Keine Breaking News. Trotzdem passiert.
Heute Morgen habe ich Nachrichten gelesen.
Krieg. Streit. Krise.
Irgendwo wieder was eskaliert.
Irgendwo wieder jemand verletzt.
Irgendwo wieder Angst.
Was ich nicht gelesen habe:
Dass jemand heute Morgen für seine Nachbarin Brötchen mitgebracht hat.
Dass sich zwei Menschen nach Monaten wieder geschrieben haben.
Dass jemand im Bus aufgestanden ist.
Keine Schlagzeile. Kein Liveticker. Keine Push-Nachricht.
Und trotzdem ist es passiert.
Vielleicht ist das eines der Probleme unserer Zeit:
Wir sehen sehr genau, was kaputtgeht.
Aber viel weniger von dem, was jeden Tag hält.
Was funktioniert. Wo wir einander guttun.
Unser Gehirn merkt sich Gefahren sowieso besonders gut. Das ist sogar sinnvoll. Wer früher eine Gefahr übersehen hat, hatte möglicherweise ein echtes Problem.
Nur bekommen wir heute nicht mehr nur mit, was direkt vor unserer Haustür passiert.
Wir tragen die Krisen der ganzen Welt in der Hosentasche.
Und irgendwann kann sich das so anfühlen, als wäre alles schlecht geworden.
Als wären Menschen nur noch gegeneinander.
Als würde überall nur noch gestritten, gehasst und zerstört.
Aber vielleicht stimmt das Bild nicht ganz.
Vielleicht fehlen einfach die kleinen Nachrichten.
Die Nachricht darüber, dass jemand heute Nacht bei einem kranken Menschen geblieben ist – und heute Morgen müde zur Arbeit gegangen ist.
Dass eine Pflegerin noch fünf Minuten länger am Bett saß.
Dass jemand beim Einkaufen zehn Euro zu viel Wechselgeld bekommen und es zurückgebracht hat.
Dass einer dem Suchtdruck widerstanden hat.
Fünfmal am Alkoholregal vorbeigegangen ist.
Und am Ende den Laden verlassen hat.
Ohne Flasche.
Dass ein Mensch heute beschlossen hat: Ich mache es diesmal anders.
Darüber wird selten berichtet.
Zu klein. Zu unspektakulär.
„Mann entschuldigt sich ehrlich bei seiner Schwester.“
Ja gut.
Breaking News wird das vermutlich nicht. 😉
Dabei sind es vielleicht genau diese Dinge, die unsere Welt überhaupt zusammenhalten.
Jesus hat einmal gesagt:
„Wer einem von diesen Geringen auch nur einen Becher kaltes Wasser zu trinken gibt … der wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.“ – Matthäus 10,42
Ein Becher Wasser.
Nicht die Welt retten. Kein großes Wunder.
Nicht einmal etwas, das besonders beeindruckend klingt.
Einfach wahrnehmen, was ein Mensch gerade braucht.
Ihr Lieben, ich möchte das nicht romantisieren.
Es gibt genug Schreckliches auf dieser Welt.
Und manches davon darf uns erschüttern.
Aber ich möchte so gern, dass wir nicht vergessen:
Die Welt besteht nicht nur aus ihren Schlagzeilen.
Sie besteht auch aus Menschen, die füreinander Kaffee mitkochen.
Aus einem: „Bist Du gut angekommen?“
Aus jemandem, der sagt: „Komm, ich helfe Dir.“
Aus einem ehrlichen „Tut mir leid.“
Aus einem Menschen, der bleibt, wenn es unschön wird.
Und vielleicht genau dadurch zum Freund wird.
Darüber steht morgen wahrscheinlich nichts in den Nachrichten.
Aber für jemanden kann genau das die wichtigste Nachricht des Tages gewesen sein.
Vielleicht können wir die großen Nachrichten heute nicht verändern.
Aber wir können ganz viele kleine gute Nachrichten dazusetzen.
Wenn Du magst, schreib heute gern in die Kommentare, was Dir in letzter Zeit Gutes passiert ist.
Etwas, worüber bisher garantiert niemand berichtet hat.
Die Bühne gehört Dir.
