Warum hältst Du uns nicht auf?
Ihr Lieben,
wenn etwas Gutes passiert, danke ich Gott.
Wenn jemand gesund wird.
Wenn etwas bewahrt bleibt.
Wenn sich plötzlich eine Tür öffnet …
Dann sage ich: Hab Dank, Gott.
Danke. Wirklich. 🙏
Und wenn etwas Schlimmes passiert?
Dann sage ich oft: Das war nicht Gott.
Das waren Menschen.
Das war Gewalt.
Das war Gier.
Das war Hass.
Das war Machtmissbrauch.
Das war diese verdammte Freiheit, mit der wir eben nicht nur lieben können, sondern auch zerstören.
Und ja. Ich glaube das.
Ich glaube nicht, dass Gott Kriege anzettelt.
Ich glaube nicht, dass Gott Kinder leiden sehen will.
Ich glaube nicht, dass Gott Freude daran hat, wenn Menschen einander kaputtmachen.
Aber ganz ehrlich?
Manchmal stolpere ich trotzdem über meinen eigenen Glauben.
Nicht, weil ich nicht glauben will.
Sondern weil da diese Frage ist, die nicht weggeht.
Warum hält er uns nicht auf?
Warum gibt Gott uns so viel Freiheit, wenn wir damit so tief in den Dreck langen können?
Warum lässt er Menschen machen, obwohl er doch sieht, was daraus wird?
Und dann kommt manchmal diese Antwort: Jesus.
Jesus ist gekommen.
Gott ist Mensch geworden.
Gott ist nicht oben geblieben.
Nicht auf Abstand.
Nicht irgendwo über den Wolken, sauber, sicher, unberührt.
Er ist hineingekommen in diese chaotische Welt.
In Staub.
In Angst.
In Tränen.
In Ungerechtigkeit.
In Gewalt.
Ans Kreuz.
Und das bedeutet mir viel.
Wirklich.
Aber es löst nicht alles.
Denn trotz Jesus gibt es noch immer Leid.
Trotz Jesus gibt es Kriege.
Trotz Jesus werden Menschen krank.
Trotz Jesus verlieren Kinder ihre Eltern und Eltern ihre Kinder.
Trotz Jesus werden Menschen verraten, verletzt, missbraucht, übersehen.
Trotz Jesus sitzen manche abends da und wissen nicht, wie sie den nächsten Morgen schaffen sollen. 🕯️
Und ich finde, das darf man sagen.
Vielleicht muss man es sogar sagen.
Jesus ist keine schnelle Erklärung für alles, was weh tut.
Kein Pflaster, das man über eine tiefe Wunde klebt, um dann so zu tun, als wäre alles gut.
Vielleicht ist Jesus eher genau das Gegenteil.
Er ist der Gott, der nicht sagt: „So schlimm ist es doch nicht.“
Sondern der Gott, der weiß, wie schlimm es ist.
Jesus hat Angst gekannt.
Einsamkeit.
Verrat.
Schmerzen.
Ohnmacht.
Den Moment, in dem Menschen urteilen, rufen, lachen, ohne wirklich zu begreifen, was sie da tun.
Den Moment, in dem keine Antwort kommt.
Nicht von Menschen.
Nicht vom Himmel.
Von nirgendwo.
Vielleicht erklärt mir das nicht, warum Leid geschieht.
Aber es nimmt diesem Leid ein kleines bisschen die Einsamkeit.
Weil Jesus nicht nur von außen auf Schmerz geschaut hat.
Er war mittendrin.
In Angst.
In Ohnmacht.
In Verlassenwerden.
In diesem bitteren Gefühl: Jetzt müsste doch jemand kommen.
Und genau da sagt er:
„In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Johannes 16,33
Nicht: Ihr müsst nur stärker glauben.
Nicht: Stellt Euch nicht so an.
Nicht: Alles hat schon seinen Sinn.
Sondern erstmal nur: Ja. Diese Welt macht Angst.
Manchmal sehr.
Und vielleicht tröstet mich daran nicht, dass ich plötzlich alles verstehe.
Sondern dass Jesus diese Angst nicht kleinredet. Er kennt sie.
Und trotzdem bleibt da dieser Satz: Angst soll nicht das letzte Wort haben.
Nicht über diese Welt. Nicht über uns. Nicht über Dich. ⚓️
Ich verstehe Gott nicht immer. Manchmal gar nicht.
Aber ich glaube nicht an einen Gott, der Leid schönredet.
Eher an einen, der weiß, wie dunkel es hier werden kann.
Und vielleicht ist Trost manchmal nicht, dass alles sofort aufhört.
Vielleicht ist Trost manchmal nur: Da ist einer, der bleibt.
Auch dann, wenn ich selbst keine Worte mehr habe. ❤️
In diesem Sinne …. neue Woche, los gehts!
Mandy
