Was, wenn Gott gar nicht enttäuscht von Dir ist?
Es gibt Tage, da hat man das Gefühl, man hätte sich selbst mal wieder nicht besonders gut vertreten.
Zu schnell genervt. Zu wenig geschafft. Jemanden hängen lassen. Etwas gesagt, das man besser nicht gesagt hätte. Oder wieder genau das gemacht, von dem man sich eigentlich vorgenommen hatte, es endlich anders zu machen.
Und dann kommt dieses unangenehme Gefühl:
Du müsstest doch längst weiter sein.
Reifer. Gelassener. Konsequenter. Irgendwie … besser.
Vielleicht kennst Du diesen Blick auch, obwohl gerade gar niemand im Raum ist. Diesen inneren Blick, der sagt: Das war jetzt aber enttäuschend.
Ich glaube, wir tragen erstaunlich viele solcher Blicke mit uns herum. Von früher. Von Menschen, denen wir gefallen wollten. Von Erwartungen, die irgendwann selbstverständlich wurden. Vielleicht auch aus der Kirche.
„Als Christ sollte man doch …“
„Wenn Du wirklich vertrauen würdest …“
„Da musst Du noch dran arbeiten.“
Und irgendwann weiß man gar nicht mehr so genau: Ist das eigentlich noch mein schlechtes Gewissen? Die Stimme irgendeines Menschen? Oder stelle ich mir tatsächlich vor, dass Gott genauso über mich denkt?
Vielleicht ist das eine ziemlich wichtige Frage.
Denn enttäuscht kann eigentlich nur sein, wer etwas anderes erwartet hat.
Und da wird es interessant.
Wenn Gott Dich wirklich kennt, dann kennt er doch auch die Stellen, an denen Du immer wieder stolperst. Deine dünne Geduldsdecke. Deine Zweifel. Deine Macken. Deine großartigen Vorsätze am Montag und das Chaos spätestens am Mittwoch.
Petrus zum Beispiel kündigt groß an, Jesus niemals im Stich zu lassen. Kurze Zeit später tut er ziemlich genau das. Dreimal sogar.
Nicht gerade seine Glanzstunde.
Und trotzdem ist seine Geschichte damit nicht vorbei.
Vielleicht müssen wir deshalb unterscheiden zwischen:
„Das war nicht gut.“
und
„Mit Dir stimmt etwas nicht.“
Das eine kann ehrlich sein. Das andere macht einen Menschen klein.
Natürlich gibt es Dinge, die wir verändern sollten. Manches müssen wir entschuldigen. Manches wiedergutmachen. Manches vielleicht wirklich endlich lassen.
Aber das bedeutet nicht automatisch, dass über unserem Leben ständig jemand sitzt und Striche macht.
Gut. Schlecht. Schon wieder versagt.
Vielleicht schauen wir viel härter auf uns, als Gott es tut.
„Barmherzig und gnädig ist der HERR, groß ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe!“
Psalm 103,8
Vielleicht ist er gar nicht überrascht, dass Du noch nicht fertig bist.
Vielleicht erwartet niemand von Dir, heute schon der Mensch zu sein, zu dem Du erst noch wirst.
Und vielleicht ist genau das eine ziemlich befreiende Vorstellung:
Du darfst wachsen, ohne Dich dabei ständig für Deinen jetzigen Zustand schämen zu müssen. ❤️
Bis morgen.
Deine Mandy
