Ergebnis.
Nicht als das, was am Ende übergeben wird.
Sondern als eigener Mensch.
Mit einer Geschichte, die schon begonnen hat, bevor es geboren wurde.
Ich weiß nicht, ob jede Leihmutterschaft falsch ist.
So einfach möchte ich es mir nicht machen.
Aber ich glaube: Ein tiefer Wunsch macht nicht automatisch jeden Weg richtig.
Und vielleicht beginnt Verantwortung genau da:
Wo ein Mensch nicht nur danach gefragt wird, was er geben kann. Sondern danach, wer er ist.
Gott sieht Hagar.
Nicht als Gebärmutter.
Nicht als Lösung.
Nicht als Randfigur.
Er sieht sie.
Und Dich … Komm gut in die neue Woche!
Mandy

27. Juli 2026 @ 6:32
Guter Beitrag! An Hagar denken wohl viele Christen bei diesem Thema.
Interessanterweise ist es in der biblischen Geschichte ein reines Frauenproblem. Abraham darf sich über einen weiteren Sohn freuen und hat ansonsten keine Probleme damit.
27. Juli 2026 @ 12:40
Ja, das ist schon auffällig. Gute beobachtet. Sara trägt den unerfüllten Kinderwunsch, Hagar trägt das Kind – und Abraham trägt offenbar vor allem dazu bei, dass überhaupt eins unterwegs ist. Danach hält er sich erstaunlich elegant aus dem Drama raus. 😉
Vielleicht auch weil die damalige Welt stark patriarchal geprägt war. Kinderlosigkeit galt vor allem als Problem der Frau, obwohl natürlich auch der Mann betroffen war. Und Hagar war als Magd nicht auf Augenhöhe, sondern Teil eines Haushalts, über den andere verfügen konnten.
Trotzdem macht die Geschichte Abraham nicht gerade zum Helden. Er wälzt sämtliche Verantwortung auf die Mädels ab … könnte man zumindest so rauslesen.
Irgendwie bis heute spannend: Wer wünscht, wer entscheidet – und wer muss am Ende mit den Konsequenzen leben?
Danke Dir, Thomas.
27. Juli 2026 @ 6:56
Hallo Mandy,
schon stark, dass du zu diesen Thema ein Statement abgibst.
Gott segne Dich.
LG
Martin
27. Juli 2026 @ 7:19
Aber was waren die Konsequenzen? Der Zwist zwischen Ismaels Nachkommen und Isaaks Nachkommen dauert bis heute an.
27. Juli 2026 @ 12:36
Ja, die Entscheidung hatte Folgen – für Hagar, für Ismael, für Sara, für Isaak und für die Beziehungen untereinander. Aus einer vermeintlichen Lösung entstand neues Leid, das sich nicht einfach wieder zurückdrehen ließ.
Ich nehme an, Du spielst auf den heutigen Konflikt zwischen Arabern und Juden an. Den allerdings direkt auf Ismael und Isaak zurückzuführen, würde ich vorsichtiger sehen. Dafür ist Geschichte viel zu komplex.
Aber der Gedanke bleibt: Entscheidungen, die aus Druck und Sehnsucht entstehen, können Konsequenzen haben, die weit über den Moment hinausreichen. Genau das macht die Geschichte von Hagar für mich irgendwie eindrücklich.
27. Juli 2026 @ 8:29
Liebe Mandy,
vielen Dank, dass du dich an dieses ethisch so schwierige Thema herangewagt hast!
Mir geht es ganz ähnlich wie dir: In mir sperrt sich bei der Leihmutterschaft erst einmal sehr viel – bei dem Gedanken an Kommerzialisierung, aber vor allem wegen der emotionalen Bindung, die in den neun Monaten entsteht und dann getrennt wird.
Für mich persönlich kam das Gott sei Dank nie infrage, es war schlicht nie meine Thematik, mit der ich mich groß auseinandersetzen musste. Man hat zwar mal davon gehört, aber das war’s auch schon. Doch durch die aktuellen Diskussionen in den Medien – wie jetzt um Jens Spahn – wird man ja quasi mit der Nase darauf gestoßen. In diesem Zusammenhang hat ein schwules Paar seine Geschichte erzählt, das Kinder über eine Leihmutter bekommen hat. Sie wollten keinen reinen Vertrag, sondern eine Beziehung:
Die Leihmutter und ihre Familie gehören heute fest dazu, man besucht sich und feiert gemeinsam Geburtstage.
Bei allen Bedenken, die ich weiterhin habe: Dieser Ansatz hat mir gefallen, weil die Frau eben nicht nur als Mittel zum Zweck gesehen wird – ganz anders als damals bei Hagar, die einfach nur als Lösung funktionieren musste. Hier entsteht eine echte Verbindung, in der die Frau als Mensch zählt. Und was ich daran besonders schön finde: Die Kinder können ganz offen damit aufwachsen und diese Verbindung zu ihrer Leihmutter und ihren Leihgroßeltern aktiv leben, anstatt dass etwas verschwiegen oder abgeschnitten wird.
Auch wenn es in einem solchen Familienmodell vermutlich wie in jeder anderen Familie Herausforderungen gibt, zeigt dieser Weg viel Wertschätzung.
Ganz losgelöst von solchen Einzelfällen bleibt aber die allgemeine Skepsis: Nicht nur wegen der emotionalen und ethischen Fragen, sondern auch wegen der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit, da sich so etwas letztlich nur sehr wohlhabende Menschen leisten können. Genau aus all diesen Gründen braucht es für das gesamte Thema klare ethische und rechtliche Regeln.
Danke für deinen wie immer so tiefgründigen Impuls!
27. Juli 2026 @ 12:30
Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Genau dieses Beispiel zeigt, wie unterschiedlich Leihmutterschaft gelebt werden kann. Wenn die Frau nicht verschwindet, sondern Teil der Geschichte und des Lebens der Kinder bleibt, fühlt sich das für mich menschlich ganz anders an.
Und trotzdem bleiben diese Fragen nach Geld, Macht und sozialer Ungleichheit. Wahrscheinlich liegt genau darin die Schwierigkeit: Es gibt einzelne Geschichten, die sehr wertschätzend wirken – und gleichzeitig ein System, das Menschen ausnutzen kann.
27. Juli 2026 @ 9:05
Danke, liebe Mandy,
ja, du hast das was uns Christen und sicher auch viele andereu dieem Thema bewegt, in sehr treffende und vor allem behutsame Worte gefasst. Danke dafür.
27. Juli 2026 @ 10:25
Einfach toll 🥰
27. Juli 2026 @ 12:25
wow …. zuerst einmal vielen Dank, dass Du bereit bist, so ein Thema überhaupt anzugehen. Bin bei diesem Thema schon seit vielen Jahren hin- und hergerissen – auch als gläubige Christin – aber auch als Frau, die sich immer viele Kinder gewünscht hatte und leider nie eigenen Kinder bekommen konnte.
Du spiegelst in Deinen Gedanken ziemlich genau meine Gedanken wieder, nur dass ich sie nicht so schön formulieren könnte.
Ich glaube, hier gibt es keine RICHTIGE Antwort – ich konnte mit Gottes Hilfe meinen eigenen unerfüllten Kinderwunsch verarbeiten – aber auch erst viel später – aber ich kann niemand, der sich dazu entschließt „verurteilen“.
27. Juli 2026 @ 12:31
Danke für Deinen sehr persönlichen Kommentar. Ich glaube, wer diesen Kinderwunsch selbst erlebt hat, schaut noch einmal ganz anders auf das Thema als ich. Und ja, vielleicht gibt es hier wirklich nicht die eine saubere Antwort. Den eigenen Weg zu finden und gleichzeitig andere nicht zu verurteilen, ist wahrscheinlich schon ziemlich viel.
Das Beste wünsch ich Dir!
27. Juli 2026 @ 15:04
🤔 Es gibt doch auch die Möglichkeit einer Adoption
– Das wäre doch die eigentliche win-win Situation, – oder?
Eine Leihmutterschaft ist m.E nicht der biblische Weg, ohne damit jemanden verurteilen zu wollen. Letzteres ist zum Glück letztendlich alleine Gottes Sache.
28. Juli 2026 @ 8:25
Das war auch mein erster Gedanke. Aber ist es nicht so, dass gleichgeschlechtliche Paare gar keine Kinder adoptieren können?
Insgesamt ist eine Adoption in Deutschland leider recht schwierig, es gibt viele „Dinge“ die erst mal passen müssen.
Ich hatte mich mal bezüglich Adoption erkundigt (allerdings schon mindestens 30 Jahre her), da wäre eine Adoption aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen gewesen. Sowas wie Alter, das Einkommen, keine eigene Wohnung oder Haus.
Es war damals der zweite Schlag, nachdem wir erfahren haben, dass auf normalem natürlichem Weg, eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist.
27. Juli 2026 @ 21:30
Danke Mandy für Dein behutsames Herangehen an dieses hochemotionale Thema…Danke auch für die verschiedenen Kommentare, die sehr persönlich ausfallen…je nach eigener Lebensgeschichte…kein Kinderwunsch…den unerfüllten Kinderwunsch mit Gottes Hilfe verarbeiten…beim Lesen hat mich gefreut, dass nicht verurteilt wird, sondern viel Verständnis für andere Positionen da ist…dass es einfach nicht DIE Antwort auf das Thema gibt…. Ehrlich gesagt, hatte ich die Geschichte mit Hagar gar nicht sofort in Verbindung mit Leihmutterschaft im Kopf…Du beleuchtest alles mit einem warmen Licht, damit man besser sehen und verstehen kann, das finde ich sehr schön. Nie stehst Du über dem Thema oder stellst es anklagend ins grelle Scheinwerferlicht. Du regst immer zum Nachdenken über unterschiedliche Blickrichtungen an.
Das dürfen wir aus dem heutigen SeelenFutter wieder aufs Neue mitnehmen…immer den ganzen Menschen und seine Geschichte dahinter sehen.
GOTT sieht jeden einzelnen… 🫂
28. Juli 2026 @ 5:58
Liebe Mandy, sehr mutig von Dir zu diesem brandaktuelle Thema Deine Meinung zu hören. Interessant dass sogar die Bibel dieses Thema aufgreift. Weiter so. Lg Sigrun
28. Juli 2026 @ 9:01
Danke für das sehr empathische Seelenfutter.
Ich habe auf Arte eine Doku mit dem irreführenden Titel „Liebe ohne Sex“ gesehen – eigentlich ging es um ein Paar aus einem schwulen Mann und einer lesbischen Frau, die zusammen ein Kind gezeugt haben (Bechermethode), ein Haus gekauft und mit den zwei Kindern der Frau aus früherer Beziehung einen Haushalt und eine Familie gegründet haben. Sie waren am überlegen, ob sie heiraten sollten (wobei ich den Eindruck hatte, dass sie da noch keine gute rechtliche Beratung in Anspruch genommen hatten, denn vieles kann man per Erbvertrag u.ä. besser und übersichtlicher regeln).
Der Mann hatte noch einen Freund, der aber zum Zeitpunkt der Serie noch frisch war.
Das hat mir alles sehr imponiert, dass diese beiden das Papasein und Mamasein vor alles andere gestellt haben. Von diesen beiden Menschen können alle sehr viel lernen.
Das hilft keinem heterosexuellen Paar, die erst in der Ehe feststellen, dass die Frau kein Kind austragen kann. Oder dem schwulen Paar, das ihren Kinderwunsch erst nach vielen Jahren feststellt.
Aber ist das die Mehrheit der Fälle, die eine Leihmutter mieten?
Da wäre ein bisschen Statistik interessant, ob es die wohl gibt?
Ich würde sagen, dass viele von uns viel zu naiv in Ehen und Elternsein(-wollen) reinschlittern, und hinterher ist das Geschrei groß, wenn nicht alles so märchenhaft läuft.
Und was lassen wir dann nicht alles über die Klinge springen…
Ich würde aber auch sagen: je weiter von Gott entfernt, desto mehr in diesem „meine Lösung-dein Risiko“ -Haltung (zu dem Scheidung in manchen Fällen für mich auch gehört).
Abraham und Sarah waren aktuell offenbar auch nicht in einer Phase, wo sie Gott
gefragt hätten, ob sie das machen sollen mit der Hagar.
28. Juli 2026 @ 12:19
Ich denke beim Thema: Leihmutterschaft oder Samenspende immer zuerst an das Kind. Die Psychologie weiß, wieviel ein Kind schon im Mutterleib spürt. Es entsteht eine starke Bindung zur Mutter. Und danach ist die Mutter weg!? Natürlich gibt es das auch, wenn die Mutter stirbt oder das Kind zur Adoption freigibt. Aber beides sind Notsituationen.
Außerdem frage ich mich, was ist, wenn das Kind behindert geboren wird. Wenn es niemand will.