Heilung ohne Schuld
Ihr Lieben,
ich glaube, dass Gebet etwas Kostbares ist. 🙏
Gerade dann, wenn Menschen krank sind.
Wenn Kraft fehlt, eine Diagnose im Raum steht,
die Angst nachts lauter wird als alles andere.
Wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.
Dann kann es unendlich guttun, wenn jemand sagt: „Ich bete für Dich.“
Einfach liebevoll.
Und ich glaube wirklich: Gott kann heilen.
Manchmal sogar auf eine Weise, die wir nicht erklären können.
Manchmal durch Medizin.
Durch Ärztinnen und Ärzte.
Durch Therapien.
Durch Zeit.
Durch Menschen, die bleiben.
Durch Kraft, die plötzlich doch wieder reicht.
Aber ich glaube auch:
Gebet kann kippen.
Dann nämlich, wenn aus Hoffnung ein Anspruch wird.
Wenn aus Mitgefühl eine Bühne wird.
Wenn aus „Wir beten für Dich“ plötzlich wird:
„Du musst nur genug glauben.“
„Du musst Dich ganz öffnen.“
„Du musst Deine Blockade loslassen.“
„Vielleicht hält Dich irgendwas fest.“
„Vielleicht ist da etwas Geistliches im Weg.“
Und zack.
Da sitzt ein kranker Mensch nicht mehr nur mit seiner Krankheit da.
Sondern zusätzlich mit Schuld.
Mit der Frage:
Habe ich zu wenig geglaubt?
Habe ich falsch gebetet?
Bin ich nicht offen genug?
Bin ich selbst irgendwie das Problem?
Und ganz ehrlich?
Das tut weh. 💔
Vielleicht sogar mehr, als manche merken.
Denn wer krank ist, trägt oft schon genug.
Schmerzen.
Angst.
Erschöpfung.
Ungewissheit.
Arzttermine.
Warten.
Hoffen.
Enttäuschungen.
Nächte, in denen man mit der Decke diskutiert und versucht, nicht komplett durchzudrehen.
Da braucht niemand noch einen frommen Zeigefinger obendrauf.
Ich muss dabei an eine Geschichte aus der Bibel denken.
In Johannes 9 begegnen Jesus und seine Jünger einem Mann, der von Geburt an blind ist.
Und die Jünger fragen Jesus: „Wer ist schuld daran? Er selbst oder seine Eltern?“
Krasse Frage eigentlich.
Aber vielleicht gar nicht so weit weg von dem, was Menschen bis heute manchmal denken.
Irgendwer muss doch schuld sein.
Irgendwas muss doch dahinterstecken.
Irgendeinen Grund muss es doch geben.
Leid macht uns hilflos.
Und wenn wir hilflos sind, suchen wir Erklärungen.
Manchmal sogar auf Kosten derer, die sowieso schon leiden.
Aber Jesus macht da nicht mit.
Er sagt nicht: „Da müsst Ihr mal genauer hinschauen.“
Er sagt nicht: „Vielleicht hat der Mann nicht richtig geglaubt.“
Jesus durchbricht diese ganze Schuld-Rechnerei.
Er sagt sinngemäß:
Weder dieser Mann noch seine Eltern sind schuld.
Es geht hier nicht um Schuld.
Sondern darum, dass an diesem Menschen sichtbar wird,
was Gott tun kann.
Und ja, dieser Satz ist nicht ganz einfach.
Denn man könnte ihn auch so verstehen,
als wäre das Leid dieses Mannes eine Bühne
für Gottes großen Auftritt.
Mit so einem Gedanken tue ich mich schwer.
Ich glaube nicht an einen Gott, der Menschen leiden lässt,
nur damit er später glänzen kann.
Ich sehe in dieser Geschichte eher:
Jesus sucht nicht nach Schuld.
Er sucht nicht nach einem Fehler.
Er macht den Mann nicht zum geistlichen Problemfall.
Er sieht ihn.
Als Mensch. ❤️
Und vielleicht ist genau das schon ein Anfang von Heilung.
Nicht immer Heilung im Sinne von:
alles ist weg, alles ist gut, alles wie vorher.
Manchmal denke ich: Wir Menschen machen Heilung auch unnötig schwer.
Denn beschuldigt werden, sich erklären zu müssen, das Gefühl zu haben, irgendwie falsch zu sein,
weil man krank ist … das kostet richtig Kraft.
Kraft, die man doch eigentlich bräuchte, um überhaupt wieder gesund zu werden.
Oder wenigstens, um den nächsten Tag zu schaffen.
Wir machen da manchmal viel zu viel drum.
Vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn wir kranke Menschen nicht auch noch verdächtigen.
Nicht bewerten. Nicht erklären.
Nicht mit frommen Erwartungen belasten.
Sondern einfach da sind.
Und manchmal ist genau das mein Gebet:
„Gott, ich halte das kaum aus. Bitte bleib bei mir.“
Und ich glaube: Das reicht. 🙏
Schönen Tag noch.
Bis morgen.
Deine Mandy

29. April 2026 @ 6:05
Danke ,für dein Seelenfutter .
Es tut mir gut ,wenn ich dich morgen höre
Liebe Grüße Brigitte
30. April 2026 @ 0:08
Liebe Brigitte, danke Dir von Herzen. ❤️
Schön zu lesen, dass Dir das SeelenFutter morgens guttut. Genau dafür schreibe ich es.
Liebe Grüße zurück!
Mandy
29. April 2026 @ 9:51
Ja genau so fühle ich auch!!
Dankeschön
Doris
30. April 2026 @ 0:10
Ja, genau. Manchmal tut schon das gut: zu merken, dass andere ähnlich fühlen. ❤️
29. April 2026 @ 9:57
Danke für deine guten Gedanken
30. April 2026 @ 0:10
Sehr gern, Volker. Danke fürs Mitlesen!
29. April 2026 @ 15:20
Sehr, sehr gut geschrieben, liebe Mandy! Danke dafür! Ich hab genau das Thema in der eigenen Familie miterlebt. Meine Mutter war ein Zwilling. Ihre Schwester war sehr gläubig, teilweise sehr gesetzlich streng und bibeltreu. Als meine Mutter Brustkrebs bekam, musste sie sich immer wieder anhören, dass sie nicht richtig geglaubt oder gelebt habe, deswegen hätte sie Krebs und auch alle Rezidive und Metastasen. Das tat sehr weh, ihr, aber auch mir als Tochter. 13 Jahre kämpfte meine Mutter gegen den Krebs. Sie war auch gläubig, aber eben anders, als ihre Schwester, und sie hat viele Kämpfe durchlebt in den Jahren. Auch mit Gott. Kein Jahr nach ihrem Tod wurde bei meiner Tante auf einmal auch Brustkrebs diagnostiziert. Das war ein herber Schlag für sie. Sie, die immer gemeint hatte, sie glaube so fest, dass sie kein Krebs treffen kann. Sie lebte nur noch 2 Jahre, dann verstarb sie. Auch, wenn ich mich keineswegs gefreut hatte, dass sie auch Krebs bekommen hat, konnte mich diese Erfahrung aber lehren, dass wir nicht alles in der Hand haben mit unserem Glauben, bzw. keinen Freibrief dafür, dass uns keine Not oder Gefahr oder Schicksalsschlag trifft.
Diese Erfahrung wollte ich hier gerne teilen.
VLG, Dorothee
29. April 2026 @ 16:47
Danke
30. April 2026 @ 0:13
Danke Dir, Gregor. 🙏
30. April 2026 @ 0:12
Liebe Dorothee, danke, dass Du das so offen teilst. ❤️ Das klingt nach einer sehr schmerzhaften Erfahrung …
Und ja, vielleicht ist genau das so wichtig: dass wir nicht alles in der Hand haben. Nicht mit unserem Glauben. Nicht mit unserer Kraft. Nicht mit unseren Erklärungen …
30. April 2026 @ 11:09
Danke, Mandy, ja, das waren schwere Jahre, mit soooo vielen Gebeten, und am Ende doch keiner irdischen Heilung. Du hast das gestern wirklich so gut geschrieben. Die Geschichte mit dem blinden Mann hat mich auch schon öfter bewegt. Wie gut, dass es sie gibt in der Bibel.
Alles Liebe, ubd genieße Dein langes Wochenende! VLG, Dorothee
29. April 2026 @ 16:12
Das hat mir soooo gut getan, liebe Mandy und liebe Dorothee.
Danke euch beiden von Herzen ❤️
30. April 2026 @ 13:06
Klar kann Gott heilen. Diese Heilung bedeutet nicht, das ein Leiden plötzlich verschwindet, sondern es bedeutet, dass der Druck, den wir durch das Leiden erfahren, verschwindet oder geringer wird.
Dies heißt, das auch eine Art Akzeptanz des Leidens schon ein Anfang der Heilung sein kann. Denn als gläubiger Christ weiß ich ja, dass dieses Leid ja nicht für immer ist.
Es macht besonders. Es macht klar, das wir uns bewusst sein müssen, das wir in der Hand Gottes sind. Und in der Hand Gottes zu sein, lindert Leid.
Auch meines.
Ich wünsche allen, die dies lesen, Gottes reichen Segen.
5. Mai 2026 @ 5:51
Manchmal heilt Gott nicht, aber er schenkt einem Frieden mit der Krankheit. Ich bin seit 5 Jahren, nach einem Augen Infarkt teilweise blind auf dem rechten Auge. Gott hat mir zeitgleich einen unendlichen Frieden mit der Krankheit geschenkt .
Und er nutzt mich, mit Menschen darüber zu reden.
Mir fällt es schwer vor vielen Menschen ein Zeugnis zu geben, aber sie fragen immer wieder und sind erstaunt über meine Haltung/Einstellung .
Gott hat mir das geschenkt, Frieden und Ruhe um durch die Behandlung (Spritzen in das Auge) zu kommen und mit der Einschränkung zu leben und trotzdem glücklich und zufrieden zu sein.