Als wären wir Gott
Ihr Lieben,
ich glaube, wir Menschen kommen erstaunlich schlecht damit klar, nicht Gott zu sein.
Wir möchten verstehen. Kontrollieren. Festlegen.
Wissen, was richtig ist. Bestimmen, wie was zu laufen hat.
Und wenn das Leben nicht macht, was wir wollen, werden wir wütend.
Oder bitter. Oder verzweifelt. Machen auf beleidigte Leberwurst.
Vielleicht steckt genau darin etwas von dem, was die Bibel schon ganz am Anfang beschreibt.
Diese alte Versuchung: „Ihr werdet sein wie Gott.“ – 1. Mose 3,5
Klingt erstmal gar nicht so böse.
Eher nach: endlich unabhängig sein. Selbst entscheiden.
Niemanden mehr brauchen. Selbst wissen, was gut und richtig ist.
Und ganz ehrlich?
Ich glaube, dieser Gedanke lebt bis heute in uns weiter.
Nicht unbedingt so offensichtlich, aber in uns mit diesem stillen:
„Ich weiß es besser.“
„Ich brauche mir nichts sagen zu lassen.“
„Ich will mein eigenes Ding machen.“
„Ich will bestimmen.“
„Ich will die Kontrolle behalten.“
Vielleicht beginnt das Problem des Menschen nicht erst bei Gewalt oder Hass.
Vielleicht beginnt es viel früher.
Da, wo wir uns selbst in die Mitte setzen. Als wären wir Gott.
Und gleichzeitig passiert etwas Merkwürdiges:
Je mehr wir versuchen, alles zu kontrollieren, desto unruhiger werden wir oft.
Weil wir schnell checken: Wir können das Leben eben doch nicht komplett festhalten.
Nicht Menschen. Nicht Liebe. Nicht Zeit. Nicht Gesundheit.
Vielleicht liegt genau darin auch etwas Heilsames: Nicht Gott sein zu müssen.
Nicht alles tragen zu müssen.
Nicht alles wissen zu müssen.
Nicht über allem stehen zu müssen.
Sondern Mensch sein zu dürfen.
Begrenzt. Fehlerhaft. Abhängig. Bedürftig. Und trotzdem geliebt.
Vielleicht beginnt Glaube manchmal genau da: Nicht auf dem Thron sitzen zu wollen.
„Gott widersteht den Hochmütigen; aber den Demütigen gibt er Gnade.“ – Jakobus 4,6
In diesem Sinne: Bleib auf dem Boden. Nicht klein. Nicht wertlos. Sondern menschlich.
Danke, dass Du diese Woche beim SeelenFutter dabei warst.
Hab ein schönes Wochenende!
Bis nächste Woche.
Mandy
