Zu welchem Preis, Judas?
Ihr Lieben,
es passiert selten laut.
Kein Knall.
Kein großes Drama.
Eher so… schleichend.
Ein Gedanke, der sich einnistet.
Ein „Ach komm… ist doch nicht so schlimm.“
Ein kleines Nachgeben.
Und noch eins.
Und irgendwann merkst Du:
Du bist ein Stück weiter gegangen, als Du eigentlich wolltest.
Nicht plötzlich.
Sondern Schritt für Schritt.
Leise.
In diesen Tagen vor Ostern
taucht da dieser Typ auf: Judas Iskariot
Oft schnell abgestempelt als der Verräter.
Der Böse.
Aber ich frag mich manchmal:
War das wirklich alles?
Oder hat es viel früher angefangen?
Mit Enttäuschung.
Mit Erwartungen, die nicht erfüllt wurden.
Mit diesem leisen Gedanken:
„So hab ich mir das nicht vorgestellt.“
Und dann dieser Moment,
wo er anfängt zu verhandeln.
30 Silberstücke.
Ein Preis.
Und irgendwo dazwischen
liegt diese Frage in der Luft:
Zu welchem Preis eigentlich?
Nicht bei Judas.
Bei mir.
Wenn ich Dinge sage,
die ich eigentlich nicht so meine.
Wenn ich Ja sage
und innerlich längst Nein bin.
Wenn ich mich anpasse,
nur damit es keinen Stress gibt.
Und jedes Mal
kostet es ein kleines Stück.
Kein Drama.
Kein Aufschrei.
Aber es bleibt nicht ohne Spur.
Und irgendwann sitzt Du da
und merkst:
Ich bin müde.
Nicht körperlich.
Sondern von diesem ständigen
gegen mich selbst leben.
Und genau da
trifft mich dieser Satz:
„Was hilft es dem Menschen,
die ganze Welt zu gewinnen,
wenn er doch Schaden nimmt an seiner Seele?“
(Markus 8,36)
Weil es eben nicht um „die ganze Welt“ geht.
Sondern um diese kleinen Momente,
in denen ich mich selbst übergehe.
Immer wieder.
Bis ich mich irgendwann
kaum noch spüre.
Und vielleicht ist es genau das,
was so weh tut:
Dass ich den Preis oft erst merke,
wenn ich ihn schon bezahlt habe.
Und vielleicht ist genau das der Moment,
an dem Ostern anfängt.
Nicht erst am Kreuz.
Nicht erst beim leeren Grab.
Sondern hier.
Wenn Du merkst:
So will ich nicht weiter.
Und heute vielleicht nur ein kleiner Schritt reicht:
Einmal ehrlich sein.
Einmal nicht runterschlucken.
Einmal bei Dir bleiben.
Auch wenn’s unbequem ist.
