Vor meinen Füßen

Ihr Lieben,

manchmal ist die Welt einfach zu groß.

Zu viele Nachrichten. Zu viele Krisen.
Zu viele Menschen, die Hilfe brauchen.

Und irgendwo dazwischen dieses Gefühl: Ich müsste doch etwas tun.

Aber was?

Ich kann nicht überall sein.
Nicht alles reparieren.
Nicht jede Wunde verbinden.
Nicht jeden Menschen erreichen.

Vielleicht beginnt Liebe manchmal gar nicht mit der großen Frage: Wie rette ich alle?

Sondern mit einer kleineren. Einer unbequemeren.

Wer liegt heute vor meinen Füßen?

Jesus erzählt von einem Menschen, der überfallen wird.

Ein Mensch am Wegrand. Verletzt. Liegen gelassen.
Zu viel für einen kurzen Blick. Zu echt, um einfach nur weiterzugehen.

Und doch gehen welche vorbei.

Vielleicht hatten sie Gründe.

Vielleicht waren sie müde. Vielleicht hatten sie Angst.
Vielleicht dachten sie: Nicht jetzt. Nicht auch noch das. Ich kann nicht mehr.

Und ehrlich?

Ich verstehe das mehr, als mir lieb ist.

Manchmal geht man nicht vorbei, weil es einen kalt lässt.
Manchmal geht man vorbei, weil man selber schon randvoll ist.

Mit Leben. Mit Sorgen.
Mit allem, was sowieso schon drückt.

Und weil da auch dieser Gedanke ist: Bitte das nicht auch noch …

Da sind doch noch andere.
Irgendwer wird schon helfen.
Ich bin doch nicht die Einzige …

Und ehrlich?

Ich kenne diese Gedanken. Sie machen mich nicht stolz.

Aber ich glaube, sie machen mich auch nicht unmenschlich.


… Dann kommt einer, von dem man es nicht erwartet hätte.

Ein Samariter.

Zwischen Samaritern und Juden war damals nicht nur ein bisschen Meinungsverschiedenheit.

Da lag viel dazwischen.

Lange Geschichte.
Misstrauen. Abstand.
Dieses alte „wir“ und „die“-Ding.

Und ausgerechnet der Samariter bleibt stehen.

Nicht, weil er den Verletzten irgendwoher kennt.

Sondern weil er da liegt.

Weil er blutet.

Weil er ein Mensch ist.

In Lukas 10 heißt es: Der Samariter hatte Mitleid.

Er geht hin.
Er sieht sich die Wunden an.
Er bringt ihn in Sicherheit.

Kein großer Weltrettungsplan.

Nur ein Mensch, der nicht weitergeht.

Vielleicht ist das manchmal der Unterschied.

Du musst nicht alles lösen. Du musst nicht alle retten.
Du musst nicht die ganze Welt auf Deinen Schultern tragen.

Aber vielleicht kannst Du den Menschen nicht ignorieren, der direkt vor Deinen Füßen liegt.

Nächstenliebe ist gar nicht immer so ein großes Ding.

Manchmal ist sie ein bisschen Zeit. Ein bisschen Geduld.
Ein bisschen Mut, nicht wegzuschauen.

Und ein bisschen weniger: Nicht mein Problem.

Vielleicht nimmst Du heute einfach diese kleine Frage mit:

Wer liegt gerade vor meinen Füßen?

Nicht als Druck. Eher als Blickrichtung.

Komm gut in diesen Mittwoch.

Und wenn Du magst: Erzähl unten in den Kommentaren gern von einem Moment, in dem jemand nicht einfach weitergegangen ist … 

Segenregen & Ciao bis morgen früh.
Mandy