Zu Besuch bei Martha und Maria

Ihr Lieben,

Jesus ist unterwegs und kommt in ein Dorf.
Martha empfängt ihn bei sich zu Hause.
Ihre Schwester Maria ist auch da.

Und wer schon mal Besuch bekommen hat, weiß: Damit ist es meistens nicht getan.

Bevor es heißt: „Schön, dass Du da bist“, steht oft noch jede Menge anderes auf der Agenda.

Tisch decken. Essen vorbereiten. Getränke hinstellen.
Vielleicht noch schnell etwas wegräumen, was keiner sehen soll.
Der Blick in die Küche.
Klo und Waschbecken nochmal durchwischen.
Der Blick auf die Uhr.
Der Gedanke: Hoffentlich reicht alles.

Und damals war das alles nochmal anders als heute.

Da stand nicht einfach eine Kaffeemaschine auf dem Küchentresen.
Es gab keinen Lieferdienst. Nicht mal einen Kühlschrank, aus dem man schnell noch etwas rausholt.

Wenn Besuch kam, bedeutete das Arbeit.

Wasser ranschleppen.
Brot backen.
Essen vorbereiten.
Platz schaffen.
Schüsseln hier, Schüsseln da.
Abspülen.
Hände, die tun, was getan werden muss.

Vielleicht war das Haus klein. Vielleicht gab es irgendwo einen Hof.
Irgendwo eine Feuerstelle. Irgendwo das, was wir heute Küche nennen würden.

Nur ohne all das, was uns in unseren Wohnküchen mit vorherrschend schwedischem Design das Leben leichter macht. Einen Thermomix hatten die Mädels jedenfalls nicht.

Martha ist also beschäftigt. Sie kümmert sich.

Ihre Schwester Maria dagegen setzt sich zu Jesus.
Sie hört ihm zu. Ist ganz bei ihm.

Und irgendwann platzt Martha der Kragen.

Sie sagt zu Jesus: „Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ – Lukas 10,40

Ich finde: Das ist ein ziemlich menschlicher Satz.

Sowas kommt dabei raus, wenn man schon viel zu lange geschluckt hat.

Und dann sagt Jesus nicht:
„Martha, stell Dich nicht so an.“

Er sagt auch nicht:
„Deine Arbeit ist unwichtig.“

Er sagt:

„Martha, Martha, du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.“ – Lukas 10,41–42

Und genau da wird diese Geschichte spannend.

Denn ich glaube nicht, dass Jesus Martha abwertet.

Martha macht ja nichts Schlechtes.

Sie lädt Jesus ein.
Sie sorgt. Sie denkt mit. Sie sieht, was getan werden muss.

Ohne Menschen wie Martha läuft nichts.

Vielleicht ist Martha nicht falsch.
Vielleicht ist sie nur müde.

Vielleicht geht es Jesus gar nicht um das, was Martha tut.
Vielleicht berührt ihn, dass sie sich darin verliert.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Nicht das Tun ist falsch.
Nicht das Kümmern.
Nicht das Mitdenken.
Nicht dieses praktische Herz, das sieht, wo etwas fehlt.

Aber manchmal verliert man sich sogar im Guten.

Man macht.
Und macht.
Und macht.

Und irgendwann ist da nicht mehr Liebe, sondern Druck.
Nicht mehr Freude, sondern Gereiztheit.
Und dazu dieser stille Vorwurf:

Sieht eigentlich irgendwer, was ich hier alles mache?
Was ich mitdenke?
Was ich trage?


Vielleicht kennt das mancher.

Dass man äußerlich tut, was richtig ist, und innerlich längst nicht mehr frei ist.

Und man macht weiter und merkt, wie unglücklich man dabei wird.

Vielleicht sagt Jesus zu Martha nicht:
„Mach nichts mehr.“

Vielleicht sagt er eher:
„Martha, ich sehe Dich.
Nicht nur Deine Arbeit.
Dich.“

Wir müssen nicht erst zusammenbrechen, damit wir uns setzen dürfen.

Wir müssen nicht beweisen, dass wir gebraucht werden.

Nicht alles halten. Nicht alles schaffen.
Nicht immer die sein, die noch eben schnell die Welt rettet.

Manchmal ist wichtig, kurz aufzuhören, sich über die eigene Leistung zu definieren.

Sich hinsetzen.
Atmen.
Zuhören.
Empfangen.

Und vielleicht dabei merken:

Jesus sieht nicht nur, was ich alles mache.
Er sieht auch, was das alles mit mir macht.

⚓️❤️