Wenn das Geld nicht reicht
Geldsorgen halten sich nicht an Tageszeiten.
Sie warten nicht, bis der Brief geöffnet oder das Onlinebanking aufgerufen wird.
Im Kopf rechnen sie einfach weiter.
Beim Zähneputzen. Beim Einkaufen. Mitten in einem Gespräch.
Nachts, wenn man eigentlich schlafen müsste. 😟
Wie viel fehlt? Was wird als Nächstes abgebucht? Welche Rechnung kann noch warten?
Und was passiert, wenn es nächsten Monat wieder nicht reicht?
Ich kenne dieses Rechnen im Kopf – und kann nur erahnen, wie viele Menschen jeden Tag damit leben.
Denn wenn das Geld knapp wird, geht es irgendwann nicht mehr nur darum, ob man sich etwas Schönes leisten kann.
Dann geht es an die Existenz.
An die Miete. Den Strom. Den Einkauf am Ende des Monats.
An die Waschmaschine, die jetzt bitte auf keinen Fall kaputtgehen darf.
An den Zahnarzttermin, den man lieber noch einmal verschiebt.
Geld zieht sich plötzlich durch alles.
Durch Entscheidungen. Durch Beziehungen. Durch die Nächte.
Und dann stellt sich die Frage, wie man das Leben trotzdem genießen soll …
Wenn der Kaffee unterwegs nicht mehr einfach nur Kaffee ist, sondern 3,80 Euro, die später vielleicht fehlen.
Wenn bei jedem kleinen Wunsch sofort das Rechnen beginnt:
Dafür könnte ich auch …
Dann reicht es vielleicht nicht mehr für …
Ach, besser nicht. 😕
Und schon fühlt sich selbst Freude irgendwie unverantwortlich an.
„Sorgt euch also nicht um morgen.“ – Matthäus 6,34
Ja. Wenn das so einfach wäre. 🙄
Diese blöden Gedanken drängen sich auf, weil etwas auf dem Spiel steht.
Vielleicht die Wohnung. Vielleicht die nächste Rate.
Vielleicht die Angst, dass irgendwann gar nichts mehr geht.
In der Bibel wird von einer Witwe erzählt.
Ihr Mann war gestorben. Die Trauer war da. Die Schulden auch. Und nun drohte der Gläubiger, ihr auch noch die beiden Söhne zu nehmen. Sie sollten ihm als Sklaven dienen, um die Schulden ihres verstorbenen Vaters abzuarbeiten.
Ihre ganze Existenz stand auf dem Spiel.
Als sie sich an den Propheten Elisa wandte, sagte der nicht: Denk positiver. Du musst einfach mehr vertrauen. Gott wird das schon irgendwie richten.
Er fragte: „Was hast du im Haus?“ – 2. Könige 4,2
Ich mag diese Frage. Weil sie die Not nicht kleinredet.
Sie beginnt dort, wo die Frau gerade steht.
Bei dem, was fehlt.
Aber auch bei dem, was noch da ist.
Vielleicht beginnt ein Weg durch Geldsorgen manchmal genauso unspektakulär.
Mit einem Blatt Papier.
Was kommt rein? Was muss raus?
Was ist wirklich dringend? Wo könnte ich um Aufschub bitten?
Und wem müsste ich endlich ehrlich sagen, dass ich gerade nicht mehr weiterweiß?
Denn nur im Kopf haben Zahlen nachts keine Grenzen.
Sie werden größer. Vermischen sich mit Angst.
Und erzählen irgendwann, dass das ganze Leben kurz vor dem Zusammenbruch steht.
Auf Papier sind die Zahlen vielleicht immer noch erschreckend. Aber sie werden konkret. Dann lässt sich erkennen, was tatsächlich fehlt – und was die Angst noch dazurechnet.
Manchmal sitze ich in der Bahn und sehe am Bahnhof Menschen, die in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen.
Dann frage ich mich, wie viele Menschen mitten unter uns heimlich rechnen.
Wie viele beim Einkaufen Dinge zurücklegen.
Ihre Wohnung im Winter kälter lassen.
Einladungen absagen, weil schon die Fahrt dorthin zu teuer wäre.
Armut ist nicht immer laut.
Manchmal klappert sie nur leise in einer Tüte voller Pfandflaschen. 😔
Vielleicht bedeutet „Sorgt euch nicht um morgen“ auch gar nicht:
Denk nicht daran.
Hab keine Angst.
Wird schon alles gut.
Vielleicht bedeutet es eher: Lass das Morgen nicht auch noch alles nehmen, was heute trotzdem da ist.
Oder um noch einmal mit Elisa zu fragen: Was hast Du im Haus?
Schau Dich um.
Das Lachen eines geliebten Menschen?
Das Essen, das gerade auf dem Tisch steht?
Dein Haustier, das einfach bei Dir ist? 🐾
Den Kaffee in Deiner Hand, während Du dieses SeelenFutter liest?
Ein warmes Bett?
Ich weiß.
Das alles bezahlt keine Rechnung.
Aber es muss sich auch nicht dafür rechtfertigen, dass es schön ist.
Freude ist nicht verantwortungslos, nur weil noch etwas offen ist.
Und ein schöner Moment ist kein Beweis dafür, dass die Sorge nicht groß genug war.
Die offene Rechnung ist schon teuer genug.
Sie muss nicht auch noch mit Deiner Lebensfreude bezahlt werden. ❤️
Segenregen.
Mandy
Geldsorgen sind bei Dir gerade mehr als nur ein Gedanke?
Du musst nicht warten, bis nichts mehr geht. Eine Schuldnerberatung kann Dir helfen, die Zahlen zu sortieren und einen nächsten Schritt zu finden.
Die Caritas-Schuldnerberatung berät auch online und auf Wunsch anonym.
Hilfe anzunehmen ist kein Versagen. Manchmal ist es einfach der Moment, in dem man aufhört, alles allein im Kopf auszurechnen.
