Der Film in Deinem Kopf
Manchmal passiert etwas.
Jemand meldet sich nicht.
Ein Mensch geht.
Etwas klappt nicht.
Du wirst übersehen.
Zurückgewiesen.
Enttäuscht.
Und dann passiert noch etwas.
Dein Kopf schiebt einen Film.
Vielleicht so: „Ich bin nicht wichtig.“
Oder: „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Oder: „Am Ende gehen sowieso alle.“
Das Merkwürdige ist: Oft merken wir gar nicht, dass es nur ein Film ist, der gerade in uns läuft.
Für uns fühlt er sich irgendwann an wie eine Tatsache.
Dabei besteht ein Erlebnis meistens aus zwei Dingen:
Aus dem, was passiert ist.
Und aus dem, was wir daraus gemacht haben.
Jemand antwortet nicht.
Das ist erst mal alles.
Aber unser Kopf ist ziemlich gut darin, leere Stellen zu füllen.
„Er hat keine Lust auf mich.“
„Sie ist bestimmt sauer.“
„Ich nerve.“
„Ich hätte das nicht schreiben sollen.“
Und zack.
Der Film läuft.
Mit Drehbuch.
Nebenhandlung.
Katastrophenmusik.
Obwohl wir eigentlich nur wissen: Da kam noch keine Antwort.
Nicht immer natürlich.
Manchmal liegen wir mit unserer Einschätzung völlig richtig.
Menschen verletzen.
Menschen lehnen ab.
Menschen gehen.
Aber manchmal tragen wir alte Geschichten in neue Situationen.
Wer oft übersehen wurde, erkennt Übersehenwerden schneller.
Wer verlassen wurde, hört Abschied vielleicht schon im Schweigen.
Wer oft kritisiert wurde, findet Kritik manchmal sogar zwischen zwei ganz normalen Sätzen.
Unser Kopf versucht, uns zu schützen.
Er sagt: „Ich kenne das schon.“
Nur leider kennt er manchmal vor allem die Vergangenheit.
Nicht unbedingt das, was gerade wirklich passiert.
In der Bibel gibt es einen kleinen Satz, den ich spannend finde: „Prüft alles.“ – 1. Thessalonicher 5,21
Eigentlich geht es dort um etwas anderes.
Und trotzdem mag ich diesen Gedanken.
Vielleicht dürfen wir auch unsere eigenen Geschichten manchmal prüfen.
Ist das wirklich wahr?
Oder fühlt es sich nur vertraut an?
Hat dieser Mensch mich wirklich abgelehnt?
Oder hat etwas in mir gerade eine alte Schublade aufgezogen?
Bin ich wirklich gescheitert?
Oder ist nur etwas nicht so gelaufen, wie ich gehofft hatte?
Bin ich wirklich „zu viel“?
Oder war ich vielleicht einfach am falschen Ort mit den falschen Menschen?
Vielleicht können wir nicht ändern, was passiert ist.
Aber manchmal können wir noch einmal anschauen, welche Bedeutung wir ihm gegeben haben.
Und vielleicht ist genau das der Anfang von etwas Neuem:
Nicht jeder Film, den Dein Kopf Dir zeigt, erzählt die ganze Wahrheit.
