Von Beginn an böse?

Ihr Lieben,

manchmal frage ich mich, was eigentlich mit uns Menschen los ist.

Ich mein, wir können so viel Gutes.

Wir können lieben.
Trösten. Teilen. Uns kümmern. Einander halten.
Uns entschuldigen. Wieder anfangen.

Wir können wunderschöne Dinge schaffen.
Musik. Geschichten. Häuser. Gärten. Freundschaften.

Und gleichzeitig können wir so unfassbar viel kaputtmachen.

Mit Worten. Mit Macht. Mit Gleichgültigkeit. Mit Gier. Mit Angst.
Mit diesem alten Reflex: Erstmal ich.

Man muss dafür nicht lange suchen.

Ein Blick in die Nachrichten reicht … oder eher in die Nachbarschaft.
Oder in Familien. Vereine. Kommentarspalten. Beziehungen. Kirche.

Überall da, wo Menschen sind, passiert Gutes.
Aber manchmal eben auch ziemlich Dunkles.

Vielleicht ist das eine der unangenehmsten Wahrheiten über uns:

Der Mensch ist nicht harmlos.

Nicht einfach nur lieb, wenn man ihn lässt.
Nicht automatisch gut, wenn die Umstände stimmen.
Nicht nur Opfer seiner Zeit, seiner Prägung, seiner Verletzungen.

Natürlich prägt uns vieles.
Natürlich werden Menschen verletzt.
Natürlich gibt es Geschichten hinter Geschichten.

Aber trotzdem bleibt da diese ernüchternde Frage:

Warum wissen wir so oft, was richtig wäre — und tun doch etwas anderes?

Warum sehnen wir uns nach Frieden — und bauen trotzdem Feindbilder?
Warum wünschen wir uns Liebe — und verletzen die, die uns nah sind?
Warum rufen wir nach Gerechtigkeit — und drehen sie manchmal doch so, dass sie uns selbst nützt?

In der Bibel gibt es dazu einen ziemlich harten Satz.

Nach der Sintflut, also nach diesem großen Neustart der Welt, sagt Gott:

„… denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ – 1. Mose 8,21

Kein Vers für ne hübsche Postkarte.
Klingt düster.

Spannend ist, wo dieser Satz steht.

Nicht vor der Flut als Begründung für Vernichtung.
Sondern nach der Flut — als Teil seines Entschlusses, nicht wieder so zu handeln.

Gott sieht den Menschen nüchtern.

Ohne romantische Verklärung. Ohne Filter.
Ohne dieses: „Ach, eigentlich sind doch alle ganz ok.“

Er weiß, was in uns möglich ist.

Wie schnell aus Angst Härte werden kann.
Aus Sehnsucht Besitzanspruch.
Aus Überzeugung Fanatismus.
Aus Verletzung Rache.
Aus Macht Missbrauch.

Und trotzdem macht Gott die Tür nicht zu.

Er kennt den Menschen.
Und bleibt. ⚓️

Irgendwie find ich das interessant, denn wenn ich glaube, der Mensch sei völlig harmlos, werde ich blind.

Blind für Macht.
Blind für Manipulation.
Blind für das, was aus Angst, Verletzung oder Gier entstehen kann.
Blind auch für das, was Menschen einander antun können, wenn niemand mehr widerspricht.

Aber wenn ich glaube, der Mensch sei nur böse, werde ich hart.

Dann bleibt nur noch Abgrund.
Nur noch Schuld. Nur noch Misstrauen.
Nur noch: Es hat eh alles keinen Sinn.

Aber hey, ich versuche das so zu sehen:

Vielleicht ist der Mensch nicht von Grund auf gut.
Aber er ist von Grund auf gemeint.

Gewollt.
Gerufen.
G e l i e b t. ❤️

Nicht, weil alles in ihm schön ist.
Sondern weil Gott mehr sieht als das Dunkle.

Und manchmal, wenns hart kommt, dann versuch ich dran zu denken …

Ich muss den Menschen nicht schönreden.
Mich selbst nicht. Andere nicht. Die Welt nicht.

Aber ich muss auch nicht aufgeben.

Denn der Mensch ist nicht harmlos.
Aber bei Gott ist er auch nicht hoffnungslos.

In diesem Sinne, alles Gute für den heutigen Tag!
Und vielleicht auch ein bisschen Mut: Wir sind alle nicht fertig. Gott sei Dank. 🙏

Mandy