Wenn’s glatt wird: Pinguin-Gang
Berlin ist gerutscht, Ihr Lieben. Mächtig gerutscht. ❄️ Ich trage Spikes an den Schuhen, sogar an den Fahrradreifen – 🚲 und trotzdem merkt man bei jedem Schritt: Der Winter, der lange keiner mehr war, fordert uns gerade richtig heraus.
Vielleicht hast Du es auch gehört: Vielbeschäftigte Orthopäden und Unfallchirurgen raten zum Pinguin-Gang. 🐧 Kleine Schritte. Breiter Stand. Das Gewicht leicht nach vorne verlagern, den Schwerpunkt über dem Standbein halten. Nicht elegant. Aber stabil.
Die Pinguine haben mit ihrem berühmten Watschelgang längst kapiert: Vorsicht ist wichtiger als Tempo. Wir Menschen … na ja. Wir üben noch. Und das sieht oft alles andere als souverän aus. Die Stadt ist voll von Leuten die ausrutschen – einmal, zweimal, dreimal … 🤦♀️ #Slapstick Live vom Feinsten. Manches ist zum Lachen 😂 Manches endet im Krankenhaus 🏥 Aua.
Zugegeben: Der Pinguin wirkt dabei selbst auch nicht gerade elegant. Eher tollpatschig.
Und doch ist sein Körper erstaunlich durchdacht: Die Füße weit hinten am Körper. Ein tiefer Schwerpunkt. Kurze Beine. Alles an ihm ist darauf ausgelegt, auf glattem Untergrund nicht zu stürzen und dabei möglichst wenig Energie zu verbrauchen.
Sieht irgendwie unbeholfen aus. Aber schau Dir an, was passiert, wenn der Pinguin in sein Element abtaucht. Denn im Wasser verändert sich alles 🌊 Plötzlich wirkt nichts mehr schwer. Keine Unsicherheit. Keine Vorsicht. Seine „Flügel“ sind zu kräftigen Flossen geworden. Der Körper stromlinienförmig. Der Schwerpunkt ideal ausbalanciert. Manche Pinguinarten tauchen über 500 Meter tief. Sie bleiben mehr als 20 Minuten unter Wasser. Ihr Herzschlag fährt dabei extrem runter, der Sauerstoff wird gezielt verteilt – Gehirn und Herz zuerst.
Sie gleiten durch die Tiefe, schnell, präzise, ausdauernd, als wäre das Wasser ihr Zuhause.
Und ich denke mir dabei: Vielleicht sind wir Menschen manchmal gar nicht so unbeholfen, wie wir selbst glauben. Vielleicht stolpern wir nicht, weil wir zu wenig können – sondern weil wir uns in Umfeldern bewegen, die uns nicht entsprechen.
Orte, an denen man funktionieren muss. Rollen, die man übernommen hat, ohne sie je bewusst gewählt zu haben.
Erwartungen, die sich anfühlen wie Glatteis. Und dann wundern wir uns, dass alles Kraft kostet. Dass wir vorsichtig werden. Langsam. Angespannt.
Dabei heißt das nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt. Vielleicht watscheln wir gerade nur dort, wo wir nicht hingehören. Nicht unser Element.
Das ist kein Aufruf, alles hinzuschmeißen. Kein „Du bist falsch, die Welt ist schuld“. Manchmal ist Eis einfach Eis –
und dann ist der Pinguin-Gang genau richtig. Aber manchmal finde ich es wichtig, ehrlich nach diesen „Wasser-Momenten“ zu schauen. Nicht als Flucht. Nicht als Ausrede. Sondern als ne Art Standortbestimmung.
Jesus sagt einmal: „Kommt zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen; ich will euch Ruhe geben. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ – Matthäus 11,28–30
Eine Einladung zur Entlastung.
Frag Dich im Laufe des Tages mal:
Wo fühle ich mich unbeschwert?
Womit geht es mir richtig gut?
Bei wem kann ich sein, wie ich bin?
Vielleicht helfen Dir die Antworten Dein “Element” zu finden.
Nicht alles im Leben ist Wasser. Manches bleibt Eis. Und dann ist Vorsicht klug. Aber vielleicht dürfen wir trotzdem lernen, uns selbst nicht nur auf dem Eis zu beurteilen – sondern die Wasser-Momente dankbar wahrzunehmen. Als Hinweis auf das, was möglich ist. Durch den, der uns geschaffen hat.
Mandy
