Tag 4: Und wo bist Du, Mensch?
Heute zieht die Frage ihre Jacke an.
„Komm“, sagt sie.
„Wir müssen raus.“
Draußen ist die Welt längst wach.
Menschen gehen zur Arbeit.
Ein Bus fährt vorbei.
Jemand trägt Brötchen nach Hause.
Ein ganz gewöhnlicher Donnerstag.
Und mittendrin:
Ein Mensch, der auf einer Bank schläft.
Eine Frau, die schneller geht, während ein Mann ihr Beschimpfungen hinterherruft.
Ein Kind, dessen Geschichte hinter einer verschlossenen Wohnungstür niemand kennt.
Kriege, die Menschen beginnen.
Hunger, obwohl genug da wäre.
Menschen, die ausgebeutet, geschlagen, gedemütigt oder vergessen werden.
Nicht alles Leid kommt durch Menschen.
Niemand hat einen Sturm beleidigt, bis er losbrach.
Nicht jede Krankheit hat einen Schuldigen.
Es gibt Leid, vor dem wir genauso ratlos stehen wie am Montag.
Aber es gibt auch Leid, das nicht einfach geschieht.
Es wird getan.
Entschieden.
Zugelassen.
Übersehen.
Ich frage: „Gott, warum lässt Du das zu?“
Die Frage bleibt stehen. Dann dreht sie sich zu mir.
Als Gott Kain nach seinem Bruder Abel fragt, antwortet Kain:
»Ist es etwa meine Aufgabe, ständig auf ihn aufzupassen?«
1. Mose 4,9– Hoffnung für alle –
Vielleicht ist das eine der ältesten Ausreden der Menschheit …
Was geht mich das an?
Ich war’s nicht.
Ich kann doch nicht alle retten.
Und ja: Ich kann nicht jedes Leid verhindern.
Nicht jeden Menschen auffangen.
Nicht die ganze Welt tragen.
Gott fragt Kain auch nicht nach der ganzen Welt.
Er fragt nach seinem Bruder.
Nach dem Menschen direkt neben ihm.
Aber vielleicht gibt es Leid, das größer wird, weil zu viele Menschen beschlossen haben, dass es sie nichts angeht.
Die Frage nach dem Leid bleibt eine Frage an Gott.
Ich möchte ihn nicht billig daraus entlassen.
Aber vielleicht entlässt Gott auch mich nicht.
Vielleicht fragt er zurück:
Wo warst Du?
Als jemand eine Stimme brauchte.
Eine offene Tür. Einen Anruf.
Einen Menschen, der nicht vorbeigeht.
Die Frage läuft weiter neben mir her.
Heute zeigt sie nicht nur nach oben.
Heute zeigt sie auch auf mich.
… wir lesen uns morgen wieder.
Mandy
Themenwoche vom August 2026:
Die Frage nach dem Warum steht vor der Tür.

6. August 2026 @ 12:49
Ja, da wird uns etwas zugemutet. Wer ist der Verursacher des weitaus meisten Leids, das Menschen geschieht? Es ist der Mensch.
Dies zu sehen und zu akzeptieren, ist nicht leicht. Kain ist ein gutes Beispiel dafür. Seine Antwort an Gott auf die Frage war:“Soll ich meines Bruders Hüter sein?“
Kain wußte zu diesem Zeitpunkt ganz genau, was mit Abel passiert war. Er hatte ihn ja kurz vorher ermordet.
Seine Antwort an Gott war also eine freche Lüge.
Diese Art von Lüge hat bis heute Bestand. Wir vernichten die Mitwelt (ein schönes Wort, dass das Miteinander von Menschen und Geschöpfen betont) und fragen dann : “ Gott, wie konntest du das zulassen?“
6. August 2026 @ 15:56
Mir stellt sich immer wieder die grundsätzliche Frage: „Gott, wie konntest du die Menschen mit der Möglichkeit böse zu sein erschaffen?“
7. August 2026 @ 18:49
Gott ließ die Möglichkeit zu, dass Engel vom rechten Weg abkommen könnten, noch bevor Er den Menschen mit derselben Anfälligkeit für Täuschung erschuf. Dies ist Teil der Prüfung, der sich jeder stellen muss.
Gott hat keine Welt ohne Herausforderungen erschaffen. Er hat keine Welt geschaffen, in der ausschließlich Gutes geschieht. Das lässt sich bereits an der allerersten Familie erkennen. Von Anfang an war Satan darauf aus, die Menschen zu täuschen. Dennoch gibt es Hoffnung. Abel pflegte eine rechte Beziehung zu Gott, bevor er von seinem Bruder Kain ermordet wurde. Auch für uns gibt es Hoffnung.
Wir wurden nicht als Roboter erschaffen. Wir können uns dafür entscheiden, auf Gottes Lehren zu hören. Wir können satanischen Denkweisen widerstehen, doch dies konsequent zu tun, erfordert große Anstrengung.
7. August 2026 @ 7:34
Dies ist ein faszinierendes Thema. Es steht in Zusammenhang mit dem Zustand unseres Herzens. Kains Herz war trügerisch. Bevor er seinen Bruder ermordete, war sein Herz unrein. Kain pflegte keine innige Beziehung zu Gott. Dies zeigt sich an seiner Antwort auf Gottes Frage. Kain war ein Mensch, der keine Verantwortung für sein Handeln übernahm. Er achtete nicht einmal das Leben seines eigenen Bruders.