Tag 3: Wo warst Du, Gott?
Die Frage sitzt heute am Küchentisch.
Sie hat drei Tassen hingestellt. ☕️
Eine für sich. Eine für mich.
Und eine auf die andere Seite des Tisches.
„Für wen ist die?“, frage ich.
Die Frage sieht mich an. Als wüsste ich es längst.
Wenn es Gott gibt, dann müsste er doch hier sitzen.
Nicht nur zwischen den Zeilen eines alten Buches.
Nicht nur in Liedern, Gebeten und Sätzen über ihn.
Hier.
Mitten an diesem Mittwochmorgen.
Mitten in dem, was geschehen ist und sich nicht mehr rückgängig machen lässt.
Also schaue ich auf den leeren Stuhl.
Und plötzlich ist sie da.
Die Frage hinter all den anderen Fragen: Wo warst Du, Gott?
Wo warst Du, als es geschah?
Hast Du es gesehen?
Hast Du gehört, wie jemand um Hilfe gerufen hat?
Hättest Du es verhindern können?
Und wenn ja: Warum hast Du es nicht getan?
Vielleicht ist das die schwerste Frage von allen.
Nicht, ob es Gott gibt. Sondern ob er da war.
Warum jemand, von dem wir hören, dass er uns liebt, manchmal nicht eingreift.
Warum sich seine Nähe in den schlimmsten Augenblicken genauso anfühlen kann wie Abwesenheit.
Vielleicht ist das die Frage, die nach einem Verlust bleibt:
Gott, hier wäre Dein Platz gewesen.
An diesem Bett. In diesem Zimmer. In dieser Nacht.
Neben mir.
Ich habe Dich vermisst. 💔
Ich kenne die Antworten, die Menschen darauf geben.
Dass Gott uns Freiheit lässt.
Dass wir nicht alles verstehen können.
Dass seine Gedanken höher sind als unsere.
Vielleicht steckt in manchen dieser Sätze Wahrheit.
Die Freiheit des Menschen kann vielleicht erklären, warum Menschen einander Schreckliches antun.
Aber sie erklärt nicht jede Krankheit. Nicht jeden Unfall. Nicht jeden Verlust.
Und der Satz, dass wir nicht alles verstehen können, mag stimmen.
Aber er beantwortet nicht, warum keine Hilfe kam.
Vor dem leeren Stuhl fühlen sich all diese Antworten plötzlich sehr klein an.
Denn wer leidet, fragt selten nach einem theologischen System.
Er fragt:
Warum hat Gott mich nicht beschützt?
Warum ging keine Tür auf?
Warum geschah kein Wunder?
Warum musste ich da allein durch?
Warum schwieg Gott, während mein Leben auseinanderbrach?
Auch in der Bibel reden die Menschen nicht immer fein höflich mit Gott.
Im Psalm 44 erinnern sie sich daran, wie Gott früher geholfen hat.
Sie kennen all die Geschichten.
Sie wissen, was man über Gott erzählt:
Dass er da ist. Dass er hört. Dass er rettet.
Aber das, was sie gerade erleben, passt überhaupt nicht dazu.
Sie haben gebetet.
Gewartet.
Gehofft.
Und nichts geschieht.
Also sagen sie nicht: Gottes Wege werden schon irgendeinen Sinn haben.
Sie rufen: „Wache auf! Warum schläfst du, Herr?“ – Psalm 44,24
Eigentlich sagen sie: Gott, Du solltest doch hier sein. Warum bist Du es nicht?
Ich finde diesen Satz erschreckend ehrlich.
Sie fragen nicht nur, warum es Leid gibt.
Sie fragen Gott, warum er nichts dagegen tut.
Sie sagen ihm, dass sie sich von ihm verlassen fühlen.
Und die Bibel lässt das so stehen.
Sie macht ihre Worte nicht freundlicher.
Sie erklärt ihnen nicht, dass sie Gott falsch verstanden haben.
Der Psalm endet auch nicht mit einer Antwort.
Er endet mit der Bitte: Steh auf. Hilf uns.
Vielleicht bedeutet Klagen genau das:
Ich zeige Gott den leeren Stuhl.
Ich sage ihm, dass ich ihn dort vermisst habe.
Dass ich wütend bin.
Enttäuscht.
Dass ich nicht verstehe, warum er nicht eingegriffen hat.
Ich tue nicht so, als wäre alles in Ordnung.
Ich suche keine Antwort, die meinen Schmerz schnell wieder wegräumt.
Aber ich rede noch mit ihm.
Ich sehe wieder auf die dritte Tasse.
Sie bleibt unberührt.
Keine Hand greift nach ihr.
Keine Stimme erklärt mir, warum manche Gebete scheinbar an der Zimmerdecke hängen bleiben.
Gott antwortet nicht.
Jedenfalls nicht so, dass ich es hören könnte. 😔
Der Stuhl auf der anderen Seite bleibt leer.
Zumindest für meine Augen.
Ich weiß nicht, ob Gott schweigt.
Oder ob ich ihn gerade nicht hören kann.
Klage beantwortet das Warum nicht.
Aber sie lässt das Gespräch noch nicht enden.
Heute ist das vielleicht alles, was ich kann:
Gott sagen, dass ich ihn vermisse.
Und seine Tasse noch nicht wegstellen.
Bis morgen
Mandy
Themenwoche vom August 2026:
Die Frage nach dem Warum steht vor der Tür.

5. August 2026 @ 6:51
Mir kommt gerade so der Gedanke, morgens (oder wann immer) mal eine zusätzliche Tasse auf den Tisch zu stellen…. einfach als Gedankenstütze, symbolisch…
5. August 2026 @ 7:16
Liebe Mandy, ich für meinen Teil habe festgestellt, dass diese „warum“ Fragen nie zu einer Lösung führen. Da kann man irre dran werden. ER antwortet immer irgendwie. Manchmal vielleicht nur nicht ,wie wir es erwarten. Ich habe vor 14 Jahren meinen Mann durch plötzlichen Herztod verloren. Hab aber nie nach dem warum gefragt. Ich weiß ,Gott war da. Und er war immer da.
Aber ich habe ihm nie diese Frage gestellt. Weil ich meine, dass man darauf Keine Antwort bekommt und da irre dran werden kann. Vieles erklärt sich im Nachhinein. Wünsche dir einen gesegneten Tag.
LG Gudi
5. August 2026 @ 8:53
Mein Sohn beging mit 24 Suizid…ich habe mit gott gerungen ..Jahre…warum er Sascha nicht geheilt hat an der Seele oder ihn gehindert hat vor Suzid. Ich hab Gott da 100 %vertraut dass er ihn beschützt. Und es gibt Zeugnisse die genau davon berichten. Doch Gott gab nie Antwort darauf…doch irgendwann las ich eun Buch in welchem die Autorin genau mit dieser Frage gerungen hat. Gott warum…wo warst du. ..? Und irgendwann stand sie vor der Frage von Gott: vertraust du mir weiterhin auch wenn ich es dir nie erkläre? Bleibe ich dein Got? TROTZDEM? ICH HABE LANGE UND VIEL GERUNGEN DARUM BIS ICH MICH IRGENDWANN ENTSCHIED: JA GOTT AUCH WENN DU MIR NIE ERKLÄRST DU BLEIBST MEIN GOTT WOHIN SOLLTE ICH SONST GEHeN? Ohne gott geht es gar nicht. Mein Glaubensbild von Gott ist ein andres geworden…Gott ist Ich bin der ich bin…ich sage ihm für mich wird es immer falsch sein dass sascha gestorben ist, doch ich entschied mich gott zu vertrauen dass ER weiss warum er sascha heimkommen lies. Das ist für mich heute noch immer eine neue Entscheidung…denn ich vermisse meinen Sohn. Doch durch diese errungene Entscheidung von mir konnte ich mit Gott eine neue andere Beziehung aufbauen ..und gott hat stück für stück mein vertrauen geheilt, wieder geworden..und, er hatte alle Zeit, Geduld und Barmherzigkeit und Liebe mein Ringen, meine Anklagen auszuhalten und trotzdem da zu sein und zu warten. Auf mich…mit offenen Armen und sicher mit Tränen in den Augen. Es war ein langer, harter Weg…doch es gibt ein Lied: egal was du mir gibst, egal was du mir nimmst (das hab ich nie mitgesungen) DU bist und bleibst mein Gott. ! Das wünsche ich jedem von euch der darum ringt. Christa