Tag 2: Leid hat einen Namen
Die Frage ist noch da.
Sie hat auf unserem Sofa geschlafen.
Ohne zu fragen.
Oder vielleicht hat sie gar nicht geschlafen.
Manche Fragen werden nachts erst richtig wach.
Heute Morgen steht sie vor einem Foto.
„Wer ist das?“, fragt sie.
Ich antworte nicht.
Vielleicht hängt bei Dir ein anderes Bild.
Vielleicht liegt es in einer Schublade.
Vielleicht gibt es gar kein Foto.
Nur einen Namen, bei dem Du kurz innehältst.
Einen Tag im Kalender.
Einen Satz, den Du nicht vergessen kannst.
Oder ein Leben, das ganz anders geworden ist, als Du es Dir einmal vorgestellt hast.
Vielleicht bist Du sogar selbst auf diesem Foto.
In einem Leben, das es so nicht mehr gibt.
Gestern haben wir noch über das Leid gesprochen.
Heute spricht es über uns.
Denn Leid ist keine Zahl. Keine Nachricht, die unter der nächsten Meldung verschwindet.
Leid hat Gesichter.
Namen.
Tage, nach denen nichts mehr war wie vorher.
Manchmal auch einen leeren Platz am Tisch. 💔
Und plötzlich heißt die Frage nicht mehr: Warum gibt es Leid?
Sondern: Warum dieser Mensch?
Warum damals? Warum so?
Warum ich?
In der Bibel gibt es einen Menschen, dessen Leben innerhalb kurzer Zeit in ein Davor und ein Danach zerbricht.
Hiob.
Er verliert beinahe alles.
Seine Sicherheit. Seine Kinder. Seine Gesundheit.
Schließlich sitzt er da und erkennt sein eigenes Leben kaum noch wieder.
Seine Freunde kommen zu ihm.
Schon von Weitem sehen sie ihn. Und erkennen ihn fast nicht.
Sie weinen. Aus Trauer zerreißen sie ihre Kleider.
Und dann tun sie das Beste, was sie in diesem ganzen Drama tun:
Sie setzen sich zu ihm auf die Erde.
Sieben Tage. Sieben Nächte.
Stille.
„Keiner sagte ein Wort zu ihm, denn sie sahen, dass sein Leid zu groß war für Worte“ – Hiob 2,13
Sie halten aus, dass sie nichts reparieren können.
Dass es keinen Satz gibt, der Hiobs Kinder zurückbringt.
Keine Erklärung, die seinen Körper heilt.
Kein Warum, das dieses Leid plötzlich richtig macht.
Erst später beginnen sie zu reden.
Sie suchen Gründe.
Schuld.
Eine Ordnung, in die Hiobs Leid irgendwie hineinpassen könnte.
Denn irgendetwas muss er doch falsch gemacht haben. Irgendeinen Grund muss es doch geben.
Und mit jedem Erklärungsversuch wissen sie scheinbar mehr über sein Leid.
Aber immer weniger über ihn.
Vielleicht ist das das Traurige daran: Hiob hat bereits so viel verloren.
Und nun muss er sich auch noch verteidigen.
Sein Leben. Seinen Glauben. Seinen Schmerz.
Als wäre Leid ein Gerichtssaal.
Als müsste sich am Ende unbedingt jemand finden, der schuld ist.
Vielleicht versuchen seine Freunde, das Chaos in Hiobs Leben zu ordnen, damit ihre eigene Welt nicht ins Wanken gerät.
Denn wenn Hiob sein Leid irgendwie selbst verursacht hat, können sie sich einreden:
Uns passiert das nicht.
Wir sind sicher.
Die Frage steht noch immer vor dem Foto.
Zum ersten Mal ist sie selbst ganz still.
Vielleicht weiß sogar sie, dass es Augenblicke gibt, in denen jedes Warum zu viel ist.
Also stehe ich einfach neben ihr.
Ob das hilft?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht muss es das heute auch nicht.
Bis morgen
Mandy
Themenwoche vom August 2026:
Die Frage nach dem Warum steht vor der Tür.

4. August 2026 @ 7:38
DANKE!
4. August 2026 @ 8:06
Es gibt viel Leid, für das keiner etwas kann – Menschen sterben und werden verletzt, verlieren ihr Eigentum durch Naturkatastrophen oder werden krank, haben Unfälle. Wenn dann liebevolle Menschen da sind, die unterstützen und helfen, ermutigen, trösten, Hoffnung schenken, lässt sich Leid leichter ertragen. Aber das schlimmste Leid fügen sich die Menschen selbst gegenseitig zu. Menschen, die keine Liebe in sich haben, die selbst ihr eigener Gott sind (z.B. Hab.1,11) Leid in Familien, Leid durch andere Menschen. Solange das Streben nach Geld und Macht die Menschheit beherrscht und nicht die Liebe zu Gott, solange gibt es Leid.