Gott macht erst mal Frühstück

Petrus gehört zu den engsten Freunden von Jesus.

Er zieht jahrelang mit ihm durchs Land, hört ihm zu und erlebt seine Wunder.

Kurz bevor Jesus verhaftet wird, sagt Petrus sogar:

„Wenn sich auch alle anderen von dir abwenden – ich halte auf jeden Fall zu dir!“
Matthäus 26,33

Petrus ist sich da ziemlich sicher.

Doch dann wird Jesus verhaftet.

Plötzlich ist es gefährlich, zu ihm zu gehören. Petrus steht draußen im Hof, während Jesus verhört wird. Mehrmals wird er gefragt, ob er nicht einer seiner Freunde sei.

Und dreimal antwortet Petrus: „Nein. Ich kenne diesen Menschen nicht.“

Kurz darauf kräht ein Hahn.

In diesem Moment erinnert sich Petrus daran, dass Jesus genau das vorhergesagt hatte: Noch bevor der Hahn kräht, wirst Du dreimal behaupten, mich nicht zu kennen. (Matthäus 26,34)

Petrus geht raus und weint. Er weiß, dass er genau das getan hat, von dem er überzeugt war, es niemals zu tun. 💔

Wenig später wird Jesus gekreuzigt.

Doch die Geschichte endet nicht dort. Jesus steht von den Toten auf und begegnet seinen Freunden wieder. Trotzdem scheint zwischen ihm und Petrus noch etwas unausgesprochen zu sein.

Petrus kehrt zunächst in sein altes Leben zurück.

Er geht fischen. 🎣

Die ganze Nacht werfen er und einige andere ihre Netze aus, aber sie fangen nichts. Am Morgen steht ein Mann am Ufer und ruft ihnen zu, sie sollen das Netz noch einmal auf der rechten Seite des Bootes auswerfen.

Plötzlich ist es voller Fische.

Da erkennen sie: Der Mann am Ufer ist Jesus.

Petrus springt sofort ins Wasser und schwimmt zu ihm.

Als er ankommt, brennt dort ein Kohlenfeuer. Fisch liegt darauf, und Brot ist auch da.

Vielleicht erinnert sich Petrus in diesem Moment an jenes andere Kohlenfeuer. An den Hof, in dem er stand, als er dreimal sagte: „Ich kenne Jesus nicht.“

Jesus hätte jetzt viele Fragen stellen können:

Warum hast Du mich verleugnet?
Wo war Dein Mut?
Was hast Du Dir dabei gedacht?

Doch statt Petrus sofort zur Rede zu stellen, lädt Jesus sie ein:

„Kommt her und esst!“ Johannes 21,12

Gott macht erst mal Frühstück. 🔥🍞

Nicht weil das, was geschehen ist, unwichtig wäre. Später spricht Jesus mit Petrus darüber. Dreimal fragt er ihn:

„Liebst Du mich?“

Vielleicht tut jede dieser Fragen ein bisschen weh. Vielleicht heilt sie gleichzeitig etwas.

Aber zuerst bekommt Petrus einen Platz am Feuer.

Zuerst darf er essen.

Ich mag diesen Gedanken.

Denn wenn wir versagt haben, erwarten wir oft einen Gott mit verschränkten Armen. Einen, der uns zur Rede stellt und wissen möchte, wie wir nur so danebenliegen konnten.

Doch Jesus wartet am Ufer.

Er tut nicht so, als wäre nichts gewesen. Aber er behandelt Petrus auch nicht so, als wäre dieser nun nichts mehr wert.

Vielleicht musst Du keinen Hahn krähen hören, um Dich an einen Moment zu erinnern, in dem Du anders sein wolltest, als Du gewesen bist.

Vielleicht hast Du geschwiegen, obwohl Du hättest sprechen sollen. Vielleicht hast Du etwas gesagt, das Du nicht mehr zurücknehmen kannst.

Bist gegangen, obwohl jemand Dich gebraucht hätte. Hast etwas versprochen und nicht gehalten. Oder aus Angst eine Entscheidung getroffen, die eigentlich gar nicht zu Dir passt.

Manche Fehler sehen viele.

Andere kennt niemand außer Dir.

Und manchmal kehren wir danach, genau wie Petrus, in unser altes Boot zurück. Wir beschäftigen uns. Funktionieren irgendwie weiter. Werfen unsere Netze aus und versuchen, nicht zu oft an diesen einen Moment zu denken.

Vielleicht glauben wir sogar, dass wir unser Recht auf einen Neuanfang verspielt haben.

Doch Jesus wartet ausgerechnet an einem Kohlenfeuer auf Petrus.

Er führt ihn damit noch einmal an den Ort seiner Erinnerung zurück – aber dieses Mal endet die Geschichte anders.

Jesus verschweigt nicht, was geschehen ist. Er tut nicht so, als wäre die Nacht im Hof nie gewesen.

Aber er lässt diese Nacht auch nicht das letzte Wort über Petrus sprechen.

Dreimal hatte Petrus gesagt: „Ich kenne ihn nicht.“

Dreimal fragt Jesus: „Liebst Du mich?“

Und danach sagt er zu ihm: „Weide meine Schafe.“ – Johannes 21,17

Jesus vergibt Petrus nicht nur.

Er traut ihm wieder etwas zu. ❤️

Er sieht in ihm nicht bloß den Mann, der versagt hat, sondern auch den Menschen, der immer noch lieben, wachsen und Verantwortung übernehmen kann.

Vielleicht ist Vergebung genau das:

Die eigene Geschichte wird nicht ausradiert.

Aber sie darf weitergehen.

Dein schlechtester Moment muss nicht für immer bestimmen, wer Du bist. Und das, was Du bereust, muss nicht der letzte Satz über Deinem Leben bleiben.

Am Ufer brennt schon ein Feuer.

Da ist Brot.

Da ist ein Platz für Dich.

Und da ist Jesus, der sagt:

Komm. Du musst nichts schönreden. Aber Du musst auch nicht für immer im alten Boot bleiben.
Iss erst einmal. Danach sehen wir weiter. ☕️

Komm gut durch den Tag!
Deine Mandy