Ein ganz normales Leben

Hier und heute ein Foto von meinem Küchentisch.

👀 Nichts Besonderes eigentlich.

Ein Handy. Schlüssel. Etwas Geld. Eine Hundeleine. Ein Glas Wasser. Ein paar Tabletten.

Ganz normale Dinge, die viele von uns haben.

Und irgendwie ist genau das Luxus.

Ich mein, wir stehen morgens auf und gehen ins Bad.

Wir drehen den Wasserhahn auf – sauberes Wasser. Warm, wenn wir wollen. Wir waschen uns mit Trinkwasser. Putzen uns damit die Zähne. Spülen damit sogar die Toilette.

Wir machen Licht, laden unser Handy, öffnen den Kühlschrank. Wenn nichts da ist, gehen wir einkaufen.

Wir frieren? Heizung an.
Wir sind krank? Arzt, Apotheke, Krankenhaus.

Wenn etwas passiert, kommen Rettungswagen und Feuerwehr.

Wir haben Toiletten, Kanalisation, Müllabfuhr, Straßen, Busse, Bahnen, Internet und Telefone.

Und das alles fühlt sich nicht nach Luxus an. Sondern nach Alltag.

Kinder dürfen zur Schule. Mädchen genauso wie Jungen.

Wir dürfen lernen, arbeiten, ein Konto haben, Verträge unterschreiben, alleine wohnen, reisen, umziehen, kündigen und neu anfangen.

Ich darf bloggen. Schreiben, was ich denke. Texte veröffentlichen, ohne vorher jemanden um Erlaubnis zu fragen.

Frauen dürfen hier Auto fahren, arbeiten, alleine unterwegs sein und ihr Leben selbst bestimmen.

Mit Führerschein dürfte ich Auto fahren. Hatte ich nie. Dafür hab ich Epilepsie und darf deshalb nicht fahren.

Aber meine Krankheit wird behandelt. Ich bekomme Medikamente, habe Ärzte und kann meine Selbsthilfegruppe besuchen – Menschen treffen, die wissen, wie sich das anfühlt.

Ich werde versorgt.

Auch das ist nicht selbstverständlich.

Ich kann ein Haustier haben, mich kümmern und es versorgen. Auch das ist Luxus.

Wir dürfen unsere Meinung sagen. Politiker kritisieren. Wählen. Demonstrieren. Glauben. Nicht glauben. Lieben, wen wir lieben. Heiraten.

Oder es lassen.

Und wahrscheinlich liest man vieles davon und denkt: Ja. Klar.

Vielleicht ist genau das der Punkt.

Es ist für uns so selbstverständlich, dass wir kaum noch merken, wie viel in diesem kleinen „klar“ eigentlich steckt.

Keiner von uns sucht sich aus, wo er geboren wird. In welches Land. In welche Familie. Mit welchen Möglichkeiten.

Wir ziehen dieses Los einfach.

Und wenn das Leben am Anfang Lose verteilen würde, haben viele von uns verdammt gute gezogen.

Nicht weil wir irgendetwas dafür getan hätten. Sondern einfach, weil wir hier geboren wurden, wo sauberes Wasser, medizinische Versorgung, Bildung und Freiheit für viele zum Alltag gehören.

Während ich das schreibe, leben weltweit rund 826 Millionen Menschen in extremer Armut.

Die Weltbank setzt die internationale Armutsgrenze derzeit bei 3 US-Dollar pro Person und Tag an – dabei werden die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den Ländern berücksichtigt. (World Bank Blogs)

Also rund jeder zehnte Mensch.

Natürlich ist hier nicht alles gut. Es gibt auch bei uns Armut, Einsamkeit, Krankheit, Gewalt und Ungerechtigkeit.

Dankbarkeit heißt nicht, Probleme kleinzureden.

Vielleicht heißt sie manchmal einfach, für einen Moment hinzusehen.

Auf das, was längst da ist.

Sauberes Wasser. Wärme. Sicherheit. Bildung. Medizinische Hilfe. Freiheit. Eine eigene Stimme.

Dinge, über die wir kaum nachdenken, weil wir sie jeden Tag haben.

Vielleicht geht es uns nicht jeden Tag gut.

Aber manches, was für uns nur Alltag ist, wäre für andere Menschen ein ganz großer Wunsch.

Und vielleicht darf uns das ab und zu bewusst werden.

Nicht damit wir uns schuldig fühlen.

Sondern dankbar.

„Seid dankbar in allen Dingen.“1. Thessalonicher 5,18


Hab einen guten Tag.
Mandy