Die Jugend von heute …
Ihr Lieben,
„Die Jugend von heute!“ 🙄
Kennt Ihr diesen Satz?
Zu laut. Zu bequem. Zu empfindlich. Zu anspruchsvoll. Ständig am Handy. Und überhaupt wissen sie ja sowieso alles besser.
Früher war das schließlich ganz anders!
Wobei … war es das wirklich? 😉
Am Wochenende gingen junge Menschen auf die Straße. Die sogenannte Generation Z. Sie machten auf ihre Sorgen aufmerksam. Auf Fragen nach Bildung, bezahlbarem Leben und ihrer Zukunft.
Es gab Zustimmung, Kopfschütteln, Kritik. Auch Berichte über Gewalt sorgten für Diskussionen.
Gewalt ist nicht in Ordnung. Punkt.
Aber mich beschäftigt noch etwas anderes.
Wie schnell wird aus dem Verhalten einzelner Menschen ein Urteil über eine ganze Generation?
Die Jugend ist respektlos. Die Alten sind verbohrt. Die Politiker haben keine Ahnung. Die Menschen von heute denken nur noch an sich.
Zack. Schublade auf. Mensch rein. Schublade zu.
Und ich nehme mich da gar nicht aus. Auch ich habe manchmal schneller eine Meinung, als ich wirklich zugehört habe. Dabei passiert etwas, das wir leicht übersehen.
Sobald ich glaube, schon zu wissen, wie jemand ist, werde ich weniger neugierig auf das, was er mir erzählen könnte.
Ich höre vielleicht noch seine Worte. Aber nicht mehr richtig hin.
Und das Gegenüber merkt, wenn die Antwort längst feststeht, bevor die Frage überhaupt zu Ende gestellt wurde.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb Menschen irgendwann so laut werden. Nicht immer, weil sie unbedingt recht behalten wollen. Sondern manchmal, weil sie das Gefühl haben, anders gar nicht gehört zu werden.
Natürlich rechtfertigt das nicht jedes Verhalten.
Aber es könnte uns helfen, manches besser zu verstehen.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie wichtig es mir früher war, ernst genommen zu werden.
Nicht unbedingt, dass jemand meiner Meinung war. Sondern dass meine Gedanken überhaupt etwas zählten.
Und mal ehrlich: Was gibt es eigentlich Dämlicheres, als als Kind daneben zu stehen, während Erwachsene über einen reden, als wäre man gar nicht da? Über das, was man angeblich denkt, fühlt oder sowieso noch nicht versteht. Und man steht daneben und möchte am liebsten rufen: „Hallo?! Ich bin hier! Und ich checke durchaus, was Ihr da redet!“ 🙄
Dieses Gefühl, nicht für voll genommen zu werden, bleibt manchmal länger hängen, als uns bewusst ist.
Und eigentlich hat sich an diesem Bedürfnis bis heute nichts geändert. Denn ernst genommen werden möchten wir in jedem Alter. Niemand möchte als rückständig abgestempelt werden, nur weil er älter ist. Oder als naiv gelten, weil ihm noch Lebenserfahrung fehlt.
Wir möchten gesehen werden. Nicht als Vertreter irgendeiner Generation. Sondern als Menschen. Mit unserer Geschichte, unseren Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen.
In der Bibel schreibt Paulus an den jungen Timotheus:
„Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen.“ – 1. Timotheus 4,12
Ich finde bemerkenswert, dass Paulus nicht schreibt: Sorge dafür, dass alle Deine Meinung teilen.
Sondern sinngemäß: Lass Dich nicht allein wegen Deines Alters kleinmachen. Lebe vielmehr so, dass Dein Handeln, Deine Liebe und Dein Glaube für sich sprechen.
Da steckt für mich auch eine Frage an uns alle drin:
Wie viel von dem Menschen vor mir sehe ich eigentlich noch, wenn ich längst entschieden habe, in welche Schublade er gehört?
Zuhören bedeutet nicht, alles gutzuheißen.
Ich darf widersprechen. Ich darf kritisieren. Ich darf klare Grenzen ziehen.
Aber ich kann dabei aufpassen, dass aus meiner Kritik an einer Meinung nicht die Abwertung eines Menschen wird.
Vielleicht beginnt Respekt genau dort.
Wo ich nicht nur auf mein nächstes Gegenargument warte, sondern bereit bin, etwas zu erfahren, das ich vorher noch nicht wusste. Denn manchmal verändert ein Gespräch nicht unsere Meinung.
Aber unseren Blick auf den Menschen, der sie hat.
Und das wäre doch schon ziemlich viel.
Segenregen, Mandy ❤️
