Und was ist mit ihm?
Ihr Lieben, ich habe in der Geschichte von gestern noch ein bisschen weitergeblättert …
Wir hatten Petrus und Jesus am Feuer zurückgelassen. 🔥 Bei Brot und Fisch. 🥖🐟 Und mit allem, was zwischen ihnen noch unausgesprochen in der Luft liegt.
Petrus hatte einen langen Morgen hinter sich.
Er hatte Jesus im entscheidenden Moment verleugnet. Dreimal behauptet, ihn nicht zu kennen.
Doch Jesus rechnet nicht mit ihm ab.
Er fragt Petrus dreimal: „Liebst du mich?“ Und gibt ihm eine neue Aufgabe.
Du wirst noch gebraucht. ❤️
(Johannes 21,15–17)
Eigentlich könnte die Geschichte hier enden.
Versöhnt.
Vergeben.
Neuanfang.
Aber die Geschichte geht weiter.
Und nur wenige Sätze später passiert etwas, das mindestens genauso menschlich ist.
Jesus sagt Petrus, dass sein weiterer Weg nicht leicht werden wird. Eines Tages, so deutet er an, werden andere über Petrus bestimmen und ihn dorthin führen, wohin er nicht gehen möchte.
Und schließlich sagt Jesus: „Folge mir nach!“
Petrus geht los.
Doch schon nach wenigen Schritten dreht er sich um. Hinter ihnen läuft Johannes, ein anderer Jünger.
Petrus sieht ihn und fragt Jesus: „Herr, was wird denn aus ihm?“
Warum Petrus das fragt, steht dort nicht.
Vielleicht macht er sich Sorgen um seinen Freund. Vielleicht ist er neugierig.
Vielleicht steckt darin aber auch dieser leise Reflex, den viele von uns kennen: Bevor ich meinen Weg annehme, möchte ich wissen, welchen die anderen bekommen.
Muss Johannes auch durch Schweres? Wird sein Weg leichter?
Warum ich – und was ist mit ihm?
Wir vergleichen schließlich nicht nur Häuser, Urlaube und Erfolge.
Wir vergleichen auch Wunden.
Wir schauen, wer schneller wieder aufsteht. Wer nach einem Verlust neu anfangen kann. Wessen Gebet scheinbar erhört wurde. Wer gesund geblieben ist.
Wer angekommen scheint, während wir selbst noch irgendwo zwischen gestern und irgendwann festhängen.
Nicht immer aus Neid.
Manchmal suchen wir im Leben der anderen einfach einen Maßstab für unser eigenes.
Wir möchten wissen, ob es gerecht zugeht. Ob unser Schmerz noch im normalen Bereich liegt. Ob wir uns anstellen. Ob Gott uns vielleicht übersehen hat.
Der eigene Weg kann sich plötzlich noch schwerer anfühlen, wenn der Mensch neben uns scheinbar ohne Gepäck unterwegs ist.
Jesus erklärt Petrus trotzdem nicht, was er mit Johannes vorhat.
Er legt die beiden Lebenswege nicht nebeneinander.
Kein Vergleich. Keine Erklärung. Keine Antwort, durch die sich Petrus’ eigener Weg plötzlich leichter oder gerechter anfühlt.
Er sagt nur:
„Was geht dich das an? Du folge mir nach!“ – Johannes 21,22
Das klingt im ersten Moment ziemlich schroff.
Vielleicht meint Jesus aber nicht: Der andere soll Dir egal sein.
Vielleicht meint er: Petrus, komm zurück. Zurück aus dem Leben des anderen. Zurück zu Dir. Zu Deinem nächsten Schritt. 👣
Denn wir vergleichen oft unser ganzes Innenleben mit einem kleinen Ausschnitt, den wir von einem anderen Menschen sehen.
Unsere Angst mit seinem Lächeln.
Unsere Umwege mit seinem Ankommen.
Unsere Fragen mit seiner scheinbaren Gewissheit.
Dabei wissen wir nicht, was hinter seinem Lächeln liegt.
Welche Nächte er kennt. Welche Fragen er Gott stellt, wenn niemand zuhört.
Das Leben eines anderen erklärt nicht, warum Deines so geworden ist.
Und sein scheinbar leichterer Weg würde Deinen Schmerz nicht ungültig machen.
Genauso wenig muss ein anderer erst leiden, damit Dein Leben gerecht wird.
Vielleicht bleibt am Ende keine Antwort auf die Frage:
„Und was ist mit ihm?“
Nur eine andere:
Was ist jetzt Dein Schritt?
Nicht seiner.
Nicht ihrer.
Deiner. 🧭
… schönen Mittwoch!
Deine Mandy
