Manchmal kommt früher zu Besuch
Ihr Lieben,
manchmal steht früher plötzlich vor der Tür.
Ohne sich anzumelden.
Klingelt nicht mal richtig.
Ist einfach da.
Mit einem Lied im Gepäck.
Mit einem Geruch im Mantel.
Mit einem alten Foto in der Hand.
Mit einer Straße, einem Namen, einem Satz, den jemand mal gesagt hat.
Und ehe Du Dich versiehst, sitzt früher mitten in Deinem Wohnzimmer.
Auf Deinem Sofa.
Trinkt ’n Käffchen mit Dir, als wäre es nie weg gewesen.
Und bringt Gefühle mit, die Du gar nicht bestellt hast.
Sehnsucht.
Wehmut.
Traurigkeit.
Vielleicht auch ein bisschen Wärme.
Manchmal sogar Neid.
Auf den Menschen, der Du damals warst.
Leichter vielleicht.
Unbeschwerter.
Mutiger.
Verliebter.
Naiver.
Oder einfach noch nicht so müde vom Leben.
Früher kann ziemlich überzeugend sein.
Früher zeigt Dir nicht nur, was war.
Es zeigt Dir, was Du vermisst.
Leichtigkeit vielleicht.
Nähe.
Vertrauen.
Menschen, von denen Du dachtest, sie könnten bleiben.
Wege, die offen schienen.
Ein Ich, das noch nicht wusste, was alles schwer werden kann.
Aber früher ist nicht immer ehrlich.
Es zeigt selten die ganze Wahrheit.
Nicht die Sorgen drumherum.
Nicht die Nächte, in denen Du damals auch wach lagst.
Nicht die Fragen, die Du schon damals mit Dir herumgetragen hast.
Früher zeigt gern die schönsten Ausschnitte.
Wie ein altes Foto, auf dem niemand sieht, was kurz davor war oder kurz danach kam.
Und trotzdem kann es weh tun.
Weil zurück eben nicht geht.
In Jesaja 43,18–19 steht: „Denkt nicht mehr daran, was war, und grübelt nicht mehr über das Vergangene. Seht hin; ich mache etwas Neues; schon keimt es auf. Seht ihr es nicht?“
Ich glaube nicht, dass Gott damit sagt: Vergiss einfach, was war.
So funktioniert ein Herz nicht.
Manche Erinnerungen gehören zu uns.
Manche Menschen auch. Manche Wunden sowieso.
Aber vielleicht sagt Gott:
Lass früher zu Besuch kommen.
Aber lass es nicht wieder einziehen.
Nicht in dem, was verloren ist.
Nicht in dem, was hätte sein können.
Nicht in dem alten Ich, das es so nicht mehr gibt.
Vielleicht schafft Gott Neues nicht, indem er das Alte ausradiert.
Sondern indem er aus dem, was war, etwas Neues entstehen lässt.
Nicht zurück.
Aber weiter.
Anders vielleicht.
Langsamer. Reifer.
Mit Narben. Mit Geschichten. Mit weniger Illusionen.
Aber nicht ohne Zukunft.
Vielleicht darf früher manchmal vorbeikommen.
Sich kurz setzen. Eine Erinnerung dalassen.
Und dann wieder gehen.
Denn heute ist auch Leben.
Vielleicht anders als früher.
Vielleicht nicht ganz so, wie Du es Dir mal vorgestellt hast.
Aber es ist da.
Und es wäre schade, heute zu verpassen, nur weil früher gerade so überzeugend auf Deinem Sofa sitzt.
Vielleicht wächst gerade etwas Neues, das Du noch gar nicht richtig erkennst.
Also: Lass früher ruhig kurz bleiben.
Aber gib ihm nicht Deinen Wohnungsschlüssel.
Mach die Tür wieder auf.
Für heute. Für das, was noch kommt.
Fetten Segen dafür,
Mandy
2. Juli 2026 @ 7:10
Der Pinsel der Erinnerung malt in goldener Farbe.
Einer meiner Lieblingssprüche.
Im Rückblick ergibst alles einen Sinn. Auch jeder
Schmerz.
Alles Liebe und danke dass für die guten Gedanken
jeden Morgen.
2. Juli 2026 @ 12:32
Oh ja, liebe Line … manchmal malt die Erinnerung wirklich goldener, als es damals war. Und trotzdem darf dieses warme Gefühl ja bleiben. Danke Dir! ❤️
2. Juli 2026 @ 8:18
Guten Morgen liebe Mandy, wieder ein schönes Seelenfutter am Morgen. Ich würde manchmal gern früher zu Besuch haben. Ein Gespräch mit den Eltern, nochmal Fragen stellen können, Rat ein holen können und Antworten geben, wo ich mich damals nicht getraut habe, besonders Menschen die mich unterdrückt haben. Aber ich würde niemals im damals bleiben und ich warte gern aufs heute und morgen und bin gespannt was es bringt, da es zwischen damals und heute grosse Veränderungen gab. Gottes Segen liebe Mandy
2. Juli 2026 @ 12:35
Liebe Christine, ja … nochmal fragen können. Wer weiß, vielleicht wird es eines Tages ja doch noch möglich sein. In anderen Dimensionen … nach dem Tod. Schwer vorzustellen. Andererseits: Ein Mensch entsteht im Menschen. Das ist auch verrückt – und doch Realität. Ich trau es dem da oben zu. 😉
2. Juli 2026 @ 9:27
Vielen Dank für dein tägliches Seelenfutter.
Es berührt mich oft und manchmal so sehr, dass ich Tränen in den Augen habe. Du drohst nicht mit dem erhobenen Zeigerfinger, sondern ermutigst die Menschen, bringst sie und mich zu nachdenken und baust sie auf. Vielen Dank dafürLiebe Grüße aus Ostetode am Harz und Gottes reichen Segen für dich und deine Arbeit.
Volker
Volker
2. Juli 2026 @ 12:39
Danke Dir, lieber Volker! So soll es sein … ❤️ Liebe Grüße in den Harz!
2. Juli 2026 @ 10:30
Auch ich bin immer wieder tief berührt, wie du Themen bearbeitest.. Es ist für mich eine Gottes Gabe, die dir geschenkt wurde und Du so viele unterschiedliche Menschen damit erreichst, sie ermutigst mit einer so emphatischen aber auch klaren Wortwahl. Das ist etwas ganz besonderes. Danke. dass du das für uns tust, so viele Tage/Monate/Jahre schon.
Gott segne dich und gebe dir weiterhin die Kraft dazu. Das ist nicht selbstverständlich.
Ganz herzlichen Dank liebe Mandy auch für deine Offenheit wenn du mal Abstand und Ruhe benötigst.
GLG Petra
2. Juli 2026 @ 12:42
Liebe Petra, danke Dir von Herzen! Ich liebe, was ich tue. Schreiben zu können, ist für mich wirklich ein Geschenk – ein Ventil irgendwie. Und dass Menschen wie Du mitlesen und mitfühlen, macht es noch wertvoller. ❤️
2. Juli 2026 @ 16:53
Hallo,
ja, es ist wahr. Bei einem Rückblick sieht man meistens nur die schönen Dinge.
Nicht die Schwierigkeiten.
Nicht die Ängste
Nicht die Sorgen.
Mach’ einfach mal die Probe.
Gehe mal die Hälfte deines Lebens zurück.
Dir wird zuerst einfallen, was schön und was leicht war.
Jetzt halte mal inne und denke an die unschönen, harten Dinge zurück.
Da ergibt sich dann meist ein ganz anderes Bild.
Wenn, ja, wenn du ehrlich bist.
Denn so schön goldene Erinnerung ist, so trügerisch ist sie auch. Deshalb fällt es uns schwerer, uns an die ‘dunklen’ Seiten zu erinnern. Das ist völlig einleuchtend, oder?
Aber, Überraschung, sogar wissenschaftlich belegt.
‘Früher war alles besser’ – das ist eine Lüge, die auch durch die Distanz entsteht.
Und wir Christen sind der Wahrheit verpflichtet, auch wenn diese nicht bequem sein mag.
Auch wenn wir die schönen Momente von früher in unserem Herzen tragen dürfen, denn sie haben sich ja auch ereignet.