Müde ist nicht falsch.
Ihr Lieben,
manchmal denke ich: Was ist eigentlich los mit mir?
Warum bin ich so schnell müde?
Warum bringt mich etwas aus dem Gleichgewicht, was andere scheinbar einfach wegstecken?
Und manchmal ist es ja nicht mal das eine große Drama.
Es ist eher so ein Tag, der sich langsam vollstapelt.
Ein schwieriges Gespräch.
Öffis zu voll.
Menschen zu nah.
Einer telefoniert laut.
Natürlich auf Lautsprecher. 🙄
Mein Handy blinkt.
Eine Sprachnachricht wartet.
Ne Mail auch. Oder mehrere.
Im Briefkasten liegt ein Brief, bei dem man ahnt:
Wird wohl keine Liebeserklärung sein. 📬
Der Einkauf wartet.
Die Wäsche liegt rum.
Der Kühlschrank kühlt tapfer drei traurige Reste.
Der Hund muss raus. 🐾
Die Bude ist staubig.
Man sucht den Schlüssel.
Findet ihn nicht.
Vergisst dafür in der Küche, was man da wollte.
Und dann kommt noch jemand mit: „Kannst Du mal eben?“
Und innerlich nur:
Bitte.
Nicht.
Auch.
Noch.
Und zack.
Alles auf Anschlag.
Oder mal ehrlich: Wie viel braucht’s bei Dir, bis Du merkst: Jetzt ist zu viel?
Dann kommt schnell dieser Satz: Ich bin nicht belastbar.
Klingt sachlich. Ist aber oft ein ziemlich harter Satz über sich selbst.
Denn vielleicht stimmt er so gar nicht.
Vielleicht bin ich nicht weniger belastbar als andere.
Vielleicht bin ich einfach schon belastet.
Kein Mensch ist jeden Tag gleich belastbar.
Manchmal wacht man morgens auf und merkt schon: Heute ist dünne Haut.
Keine Ahnung, warum genau.
Schlecht geschlafen.
Zu viel geträumt.
Zu viel gedacht.
Zu wenig Pause gehabt.
Oder einfach dieses doofe Gefühl, das schon mit am Bettrand sitzt, bevor man überhaupt aufgestanden ist.
An solchen Tagen reicht weniger.
Nicht, weil man sich anstellt.
Sondern weil der innere Akku nicht bei hundert Prozent gestartet ist. 🔋
In der Stressforschung gibt es den Begriff der allostatischen Last.
Grob gesagt meint das: Wenn ein Mensch lange unter Druck steht, kostet das Kraft. Nicht nur im Kopf. Auch im Körper. Stress kann kurzfristig helfen, durchzuhalten. Aber wenn er dauerhaft bleibt, hinterlässt er Spuren.
Er zieht Energie. Manchmal mehr, als man merkt. 🪫
Vielleicht ist das wichtig.
Weil Erschöpfung dann nicht einfach heißt: „Du stellst Dich an.“
Sondern vielleicht eher: „Da trägt jemand schon lange.“
Jesus sagt: „Kommt zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ – Matthäus 11,28
Ich finde bemerkenswert, was Jesus hier nicht sagt.
Er sagt nicht: Kommt, wenn ihr euch endlich zusammengerissen habt.
Er sagt nicht: Kommt, wenn ihr euer Leben ordentlich sortiert habt.
Er sagt nicht: Kommt, wenn ihr stark genug glaubt, positiv genug denkt, fromm genug klingt.
Er sagt: Kommt, wenn ihr mühselig seid. Kommt, wenn ihr beladen seid.
Also genau dann, wenn man sich am wenigsten passend fühlt.
Jesus sieht nicht nur, was ich nicht schaffe.
Er sieht auch, was ich schon trage.
Nicht nur meine geringe Kraft.
Sondern auch die Last auf meinem Rücken.
Vielleicht ist Gnade deshalb nicht noch ein Anspruch obendrauf.
Nicht noch ein: Du müsstest aber …
Sondern eine Einladung.
Komm. ❤️
Mit dem, was schwer ist.
Mit dem, was keiner sieht.
Mit dem, was Dich müde gemacht hat.
Nicht, weil plötzlich alles leicht wird.
Aber weil Du mit Deiner Last nicht falsch bist.
Vielleicht ist genau das schon Gnade: Nicht noch ein Urteil obendrauf.
Nicht noch ein: „Jetzt reiß Dich mal zusammen.“
Sondern ein leiserer Blick.
Ein bisschen weniger Härte.
Ein bisschen mehr Wahrheit.
Du bist nicht kaputt.
Vielleicht warst Du nur zu lange zu doll belastet. ⚓️❤️
