Bist Du glücklich?
Bist Du glücklich?
Also so richtig?
Ich finde die Frage gar nicht so leicht.
Es gibt Tage, da denke ich:
Eigentlich ist doch alles okay.
Und dann gibts andere.
Da nervt mich mein eigenes Leben.
Da frage ich mich, ob ich irgendwo falsch abgebogen bin.
Ob andere irgendwie mehr aus ihrem Leben machen.
Ob ich nicht eigentlich glücklicher sein müsste.
Müsste.
Auch so ein Wort.
Denn eigentlich habe ich doch viel, wofür ich dankbar sein kann.
Und genau da wirds kompliziert.
Weil Dankbarkeit und Glück nicht dasselbe sind.
Du kannst dankbar sein für Dein Zuhause und Dich trotzdem manchmal darin eingeengt fühlen. Du kannst einen Menschen lieben und trotzdem einen Tag haben, an dem Du ihn gern auf den Mond schießen würdest. Du kannst Dein Leben mögen und trotzdem manchmal davon träumen, für ein paar Tage ein anderes zu haben.
Vielleicht machen wir G l ü c k viel zu oft zu einem Zustand.
Als müsste irgendwann alles stimmen.
Die Beziehung.
Das Konto.
Der Körper.
Der Kopf.
Die Familie.
Der Job.
Und dann – tadaaa – bist Du glücklich.
Für immer.
Nur funktioniert das Leben irgendwie nicht so.
Vielleicht ist deshalb schon die Frage falsch.
Bin ich glücklich?
Paulus hätte sie vielleicht auch nicht einfach mit Ja beantwortet.
Sein Leben war jedenfalls nicht gerade die Sorte Leben, bei der man sagen würde:
Läuft bei Dir.
Gefängnis.
Ablehnung.
Angst.
Streit.
Verlust.
Und ausgerechnet dieser Mann schreibt:
„Ich habe gelernt, in jeder Lage zufrieden zu sein.“
Philipper 4,11
Das Wort, an dem ich hängenbleibe, ist gar nicht „zufrieden“.
Es ist:
gelernt.
Offenbar konnte Paulus das auch nicht einfach.
Zufriedenheit war für ihn kein Dauerzustand.
Kein Charakterzug.
Kein inneres Dauergrinsen.
Er musste es lernen.
Vielleicht sogar immer wieder.
Und ich glaube, darin steckt etwas ziemlich Tröstliches.
Ich muss nicht jeden Morgen aufwachen und denken:
Wow. Was für ein geiles Leben!!
Man kann sein Leben mögen und trotzdem genervt davon sein.
Man kann dankbar sein und trotzdem etwas vermissen.
Man kann hoffen und trotzdem Angst haben.
Man kann einen guten Tag haben und abends trotzdem denken: Boah. Reicht jetzt auch.
Vielleicht ist Glück einfach nicht ständig da.
Vielleicht kommt es eher zwischendurch.
Für einen Moment.
Manchmal nur für ein paar Minuten.
Und vielleicht merkt man es oft erst hinterher.
Ich wünsch Dir diese kurzen Momente, in denen Du plötzlich merkst:
Gerade fehlt mir nichts.
Wenn der Hund sich neben Dich kuschelt und einfach liegenbleibt. Wenn Du mit jemandem am Tisch sitzt und plötzlich merkst, wie gut Dir genau dieser Mensch gerade tut. Wenn Du im Supermarkt an der Kasse stehst, draußen regnet es, alles war irgendwie stressig – und Du trotzdem kurz denkst: Eigentlich ist gerade alles okay.
Wenn Du abends ins Bett fällst und für ein paar Sekunden nichts mehr lösen, planen oder erklären musst.
Oder irgendein anderer völlig unspektakulärer Moment, den niemand posten würde.
Und für ein paar Sekunden fragst Du Dich nicht, ob Du glücklich bist.
Du bist es einfach.
Vielleicht muss ich deshalb gar nicht wissen, ob ich insgesamt glücklich bin.
Vielleicht ist mein Leben für diese Frage viel zu groß und komplex.
Da ist Schönes und Schweres.
Liebe und Genervtsein.
Dankbarkeit und Sehnsucht.
Hoffnung und Angst.
Alles gleichzeitig.
Und vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, irgendwann sagen zu können:
Jetzt bin ich glücklich.
Vielleicht reicht manchmal schon der Gedanke:
Nicht alles in meinem Leben ist gut.
Aber genau jetzt geht es mir gut.
