Und täglich grüßt das Murmeltier

Montag.

Und manchmal fühlt sich das an wie: Schon wieder.

Schon wieder klingelt der Wecker viel zu früh. ⏰ Schon wieder zur Arbeit. Schon wieder dieselben Wege, dieselben Aufgaben, dieselben Gedanken.

Eine neue Woche beginnt – und irgendwie kann man schon ziemlich genau ahnen, wie sie laufen wird. Die Tage ziehen vorbei. Einer nach dem anderen. Und ehe man sich versieht, ist wieder Wochenende.

Und kaum ist das Wochenende vorbei, ist er wieder da: Montag.

Und dann beginnt das Ganze von vorne.

Manchmal ist das beruhigend. Manchmal fühlt es sich einfach nur leer an.

Und ich frag mich, ob bei Dir dann auch manchmal diese leise Frage auftaucht: War’s das jetzt?

Besteht Leben irgendwann nur noch aus Wiederholungen?

Aus Wäsche waschen, aufhängen, zusammenlegen, in den Schrank räumen – nur damit sie kurze Zeit später wieder im Wäschekorb landet. Aus einkaufen, arbeiten, putzen, schlafen, Rechnungen bezahlen und zwischendurch versuchen, nicht völlig den Überblick zu verlieren?

Vielleicht ist gar nicht die Wiederholung das, was uns müde macht.

Vielleicht erwarten wir zu oft, dass sich Leben ständig nach Veränderung anfühlen muss. Nach Bewegung. Nach: Jetzt passiert was.

Aber vielleicht sieht Vorankommen manchmal verdammt unspektakulär aus.

Ein Baum steht jeden Morgen am selben Platz. 🌳 Wenn Du ihn heute anschaust und morgen wieder, wirst Du wahrscheinlich keinen Unterschied sehen.

Und trotzdem wächst er. Langsam. Fast unbemerkt.

Vielleicht ist es bei uns ähnlich.

Wir gehen dieselben Wege und sind trotzdem nicht mehr ganz dieselben Menschen wie vor einem Jahr. Manches wächst leise. Manche Entscheidungen zeigen ihre Wirkung erst später.

Und manches Leben verändert sich nicht mit einem großen Knall, sondern irgendwo zwischen zwei völlig normalen Montagen.

Vielleicht kennst Du den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Da wacht ein Mann morgens auf – und erlebt immer wieder denselben Tag. Nicht nur ungefähr denselben.

Genau denselben.

Der gleiche Wecker klingelt. Die gleichen Menschen sagen die gleichen Sätze. Die gleichen Dinge passieren.

Und egal, was er macht: Am nächsten Morgen beginnt alles wieder von vorne.

Erst versucht er, das auszunutzen. Dann macht es ihn irgendwann völlig fertig.

Bis sich langsam etwas verändert.

Nicht der Tag.

Er selbst.

Er beginnt anders mit den Menschen umzugehen. Anders hinzusehen. Anders zu handeln.

Und genau das finde ich spannend.

Vielleicht muss sich gar nicht immer alles um uns herum verändern, damit sich trotzdem etwas bewegt.

Und dann steht da dieser Satz:

„Seine Barmherzigkeit ist jeden Morgen neu.“ – Klagelieder 3,23

Jeden Morgen.

Nicht: Jeden Morgen ist alles anders.

Vielleicht ist genau das der Unterschied.

Dieser Tag sieht vielleicht aus wie gestern. Aber er ist noch nicht gelebt.

Dieses Gespräch noch nicht geführt. Dieser Gedanke noch nicht gedacht. Diese kleine Begegnung noch nicht passiert.

Vielleicht ist Wiederholung nicht das Gegenteil von Leben.

Vielleicht ist sie der Ort, an dem Leben meistens stattfindet.

Und vielleicht ist heute wirklich einfach nur Montag. ☕

Aber eben noch nie dieser Montag.