Wir tasten uns vor

Du suchst den Spotify Player? Sorry!! Ich habs noch nicht geschafft zu lesen … schau nachher nochmal rein 😉 

Guten Morgen,

sag mal, wusstest Du, dass Menschen ihre Meinungen nicht nur danach bilden, was sie selbst für richtig halten?

Auch die Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen, beeinflussen, was für uns normal wird, was wir gut finden, wie wir über andere denken – und manchmal sogar, was wir irgendwann für unsere ganz eigene Überzeugung halten.

Eigentlich logisch.

Und trotzdem musste ich drüber nachdenken.

Ich mein, früher … man geriet in eine Clique, fand die Leute cool, hörte irgendwann dieselbe Musik, trug ähnliche Klamotten und hatte ziemlich schnell auch eine Meinung darüber, wie „die anderen“ so sind.

Heute ist das im Grunde gar nicht so anders.

Ob politisch links oder rechts. In einer Kirche oder Freikirche. In irgendeiner spirituellen Richtung. In einer bestimmten Online-Bubble. Beim Fußball. In der Fitnessszene. Bei Menschen, die dieselben Ängste haben wie wir. Oder dieselbe Wut.

Wir landen irgendwo.

Bei Menschen, bei denen wir uns wohlfühlen.
Die ähnlich denken. Ähnlich fühlen. Ähnlich auf die Welt schauen.

Und irgendwann färbt das ab.

Das beginnt oft nicht mit einer großen Entscheidung. Wir setzen uns ja selten an einem Dienstagabend an den Küchentisch und sagen:

So. Ich suche mir jetzt mal eine Weltanschauung.

Wir treffen Menschen.

Jemand nimmt uns mit. Da sind Leute, mit denen wir lachen können. Menschen, bei denen wir uns verstanden fühlen. Wir werden willkommen geheißen.

Also bleiben wir.

Und mit der Zeit übernehmen wir manchmal mehr als nur Musik, Kleidung oder Gewohnheiten.

Wir übernehmen Sätze. Meinungen. Antworten.

Manchmal auch Feindbilder.

Und genau da wird’s interessant.

Denn nur weil uns etwas Halt gibt, heißt das noch lange nicht, dass es uns guttut.

Nicht jede Überzeugung ist gut. Nicht jede Richtung harmlos. Und nicht jeder Ort, an dem ein Mensch Halt findet, ist deshalb ein guter Ort.

Aber unter all diesen unterschiedlichen Wegen liegt oft etwas erstaunlich Ähnliches:

Wir suchen.

Nach Zugehörigkeit. Nach Halt. Nach Sicherheit. Nach Gerechtigkeit. Nach Menschen, die uns verstehen. Nach einer Erklärung für dieses ganze Leben.

Warum bin ich hier?
Was soll das alles?
Wo gehöre ich hin?

Und gibt es irgendwo etwas, das wirklich trägt?


Von außen sehen wir meistens nur, wo jemand gelandet ist.

Das T-Shirt. Die Fahne. Die Partei. Die Gruppe. Die Meinung. Das Kreuz. Oder eben ganz bewusst kein Kreuz.

Und zack, Schublade zu.

Dabei wäre eine andere Frage viel interessanter:

Was suchst Du dort eigentlich?

Wonach sehnst Du Dich?
Was gibt Dir dieser Ort?
Was hoffst Du dort zu finden?

Wir müssten die Antwort des anderen nicht gut finden.

Aber vielleicht würden wir hinter einer Meinung wieder einen Menschen sehen.

Einen, der dazugehören möchte. Der verstanden werden will. Der Halt sucht. Sinn. Hoffnung. Irgendetwas, das diese verrückte Welt ein bisschen erklärbarer macht.

So wie Du.

So wie ich.

In der Apostelgeschichte steht ein Satz, den ich dazu ziemlich stark finde:

„Und er hat gewollt, dass die Menschen ihn suchen, damit sie ihn vielleicht ertasten und finden könnten. Denn er ist ja jedem von uns ganz nahe.“ – Apostelgeschichte 17,27

Irgendwie gut. Dieses ertasten.

Ich stell mir dabei jemanden vor, der im Dunkeln durch einen unbekannten Raum geht.

Langsam.
Vorsichtig.
Die Hände nach vorne.

Man weiß nicht genau, was da kommt. Ob da gleich eine Wand ist. Eine Tür. Eine Kante, an der man sich stößt.

Also tastet man sich Stück für Stück vor.

Nicht sicher.
Nicht souverän.
Nicht mit fertigem Plan.

Eigentlich ziemlich genau so, wie wir manchmal durchs Leben gehen.

Wir wissen nicht genau, wonach wir suchen.
Wir merken nur: Irgendwas fehlt.

Also greifen wir nach Dingen, die nach Halt aussehen.

Nach Menschen.
Nach Antworten.
Nach Überzeugungen.
Nach irgendwas, das sagt: Hier bist Du richtig.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Ich glaub, die Suche nach Gott beginnt nicht immer mit Gott.
Nicht mit Kirche. Nicht mit Bibellesen. Nicht mit einem fertigen Glauben.

Manchmal beginnt sie nur mit diesem leisen Gefühl:

Da muss doch noch mehr sein.


Und vielleicht ist das schon mehr, als wir denken.

Nicht gefunden.

Aber unterwegs … 🧳


Tschüss für heute.
Mandy