Vielleicht war es Bewahrung

Ihr Lieben, heute Morgen bin ich aufgewacht. Einfach so.

Vielleicht vom Hund.
Vielleicht von irgendeinem Geräusch draußen.

Mein erster Gedanke eher so: „Och nö. Nicht schon wieder.“

Und trotzdem: Ich bin aufgewacht.

Mein Herz hat die ganze Nacht weitergeschlagen. Meine Lunge hat gearbeitet. Luft geholt. Sauerstoff aufgenommen. Verbrauchtes wieder abgegeben. Ein und aus. Ein und aus. Ohne dass ich sie daran erinnern musste.

Mein Gehirn war auch nicht offline. Es hat sortiert, gesteuert, geträumt, Signale geschickt. Über Atmung, Herzschlag, Temperatur und all diese leisen Abläufe gewacht, von denen ich kaum etwas merke.

Meine Nieren haben gefiltert. Meine Zellen repariert. Mein Körper hat weitergemacht.

Während ich schlief. Während ich nichts kontrollierte. Während ich nicht einmal wusste, dass ich gerade am Leben gehalten werde. Schon das ist irre. #WunderwerkMensch.

Und morgens tue ich manchmal so, als wäre Aufwachen nur der nervige Teil vorm Kaffee.

Letzte Nacht gab es keinen Anruf. Keine Nachricht, die alles verändert. Heute Morgen keinen Satz auf dem Handy, den man nicht lesen möchte. Im Gegenteil: eine liebe Nachricht von einer Freundin.

Guten Morgen, neuer Tag.

Nicht perfekt. Nicht sorgenfrei. Nicht voller Energie.

Aber hey: Ich bin da. Ich lebe.

Selbstverständlich?

Vielleicht fühlt es sich so an, solange alles funktioniert.

Aufstehen. Boden unter den Füßen. Beine, die tragen. Licht an. Trinkwasser aus dem Hahn. Heißes Wasser unter der Dusche. Kaffee. Strom. Kühlschrank. Brot. Schuhe. Schlüssel. Handy. Eine Tür, die aufgeht. Ein Lift, der nicht stecken bleibt. Bremsen, die funktionieren. Menschen, die hinschauen.

Nachmittags kurz an den See. Wetter top. Wasser kalt. Einmal rein, kurz bereuen, dann: Freshness reload. 😄

Den Lieben geht’s gut. Der Hund ist wohlauf. Der Chef ist gut drauf. Keiner ruft mit einer Katastrophe an. Nichts brennt. Niemand fehlt.

Alles normal? Oder ziemlich viel Gnade in einem ganz normalen Tag?

Und dann die Störungen.

Rote Ampel. Bus verpasst. Schlüssel weg. Umweg. Stau. Zu spät.

Nervig? Ja.

Aber wer weiß?

Vielleicht war „zu spät“ manchmal genau richtig. Vielleicht hat mich eine Minute bewahrt, ohne dass ich es gemerkt habe. Vielleicht war ich gerade deshalb nicht zur falschen Zeit am falschen Ort.

Wir sehen meistens nur, was passiert.

Den Streit. Die Rechnung. Die Krankheit. Die schlechte Nachricht.

Aber was sehen wir nicht?

Den Unfall, der nicht geschah. Den Satz, den jemand doch nicht sagte. Die Begegnung, die ausblieb. Den dunklen Gedanken, der nicht weiterging. Die Gefahr, an der wir vorbeigingen, ohne sie zu kennen.

In der Bibel steht: „Der HERR behütet dich vor allem Bösen, er behütet dein Leben.“Psalm 121,7

Ich weiß: Es passiert trotzdem Böses. Nicht alles wird verhindert. Manche Fragen bleiben offen.

Und trotzdem glaube ich: Wir sehen nicht alles.

Vielleicht war Gott heute öfter da, als ich dachte.

Als aufgehaltener Schritt.
Als ausgebliebener Anruf.
Als Satz, der nicht fiel.
Als Umweg, der mich genervt hat.
Als Gefahr, die ich nie gesehen habe.

Vielleicht war Bewahrung heute nicht das, was ich erlebt habe. Sondern das, was mir erspart blieb.

Danke für alles, was war.
Und vielleicht auch für alles, was nicht war.

Mandy