Auf Abstand
Manchmal ist es gar kein großes Scheitern. Kein Riesending. Kein Bruch.
Nur ein Satz. Ein Tonfall. Ein Moment, in dem man nicht der Mensch war, der man eigentlich sein wollte.
Und später kommt er dann – dieser innere Rückblick.
Nicht laut. Aber hartnäckig.
Warum habe ich nichts gesagt?
Warum habe ich nicht anders reagiert?
Ich hätte doch …
Wir sind oft gnadenlos mit uns selbst. Strenger als mit allen anderen.
Wir erklären, entschuldigen, verstehen – nur uns selbst lassen wir selten vom Haken.
Manche Schuld sitzt nicht im Gewissen, sondern im Bauch.
Als leises Ziehen. Als unterschwellige Scham. Als dieses Gefühl: Das bleibt jetzt wohl so.
Die Bibel setzt genau dort an – sie bleibt nicht bei der Schuld stehen.
In Psalm 103,12 heißt es: „So fern der Osten ist vom Westen, so fern entfernt er von uns unsere Schuld.“
Osten und Westen treffen sich nie. Man kann lange unterwegs sein – es gibt keinen Punkt, an dem sie zusammenkommen. Schuld bekommt keinen festen Platz. Sie darf nicht neben Dir herlaufen und auch nicht irgendwann wieder hervorgeholt werden.
Nicht: Du musst es wieder gutmachen.
Nicht: Denk noch ein bisschen darüber nach.
Sondern: Es darf Abstand entstehen.
Vielleicht ist Vergebung weniger ein Gefühl und mehr eine Entscheidung, sich selbst nicht länger festzuhalten und zu geißeln. Nicht, um Verantwortung abzuschieben. Sondern um wieder atmen zu können.
Gott scheint kein Sammler alter Fehler zu sein. Kein Archiv, das bei Gelegenheit geöffnet wird.
Eher einer, der sagt: Ich sehe Dich – und ich sehe mehr als das.
Vielleicht beginnt Heilung genau da: wo wir aufhören, uns ständig selbst zu verurteilen, und anfangen, uns behutsam wieder zuzutrauen. Mit dem, was war. Und dem, was trotzdem noch möglich ist.
Alles Liebe
Mandy 🤍
