Mehr als Dein Stempel
Ihr Lieben,
wir Menschen kleben einander ziemlich schnell Etiketten auf.
Der ist schwierig.
Die ist anstrengend.
Der ist peinlich.
Die ist kompliziert.
Der ist gefährlich.
Die ist zu empfindlich.
Der ist undankbar.
Die ist selber schuld.
Und zack. Da ist nicht mehr zuerst ein Mensch. Sondern ein Stempel.
Ein Wort.
Eine Schublade.
Eine Geschichte, die scheinbar alles erklärt.
Ich war mal in einer Wohngruppe, da stand an der Tür sinngemäß: „für Schwererziehbare“.
Vielleicht war das organisatorisch gemeint.
Einrichtungen, Behörden und Akten drücken sich manchmal geschwollen aus.
Aber als Mensch liest Du sowas nicht neutral. Du liest es wie einen Stempel.
Nicht: Da ist ein Kind mit einer Geschichte.
Nicht: Da ist jemand, der Schutz braucht. Geduld. Halt. Ein Zuhause.
Sondern: Schwierig. Problemfall.
Und ich glaube, genau so funktionieren Etiketten oft.
Sie machen aus einem Menschen eine Überschrift.
Eine Diagnose.
Eine Rolle.
Eine Akte.
Eine Meinung.
Einen Fehler.
Und manchmal bleibt so ein Wort länger an einem kleben, als anderen bewusst ist.
Man trägt es mit sich, irgendwo tief drinnen.
Vielleicht beschäftigt mich deshalb die Frage: Hat Gott eigentlich auch ein Etikett für uns?
So eine Art erstes Wort über den Menschen. Eine Grundbotschaft.
Etwas, das vor allem anderen steht.
Vor Leistung. Vor Scheitern. Vor Anpassung.
Noch bevor Schuld, Scham, Streit und Angst in die Geschichte kommen.
Vor allem, was Menschen über einen sagen.
Und dann habe ich ganz am Anfang der Bibel nachgeschaut.
Da, wo der Mensch zum ersten Mal auftaucht.
Und da steht: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ – 1. Mose 1,27
Was für ein Satz … ✨ Der Mensch geschaffen nach dem Bild Gottes.
Da fragste Dich natürlich, warum der Mensch gleichzeitig voller dunkler Abgründe ist.
Warum kann ein Mensch lieben — und trotzdem verletzen?
Warum kann er sich nach Nähe sehnen — und andere benutzen?
Warum kann er Schönes schaffen — und gleichzeitig so viel kaputtmachen?
Vermutlich bedeutet „Bild Gottes“ nicht, dass der Mensch harmlos und immer sauber ist.
Es bedeutet eher: Da ist etwas in uns angelegt, das nach Gott aussieht.
Liebe. Sehnsucht. Verantwortung. Mitgefühl. Freiheit.
Die Fähigkeit, nicht nur um sich selbst zu kreisen.
Aber all das kann sich verdrehen.
Vielleicht ist Sünde genau das: Wenn etwas Gutes aus der Spur gerät.
Liebe wird zu Besitz.
Sehnsucht zu Gier.
Freiheit zu Rücksichtslosigkeit.
Verantwortung zu Kontrolle.
Mitgefühl zu Selbstinszenierung.
In der Bibel ist der Versucher oft nicht der, der einfach nur plump sagt: „Mach mal was Böses.“
Sondern eher der, der verdreht.
Der Diabolos.
Der Durcheinanderwerfer.
Der aus Vertrauen Misstrauen macht.
Aus Freiheit Überheblichkeit.
Aus Sehnsucht Anspruch.
Aus Würde Ego.
Ich glaub, das Bild Gottes in uns ist nicht weg, aber es ist beschädigt.
Wie ein Spiegel mit Rissen.
Da ist noch etwas zu erkennen. Aber nicht mehr unverzerrt.
Und vielleicht ist genau das die Spannung: Da ist wirklich etwas kaputt.
Aber das Kaputte ist nicht der Ursprung.
Nicht das erste Wort. Nicht die ganze Wahrheit.
Vielleicht brauche ich diesen Gedanken gerade dann, wenn ich hart werde.
Nicht, um naiv zu werden. Sondern um menschlich zu bleiben.
Denn wer im anderen nur noch das Etikett sieht, verliert irgendwann den Blick für den Menschen dahinter.
Und vielleicht brauche ich diesen Gedanken auch für mich.
Für die Tage, an denen ich mich selbst nur noch über das definiere, was nicht reicht.
Was ich falsch gemacht habe.
Was ich nicht geschafft habe.
Wo ich schwierig bin.
Wo ich mich schäme.
Was andere vielleicht über mich gesagt haben.
Vielleicht steht dann ganz leise dieser alte Satz dagegen: Du bist mehr als das.
Weil Dein Wert nicht erst entsteht, wenn Du fehlerfrei bist.
Er war vorher da. Von Anfang an.
Vielleicht ist das einer der stärksten Gedanken des Glaubens:
Der erste Blick Gottes auf den Menschen ist kein Vorwurf.
Kein Stempel. Kein „Problem“. Kein Unfall.
Sondern Mensch. Geliebt. Gewollt. Mit Würde beschenkt. ❤️
Und manchmal reicht mir das schon als Anfang.
Nicht, um alles zu erklären. Aber um anders hinzusehen.
Auf andere. Auf mich.
Versuchs doch auch mal 🙂
Deine Mandy
Auf diese Welt.
In diesem Sinne, alles Gute für den heutigen Tag! 🙏
Mandy
27. Mai 2026 @ 4:47
Jeder Satz ein Volltreffer ins Herz 🫂🫀
27. Mai 2026 @ 5:59
Gott hat uns nach seinem Bilde geschaffen und uns einen freien Willen gegeben! Es ist also immer unsere eigene Entscheidung ob wir ihm nachfolgen oder den leichten Weg gehen.
27. Mai 2026 @ 7:21
❤️
27. Mai 2026 @ 8:42
So wunderbar
Danke liebe Mandy
27. Mai 2026 @ 9:25
Ich danke dir sehr für die heutigen Gedanken, liebe Mandy 👍😍🙏