Tag 5: Die Frage bleibt
Freitagmorgen.
Die Frage sitzt wieder am Küchentisch.
Der Kaffee ist frisch. ☕️ Die Frage nicht.
„Und?“, fragt sie.
„Hast Du eine Antwort?“
Ich denke an diese Woche.
An das Foto und an Hiob mit seinen schweigenden Freunden. An den leeren Stuhl. An die Menschen draußen. An das Leid, das niemand verhindern konnte. Und an das Leid, bei dem jemand hätte handeln können.
Ich könnte jetzt versuchen, alles zusammenzufügen und die möglichen Antworten wie Puzzleteile auf den Tisch zu legen:
Den freien Willen. Die zerbrochene Welt. Die Hoffnung, dass Gott eines Tages jede Träne abwischen wird.
Vielleicht steckt in all dem etwas Wahres.
Der freie Wille erklärt manches von dem, was Menschen einander antun. Aber nicht jede Krankheit. Nicht jedes Unglück. Nicht jedes Leben, das viel zu früh endet. 💔
Die zerbrochene Welt beschreibt, wie sich das Leben manchmal anfühlt. Aber sie erklärt nicht, warum es ausgerechnet diesen Menschen trifft.
Und dann ist da noch der Satz: Gottes Wege sind unergründlich.
Aber für einen leidenden Menschen kann sich das so anhören, als sei sein Leid von Gott gewollt – und er müsse es nur annehmen und weiter vertrauen.
Ich weiß. Ganz schön viel Aber.
Ist aber nun mal so.
Ich kann glauben, dass all diese Gedanken etwas Wahres berühren.
Und trotzdem zugeben: Ich weiß noch immer nicht, warum Gott dieses Leid zulässt.
Warum er manchmal eingreift und manchmal nicht. Warum der eine Mensch gerettet wird und der andere stirbt. Warum manche Gebete eine Antwort bekommen und andere mit der Zeit nur leiser werden.
Ich weiß es nicht.
Und ich möchte dieses Nichtwissen nicht mit frommen Sätzen verkleiden.
Dann denke ich an Jesus.
Am Kreuz erklärt er das Leid nicht.
Er ruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – Markus 15,34
Da hängt nicht einer, der aus sicherer Entfernung erklärt, wozu das alles gut sein soll.
Da hängt einer, der selbst fragt: Warum?
Dass Jesus selbst dieses Warum geschrien hat, beantwortet meine Frage nicht.
Aber es lässt mich Gott nicht als unberührten Zuschauer sehen.
Wenn diese Geschichte stimmt, kennt er den Schmerz nicht nur aus der Ferne.
Ein leidender Gott macht das Leid nicht gut.
Er gibt nicht zurück, was verloren ist. Er erklärt nicht, warum etwas geschehen musste. Und er macht aus Sch… nicht plötzlich etwas Schönes, nur weil wir sie zu einem Teil irgendeines größeren Plans erklären.
Ich glaube … ja, ich glaube an Gott.
Nicht, weil ich Antworten auf sämtliche Fragen gefunden hätte.
Mein Glaube besteht wohl eher darin, weiterzusuchen. Weiterzufragen. Und mit dem da oben im Gespräch zu bleiben.
Diese Woche ist mir nähergegangen, als ich erwartet hatte.
Beim Schreiben habe ich gemerkt, wie schnell eine Antwort schlüssig klingt – bis man dabei an einen konkreten Menschen denkt.
Die Frage wird wiederkommen. Immer dann, wenn Leid in ein Leben bricht und niemand erklären kann, warum.
Vielleicht ist es mir in dieser Woche gelungen, dem einen oder anderen zu sagen: Du musst das Leid und einen liebenden Gott nicht auf die Kette bekommen. Ich bekomme es auch nicht hin.
Du darfst fragen. Zweifeln. Wütend sein.
Deine Frage muss nicht verschwinden, damit Du weiter nach Gott suchen oder mit ihm sprechen kannst.
Vielleicht bedeutet Glaube für mich genau das: Ich muss mich nicht zwischen der Frage und Gott entscheiden. Beide dürfen mit mir am Tisch sitzen.
Inzwischen ist der Kaffee kalt geworden.
Ich stehe auf und setze neuen auf. ☕️
Für die Frage. Für mich. Und für Gott.
Wir haben hier wohl noch länger miteinander zu reden …
Danke, dass Du diese Woche mit dabei warst! ❤️
Mach’s gut und bis Montag, wenn Du magst …
Mandy
Themenwoche vom August 2026:
Die Frage nach dem Warum steht vor der Tür.

7. August 2026 @ 5:24
Vielen lieben Dank für diese Woche des Warums. Als schwer kranke Frau habe ich mich so wiedergefunden in deinen Gedanken. Und gleichzeitig habe ich verstanden, es ist okay zu schreien, zu weinen, zu zweifeln, zu fragen und gleichzeitig auf die Hoffnung auf Gottes liebende Begleitung zu vertrauen. Danke dafür.
7. August 2026 @ 6:45
Liebe Mandy, ich habe seit gut 3 Monaten einen Mann in meinem Leben. Vor 3 Tagen kamen wir auf Gott zu sprechen. Ich fragte geradeheraus, ob er an Gott glaubt. Hmmm schwierig meinte er. Wenn es den da oben wirklich gibt ,warum macht er nix? Warum sterben Gute Menschen, sind Kriege , lässt er zu das bestimmte Menschen über die Welt regieren und das Leben schwer machen?
Ich antwortete: Ich weiß es nicht. Aber nicht alles ist negativ. Es gibt viele schöne Dinge im Leben und auf der Welt. Man muß sie nur Beachten.
Ehrlich, in den vielen Jahren mit denen ich mit Jesus eine wunderbare Beziehung habe , meinem Freund und Retter der in meinem Leben soviel gewirkt hat , fehlten mir gerade jetzt die Worte. Aber dann sagte mir Gott, erzähle dein Zeugnis und Begegnungen mit mir. Und ich begann. Wie Gottes stärke durch die Hand eines Pastors meine kaputre Niere wieder arbeiten ließ, ich von der Gotteshand gesegnet wurde, weil ich sauer war das ich dem Gottesdienst nicht folgen konnte da ich Kaffeekochen musste. Wie Gott zu mir sprach und mir die Hand reichte durchs Himmelstor. Begegnungen mit dem heiligen Geist. Plötzlich hörte ich, wie mein Freund sagte, mir ist so heiß, mir läuft der Schweiß aus jeder Pore. Das ist nicht normal, ich glaube es ist der heilige Geist. 😁
Ich antwortete , ja kann gut sein. Er ist überall wo wir sind. Die Atmosphäre war Atemberaubend.
Ich erzählte es gestern meine Schwester und sie sagte, na das passt ja zum Seelenfutter diese Woche. Ich gestehe, ich hatte es noch nicht einmal gelesen diese Woche. Holte es sofort nach und musste schmunzeln. Ja Gott ist gut und weiß was wir wann brauchen. Ich habe jetzt Antworten und werde unser Gespräch passend fortsetzen.
Danke liebe Mandy, das du immer bemüht bist uns pünktlich deine Gedanken, drin Leben mit Gott mit uns zu teilen.
Ein tolles Wochenende euch Allen.
Christa