Mehr als ein Märchenbuch
Ihr Lieben,
das Ding mit der Matte gestern kam gut an.
Aber klar, wie fast immer gab es auch kritische Stimmen. Und ehrlich?
Ich kann’s verstehen.
Ich meine … come on Leute …
Ein Teich. Kranke Menschen. Die Hoffnung, dass sich Wasser bewegt.
Der Glaube: Wer zuerst drin ist, wird gesund.
Und dann natürlich der göttliche Bringer:
Ein gelähmter Mensch steht auf.
Nimmt seine Matte.
Und geht.
Man kann da natürlich sagen: Sorry, aber klingt für mich wie ein Märchen.
Und ja, ich verstehe den Punkt.
Nicht jeder liest die Bibel und denkt sofort: „Jawoll, historisch eins zu eins so passiert. Aktenzeichen Bethesda … passt!“
Manch einer denkt eher: Klingt nach Fantasie. Nach Legende.
Fair enough.
Menschen glauben verrückte Sachen.
Damals.
Heute auch.
Man könnte natürlich aus der ganzen Bibel so eine Art Glaubens-Checkliste machen.
Jona im großen Fisch: ja / nein.
Mose und das Meer, das sich teilt: ja / nein.
Noah und die Arche: ja / nein.
Brennender Dornbusch: ja / nein.
Wasser wird Wein: ja / nein.
Jesus läuft übers Wasser: ja / nein.
Tote stehen auf: ja / nein.
Engel erscheinen: ja / nein.
Schlangen reden: ja / nein.
Esel reden übrigens auch noch: ja / nein.
Das ist wild.
Und dann sitzt man davor und denkt: Okay.
Wie viele Häkchen brauche ich jetzt, damit es zählt?
Aber so lese ich die Bibel nicht.
Ich glaube nicht, dass Gott irgendwo sitzt und wartet, bis ich jede Geschichte korrekt abnicke.
Ich glaube, diese Geschichten wollen tiefer.
Nicht nur in meinen Kopf. Sondern irgendwie auch an mein Leben.
Ich bin sicher keine, die sagt: Das musst du alles wortwörtlich glauben, sonst bist du raus.
Die Bibel ist ja nicht einfach vom Himmel gefallen.
Fertig gedruckt. Goldschnitt. Inhaltsverzeichnis.
Gottes Unterschrift drunter.
Sie ist über eine lange Zeit entstanden.
Von vielen verschiedenen Menschen geschrieben.
Gesammelt. Weitererzählt. Übersetzt.
Von Menschen aus anderen Zeiten.
Da schreiben Hirten und Könige.
Propheten und Poeten.
Fischer und Gelehrte.
Menschen auf der Flucht.
Menschen im Exil.
Menschen im Knast.
Menschen voller Hoffnung.
Menschen voller Angst.
Und sie alle versuchen, etwas von Gott zu erzählen.
Von dem, was sie erlebt haben.
Was sie verstanden haben.
Was sie geglaubt haben.
Vielleicht auch von dem, woran sie selbst gerungen haben.
Viele würden sagen: Gott hat sie dabei inspiriert.
Sein Geist hat sie bewegt. Ihnen Worte, Gedanken, Bilder aufs Herz gelegt.
Und trotzdem waren es Menschen. Keine himmlischen Diktiermaschinen.
Menschen, die schreiben.
Suchen. Deuten. Hoffen.
Danebenliegen können.
Und trotzdem bleibt da etwas hängen.
Jona rennt weg.
Vor Gott.
Vor seinem Auftrag.
Vielleicht auch vor sich selbst.
Kenn ich.
Mose steht mit seinem Volk vor dem Meer.
Hinter ihm Druck.
Vor ihm Unmöglichkeit.
Kenn ich.
Noah baut weiter, obwohl andere ihn vermutlich für völlig bescheuert halten.
Kenn ich auch, zumindest ein bisschen.
Bethesda erzählt von einem Menschen, der so lange festhängt, dass Stillstand irgendwann normal geworden ist.
Kenn ich.
Die Jünger haben Angst, weil es stürmt und sie nicht mehr wissen, was trägt.
Kenn ich.
Bei einer Hochzeit geht der Wein aus.
Peinlich. Ungeplant. Menschlich.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese alten Geschichten nicht loslassen.
Weil sie erstaunlich oft nah dran sind an dem, was in uns passiert.
An unserem Weglaufen.
An unserer Angst.
An unserem Druck.
An unserem Warten.
An unserem Festhängen.
Nun könnte man natürlich sagen: Ja, Mandy. Aber das können Märchen auch.
Vielleicht erkenne ich mich auch in Rumpelstilzchen wieder.
In Frau Holle. In Hans im Glück.
Stimmt.
Märchen können viel über Menschen erzählen.
Über Angst.
Gier. Mut. Neid.
Hoffnung. Dummheit. Glück.
Gute Geschichten können das.
Aber bei der Bibel bleibt für mich noch etwas anderes hängen.
Da ist nicht nur eine Moral am Ende.
Nicht nur: Sei brav. Sei fleißig. Sei klug.
Pass auf, wem du vertraust.
Da ist Jesus.
Und der ist für mich kein Märchenprinz, der am Ende angeritten kommt und alles ist tutti.
Jesus ist anders.
Er setzt sich zu denen, die keiner sehen will.
Er berührt Menschen, vor denen andere zurückweichen.
Er fragt nach denen, die längst abgeschrieben sind.
Er macht Glauben nicht zu einem Club für die, die alles richtig machen.
Er sieht Menschen.
Nicht als Rolle. Nicht als Fehler. Nicht als Problemfall.
Sondern als Mensch.
Und genau da erwischt mich die Bibel immer wieder.
Nicht, weil ich alles erklären kann.
Nicht, weil ich jede Geschichte für mich im Kopf geregelt bekomme.
Nicht, weil ich auf jede kritische Frage eine Antwort hätte.
Hab ich nicht.
Ich bin Mandy.
Keine Predigerin. Keine Pfarrerin. Keine Bibelprofessorin.
Ich bin nie groß und regelmäßig in Kirchen oder Gemeinden gegangen.
Ab und zu ja. Die Bibel habe ich vor allem für mich entdeckt.
Vielleicht auch, weil ich mich nicht zu sehr verwirren lassen wollte von allem, was irgendwer über sie sagt.
Denn Meinungen gibt es genug.
In Johannes 14,26 sagt Jesus zu seinen Freunden:
„Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle als Helfer senden wird, er wird euch alles erklären und euch an das erinnern, was ich gesagt habe.“
Und ja, ich weiß: Wenn Gottes Geist helfen kann zu verstehen, warum gibt es dann trotzdem so viele Meinungen?
Gute Frage. Vielleicht, weil Gottes Geist kein Copy-and-paste-Programm ist.
Er macht aus uns keine Bibel-Roboter, die alle denselben Satz ausspucken.
Wir lesen ja nicht leer. Nicht neutral.
Wir lesen mit dem, was wir erlebt haben.
Mit dem, was uns geprägt hat.
Mit dem, wovor wir Angst haben.
Mit dem, was wir hoffen.
Mit dem, was wehgetan hat.
Und ja, manchmal lesen wir auch mit dem Wunsch, am Ende bitte recht zu behalten.
Vielleicht erklärt Gottes Geist nicht alles sofort.
Vielleicht legt er mir nicht die fertige Antwort in den Kopf.
Schön wär’s manchmal.
Vielleicht hilft er eher, dranzubleiben.
Nicht gleich dichtzumachen, wenn ich etwas nicht verstehe.
Nicht aus jeder Unsicherheit einen Beweis gegen alles zu machen.
… also habe ich irgendwann angefangen zu lesen, weil ich neugierig war.
Und weil mich einer in diesem Buch nicht losgelassen hat: Jesus.
Wie er Menschen sieht.
Wie er mit ihnen redet.
Wie er Grenzen sprengt.
Wie er nicht zuerst sortiert in richtig und falsch, würdig und unwürdig, drin und draußen.
Wie er Menschen ansieht, die andere längst abgeschrieben haben.
Da wollte ich mehr wissen.
Aus dieser Neugier ist irgendwann auch dieser Blog hier entstanden.
unendlichgeliebt.de
Und jetzt profitierst Du quasi davon, dass ich noch immer suche. 😉
Dieses dicke Buch wird so schnell nicht leer.
Da gibt es noch jede Menge zu entdecken.
Zu hinterfragen. Zu bestaunen. Zu bezweifeln. Zu fühlen. Zu kauen.
Ich verstehe, wenn die Bibel jemanden erstmal überfordert.
Deshalb versuche ich hier im SeelenFutter, sie ein bisschen näher ranzuholen.
Nicht von oben herab. Sondern mitten ins Leben.
Schön, dass Du dabei bist!
Bis morgen!
Mandy
