Wenn Glaube verloren geht …
Ihr Lieben,
manchmal verliert man nicht den Schlüssel. 🗝️
Nicht die Geduld. Nicht den Überblick.
Sondern etwas, das viel schwerer wiederzufinden ist: Glauben.
Und ich glaube, das passiert selten einfach so.
Glaube ist nichts, was man einmal bekommt und dann für immer sicher in der Tasche hat.
Manchmal trägt er. Manchmal wackelt er. Manchmal wird er müde.
Und manchmal geht er einem Menschen verloren.
Nicht immer aus Trotz. Nicht immer leichtfertig.
Nicht immer, weil jemand „einfach nicht mehr will“.
Oft steckt ein langer Weg dahinter.
Enttäuschungen. Fragen. Schweigen.
Gebete, auf die keine Antwort kam.
Menschen, die von Liebe sprachen und lieblos waren.
Vielleicht auch ein Leben, das härter war als die Antworten, die man einmal bekommen hat.
Und wenn jemand sagt: „Ich glaube nicht mehr“, dann ist das schnell gesagt.
Ein Satz. Fertig.
Aber oft steckt ein ganzer Weg dahinter.
Und wenn wir diesen Menschen lieben, dann trifft uns das.
Dann möchte man erklären.
Festhalten.
Zurückholen.
Noch einen Satz sagen.
Noch ein Argument finden.
Noch irgendwie das Licht wieder anknipsen.
Aber vielleicht ist genau da die schwere Wahrheit:
Ich kann niemanden zurückglauben.
Nicht jeder, den ich liebe, glaubt wie ich.
Und vielleicht ist genau da die Frage, ob mein Glaube Liebe bleibt — oder Kontrolle wird.
Kontrolle sagt:
„Du musst das wieder so sehen wie ich, damit ich beruhigt bin.“
Liebe sagt eher:
„Ich würde mir wünschen, dass Du wieder glauben kannst. Aber ich werde Dich nicht dazu drängen.“
Mich erinnert das an die Geschichte vom verlorenen Sohn in Lukas 15.
Der Sohn geht.
Und der Vater rennt ihm nicht hinterher, um ihn zurückzuschleppen.
Er diskutiert ihn nicht heim.
Er wirft ihm keine frommen Sätze hinterher.
Er macht aus Liebe keinen Käfig.
Er lässt ihn gehen.
Und ganz ehrlich?
Das muss wehgetan haben.
Sehr sogar.
Aber später steht da dieser Satz:
„Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater.“
Lukas 15, 20
Das berührt mich.
Weil der Vater offenbar nicht aufgehört hat, Ausschau zu halten.
Nicht beleidigt. Nicht mit verschränkten Armen.
Nicht nach dem Motto: „Na, endlich kommst Du angekrochen.“
Sondern mit offenem Herzen. ❤️
Vielleicht ist das manchmal alles, was Liebe kann:
Nicht am anderen rumzerren.
Aber auch nicht innerlich abschließen.
Nicht bitter werden. Nicht überheblich lächeln.
Nicht sagen: „Dann eben nicht.“
Und eben auch nicht niederbibeln.
Nicht mit Druck. Nicht mit Drohung.
Nicht mit diesem frommen: „Ich weiß es besser.“
Sondern eher als Einladung.
Und vielleicht auch mal den eigenen Glauben im Blick behalten.
Dass er nicht hart wird.
Nicht verbittert. Nicht kontrollierend.
Sondern entspannt, offen bleibt.
So, dass jemand vielleicht irgendwann spürt: Da ist noch eine Tür offen.
Und die Geschichte ist vielleicht doch noch nicht zu Ende erzählt …
In diesem Sinne … mach es gut, lesen wir uns morgen?
Deine Mandy
13. Mai 2026 @ 7:14
Danke für deine guten Gedanken.
Wenn Pfarrer so predigen würden, wären die Kirchen voller.
Herzliche Grüße Klara
13. Mai 2026 @ 13:02
Herzlichen Dank, liebe Mandy.
Wie immer gut, nicht „niederbibeln”, ein starkes Wort.
Sei gesegnet.