Ein Mensch – kein Projekt
Ihr Lieben,
beim Wort „missionieren“ zuckt in mir etwas zusammen.
Ich denke an Menschen, die ungefragt an Türen klingeln.
An Gespräche, bei denen einer schon vorher weiß, was der andere glauben soll.
An fromme Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat.
Jemand sagt: Mir geht es nicht gut.
Und noch bevor er ausreden kann, bekommt er einen Bibelvers.
Jemand zweifelt.
Und statt Raum für diesen Zweifel bekommt er eine Erklärung, was er glauben müsste.
Dabei sucht er vielleicht gar keine Lösung.
Vielleicht möchte er nur erzählen. Gehört werden. Mit seiner Unsicherheit einen Moment lang nicht allein sein.
Und trotzdem kommt sofort eine Antwort, in der Gott vorkommt – aber der Mensch kaum noch.
Kurz gesagt: Ich denke an etwas, das ich selbst nicht sein möchte.
Und trotzdem steht da dieser Satz von Jesus:
„Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker.“
Matthäus 28,19
Also doch losgehen?
Überzeugen?
Bekehren?
Muss ich Menschen erklären, dass ihnen etwas fehlt?
Muss aus jedem Gespräch irgendwann ein Gespräch über Gott werden?
Und habe ich versagt, wenn jemand danach noch genauso denkt wie vorher?
Vielleicht beginnt das Problem dort, wo ich einen Menschen als Aufgabe sehe.
Als jemanden, den ich erreichen, verändern oder auf die richtige Seite bringen muss.
Denn dann höre ich nicht mehr wirklich zu.
Dann warte ich nur auf die Lücke. Auf den Moment, in dem ich meine Antwort irgendwie unterbringen kann.
Dabei hat Glaube für mich nie wie ein Verkaufsgespräch funktioniert.
Er ist gewachsen.
Durch Menschen. Durch Erfahrungen. Durch Fragen und Zweifel.
Und durch lange Zeiten, in denen ich gar nichts verstanden habe.
Vielleicht bedeutet „Geht hin“ deshalb nicht: Geht hin und gewinnt eine Diskussion.
Vielleicht bedeutet es:
Bleibt nicht unter Euch. Begegnet Menschen.
Teilt Euer Leben. Erzählt, was Euch trägt – wenn es passt.
Und lasst den anderen frei. 🕊️
Denn warum möchte ich überhaupt, dass ein anderer glaubt?
Weil ich etwas gefunden habe, das mir Halt gibt?
Weil ich ihm Hoffnung wünsche?
Weil ich nicht möchte, dass er verloren geht?
Oder auch, weil ich es schwer aushalte, wenn jemand mein Weltbild nicht teilt?
Weil seine Zweifel meine eigenen berühren?
Es ist ein schmaler Weg.
Denn selbst etwas Gutes kann hart werden, wenn ich es einem anderen überstülpe.
Dann wird aus Hoffnung Druck.
Aus Überzeugung Überlegenheit.
Und aus einem Menschen ein Projekt.
Vielleicht beginnt Mission deshalb gar nicht mit Reden.
Vielleicht beginnt sie damit, wie ich einem Menschen begegne. Ob ich zuhöre, ohne meine Antwort schon vorzubereiten. Ob ich ihn ernst nehme, auch wenn er anders glaubt.
Und ob ich ihm die Freiheit lasse, Nein zu sagen.
Jesus hat Menschen eingeladen.
Aber er hat sie nicht festgehalten.
Manche gingen mit. Andere gingen wieder.
Vielleicht ist das eine der schwersten Lektionen:
Ich darf erzählen, was mich trägt. ❤️
Aber ich kann Glauben nicht machen. Ich kann ihn nicht in einen anderen Menschen hineinreden.
Und vielleicht zeigt sich die Glaubwürdigkeit meines Glaubens nicht daran, wie viele Menschen ich überzeuge.
Sondern daran, ob ein Mensch sich in meiner Nähe gesehen fühlt – auch wenn er mir am Ende nicht zustimmt.
Komm gut in die neue Woche. 🌿
Bis morgen,
Eure Mandy
