„Ich hab nichts gegen die, aber …“
„Ich hab nichts gegen die, aber …“
Manchmal beginnt ein Satz ganz harmlos. Fast freundlich.
„Ich hab ja nichts gegen die, aber …“
Und schon während der Satz ausgesprochen wird, wissen eigentlich alle im Raum, was jetzt kommt. Denn nach diesem „aber“ kommt selten etwas Gutes.
Ein Vorurteil. Eine Abwertung. Eine Schublade.
„Ich hab nichts gegen die, aber … “
Und plötzlich ist da eine Linie.
Eine unsichtbare Grenze zwischen uns und denen.
Dabei fühlen wir uns oft gar nicht böse. Im Gegenteil.
Dieser Satz ist wie ein kleines Polster fürs Gewissen.
Er sorgt dafür, dass wir uns weiterhin als gute Menschen fühlen können.
Wir sagen uns: Ich hab doch gar nichts gegen sie. Ich stelle nur fest, wie sie sind.
Ich finde genau da beginnt etwas Gefährliches.
Denn Menschen in Kategorien zu packen ist immer der erste Schritt, sie nicht mehr wirklich zu sehen.
Nicht mehr den einzelnen Menschen. Sondern nur noch das Bild im Kopf.
„Die Alten.“
„Die Jungen.“
„Die Flüchtlinge.“
„Die Rechten.“
„Die Linken.“
„Die Christen.“
„Die, die ganz anders glauben.“
Und irgendwann reden wir nur noch über Gruppen. Nicht mehr über Menschen.
Die Bibel kennt dieses Problem.
Im Jakobusbrief steht ein Satz, der überraschend deutlich ist: „Behandelt ihr nicht Menschen unterschiedlich
und macht euch damit zu Richtern, die sich von falschen Motiven leiten lassen?“ – Jakobus 2, 4
Das ist hart. Und vielleicht auch erstmal schwer zu greifen.
Im Grunde sagt Jakobus: Sobald wir anfangen, Menschen innerlich einzuordnen, besser oder schlechter, wichtiger oder unwichtiger, setzen wir uns selbst auf den Richterstuhl.
Und urteilen.
Nicht immer laut. Oft ganz leise.
Aber eben doch.
Denn Jakobus spricht nicht über das, was wir sofort als „böse“ bezeichnen würden. Er spricht über etwas viel Alltäglicheres. Über dieses leise Sortieren im Kopf.
Wer gehört zu uns. Und wer nicht.
Jesus hat genau diese Grenzen immer wieder durchbrochen.
Er hat mit Menschen gesprochen, über die andere sagten: Mit denen sollte man nichts zu tun haben.
Zöllner.
Sünder.
Ausländer.
Kranke.
Ausgestoßene.
Menschen, über die man damals wahrscheinlich auch gesagt hätte: „Ich hab ja nichts gegen die, aber …“
Jesus hat dieses „aber“ gestrichen.
Nicht, weil ihm alles egal war. Sondern weil der Mensch für ihn immer wichtiger war als jede Einordnung.
Er hat den Menschen gesehen.
Nicht die Kategorie.
Nicht die Gruppe.
Nicht das Vorurteil.
Nur den Menschen.
Vielleicht ist das eine der schwierigsten Übungen im Leben:
Nicht sofort zu urteilen. Nicht sofort zu sortieren.
Sondern einen Moment länger hinzuschauen.
Und zu merken: Der Mensch vor mir ist immer mehr als meine Vorstellung von ihm. Und vielleicht beginnt Veränderung genau da.
In dem Moment, in dem wir den Satz nicht zu Ende sprechen.
„Ich hab nichts gegen die …“
Und dann einen Moment still werden.
Oh happy Freitach! ☀️
Schönes Wochenende wünsch ich Dir!
Deine Mandy
Themenwoche “Die Sünden der Guten”
Rückblick auf die Woche – hier findest Du alle SeelenFutter dazu.
20. März 2026 @ 12:22
Liebe Mandy,
vielen Dank für diese „intensive” Woche.
Mich und einige andere hast du zum Nachdenken gebracht.
Hab ein erholsames und schönes Wochenende.
Liebe Grüße, Birgit