Vom Warum zum Wozu
„Warum?“
Das ist wahrscheinlich eine der ältesten Fragen überhaupt.
Warum musste das passieren? Warum dieser Mensch?
Warum jetzt? Warum ich?
Warum hat Gott das zugelassen?
Und ich glaube, diese Frage darf sein.
Sie ist nicht undankbar.
Nicht schwach. Nicht glaubenslos.
Manchmal ist „Warum?“ einfach nur noch das Wort, das alles andere übertönt.
Nur gibt es darauf erschreckend oft keine Antwort.
Jedenfalls keine, die wirklich befriedigt.
Denn selbst wenn jemand erklären könnte, warum etwas passiert ist – würde es dadurch weniger weh tun?
Vermutlich nicht.
Im besten Fall verändert sich das Warum irgendwann in ein Wozu.
Nicht sofort. Nicht weil Schmerz plötzlich Sinn ergibt.
Sondern ganz langsam.
Aus: „Warum ist das passiert?“
wird vielleicht: „Wozu kann es jetzt werden?“
Das ist etwas anderes.
„Wozu“ sagt nicht: Es musste so kommen.
„Wozu“ sagt nicht: Gott wollte das so.
Und „Wozu“ macht auch nichts rückwirkend gut.
Es schaut nur nach vorne.
Was mache ich jetzt mit dem, was nun mal da ist?
Mit der Narbe.
Mit dem Verlust.
Mit dem Wissen.
Mit der Enttäuschung.
Mit dieser Version von mir, die es vorher noch nicht gab.
Vielleicht werde ich vorsichtiger. Vielleicht mutiger. Vielleicht weicher.
Vielleicht ziehe ich endlich eine Grenze, die ich früher nicht ziehen konnte.
Vielleicht erkenne ich andere Menschen schneller, die genau dort stehen, wo ich einmal stand.
Vielleicht entsteht Mitgefühl an Stellen, an denen früher nur Theorie war.
Nicht weil das Schwere dafür nötig gewesen wäre.
Das finde ich wichtig.
Vielleicht hätte es hundert andere Wege gegeben.
Vielleicht war manches einfach falsch. Ungerecht. Grausam.
Aber wenn es schon Teil meiner Geschichte geworden ist, darf ich irgendwann fragen:
Was darf daraus jetzt werden?
Vielleicht liegt genau darin Freiheit.
Ich kann nicht alles rückgängig machen.
Ich kann manche Antworten nicht erzwingen.
Aber Du kannst mitentscheiden, was das Erlebte aus Dir macht.
In der Bibel gibt es diesen Satz von Josef:
„Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen lassen.“
Genesis 50,20
Ich mag daran, dass Josef nicht sagt:
„Es war gut.“
Es war Verrat. Verlust. Unrecht.
Aber das Böse bekam nicht das letzte Wort.
Vielleicht ist das der Unterschied zwischen „Warum“ und „Wozu“.
Warum schaut zurück und sucht eine Erklärung.
Wozu schaut nach vorn und sucht eine Möglichkeit.
Du musst heute noch nicht beim „Wozu“ angekommen sein.
Vielleicht bist Du noch mitten im „Warum“.
Auch okay.
Aber vielleicht kommt irgendwann ein Tag, an dem Du nicht mehr nur fragst: „Warum ist mir das passiert?“
Sondern ganz vorsichtig: „Und was darf jetzt trotzdem draus werden?“
Wünsch ich Dir!
Segenregen
Mandy







