Revolution des Gebets
Manchmal bete ich – und mitten im Satz frage ich mich: Zu wem rede ich da eigentlich?
Zum Vater? Zu Jesus? Zum Heiligen Geist?
Wir beten das „Vater unser“. Wir sagen „im Namen Jesu“. Manche sprechen den Heiligen Geist direkt an.
Und wenn man ein bisschen über den eigenen Tellerrand schaut, merkt man: Es gibt so viele Formen. So viele Traditionen. So viele Arten zu beten.
Aber ich glaube, hinter dieser Frage steckt etwas ganz anderes.
Nicht: Wer ist zuständig? Sondern: Kommt das überhaupt an?
Jesus selbst lehrt uns zu beten: „Vater unser im Himmel …“ – Matthäus 6,9
Er richtet den Blick zum Vater. Nicht zu einer anonymen Macht.
Nicht zu einer Energie im Universum. Sondern zu einem Gegenüber.
Gleichzeitig sagt er: „Alles, was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben.“ – Johannes 16,23
Und Paulus schreibt: „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf … der Geist selbst tritt für uns ein.“ – Römer 8,26
Klingt komplizierter, als es ist.
Wir beten zu Gott. Dem einen Gott. Der sich uns als Vater zeigt. Der uns in Jesus nahekommt. Und der durch seinen Geist in uns lebt. Kein Formular. Kein Weiterleitungsdienst im Himmel. Keine falsche Adresse.
Beziehung.
Und dann ist da dieses kleine Wort, das alles verändert.
Jesus betet in seiner dunkelsten Stunde: „Abba, Vater …“ – Markus 14, 36
Abba ist aramäisch. Die Sprache, in der Jesus mit seinen Freunden sprach. Die Sprache des Alltags.
Abba bedeutet: Vater. Aber nicht im distanzierten Sinn, also wie auf einem Formular.
Es ist ein Beziehungswort. So spricht ein Kind seinen Vater an. Vertraut. Nah.
Man könnte es mit „Papa“ vergleichen – nicht verniedlichend, nicht respektlos, sondern persönlich.
Ein Wort, das sagt: Ich gehöre zu Dir. Und Du gehörst zu mir.
Und genau das ist das Erstaunliche: „Ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ – Römer 8, 15
Nicht nur Jesus nennt Gott so. Wir dürfen das auch.
Das ist mehr als eine Übersetzung. Das ist eine Einladung.
Von Distanz zu Nähe. Von Ehrfurcht ohne Beziehung zu Ehrfurcht mit Vertrauen.
Vielleicht liegt genau darin die Revolution des Gebets.
Wir müssen uns Gott nicht erarbeiten. Wir dürfen zu ihm kommen.
Aber jetzt kommt die ehrlichere Frage.
Wenn das alles stimmt – wenn Gott Vater ist, wenn wir Kinder sind, wenn wir erlöst sind – warum fällt Vertrauen dann trotzdem so schwer? Warum kreisen Gedanken weiter? Warum kommen Sorgen zurück? Warum fühlt sich „Abgeben“ nicht wie ein einmaliger Befreiungsschlag an, sondern wie eine tägliche Übung?
„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ – 1. Petrus 5,7
Das klingt so klar. So einfach. Und doch stehen wir oft morgens auf und tragen denselben Rucksack wieder mit uns herum. Vielleicht bedeutet Glaube nicht, dass Sorgen verschwinden. Vielleicht bedeutet Erlösung nicht, dass Angst sich in Luft auflöst. Vielleicht bedeutet es: Du bist nicht mehr allein mit dem, was Dich belastet.
Vielleicht ist Gebet kein magischer Moment, sondern ein wiederholtes Hinwenden.
Ein: Hier bin ich. Schon wieder. Mit denselben Fragen. Mit denselben Gedanken. Mit demselben Herz.
Und Gott sagt nicht: „Schon wieder du?“ Sondern: „Komm.“
Vielleicht geht es im Gebet weniger um richtige Worte und mehr um echte Nähe.
Nicht um perfekte Anreden. Nicht um theologische Präzision.
Sondern um dieses leise, ehrliche: „Abba …“ Oder ganz schlicht: „Gott, ich weiß gerade nicht weiter.“
Und vielleicht reicht genau das. Nicht, weil wir alles loswerden.
Sondern weil wir nicht mehr alleine sind. 🤍
Alles Liebe für den heutigen Tag!
Deine Mandy
