Was wir (über)sehen …?!
Kaum wird ein Fall öffentlich, kaum schauen viele hin, kommt er.
Dieser Satz.
„Und die ganzen anderen Fälle? Die seht ihr nicht.“
Und ich verstehe das. Wirklich.
Weil ja – es gibt so viel, was nie sichtbar wird. So viele Geschichten, die niemand hört. So viele Menschen, die still leiden. Ohne Schlagzeile. Ohne Aufmerksamkeit. Ohne Demo.
Und das tut weh. 💔
Aber ich frage mich: Warum fühlt es sich oft so an, als müsste man das eine klein machen, um auf das andere aufmerksam zu machen? Als wäre Mitgefühl begrenzt. Als müssten wir auswählen, was uns berühren darf.
Vielleicht ist das Problem nicht, dass wir hinschauen. Sondern dass wir oft nur dann hinschauen, wenn es laut wird. Wenn etwas durch die Medien geht. Wenn viele darüber sprechen.
Dann bewegt es uns. Dann reagieren wir. Und ja – das ist menschlich.
Aber vielleicht dürfen wir weitergehen. Nicht nur aufspringen, wenn eine Welle kommt. Sondern lernen,
auch das Leise wahrzunehmen. Das, was kaum Aufmerksamkeit bekommt. Und gleichzeitig: Das Sichtbare nicht kleinreden.
Denn jedes einzelne Leid verdient es, gesehen zu werden.
Nicht im Vergleich. Nicht im Wettbewerb.
Sondern für sich.
Es geht nicht darum, alles gleichzeitig zu sehen. Das können wir nicht. Wir sind begrenzt. In dem, was wir wahrnehmen. In dem, was wir tragen können. Aber wir sind nicht machtlos in dem, wie wir damit umgehen.
Ich finde, die Frage ist nicht, ob wir alles sehen. Sondern was wir tun mit dem, was wir sehen.
Ob wir es ernst nehmen. Oder relativieren.
Ob wir hinschauen. Oder schnell weitergehen.
Ob wir Mitgefühl zulassen. Oder uns innerlich schützen, indem wir vergleichen.
„Es gibt ja noch Schlimmeres.“
Vielleicht stimmt das sogar.
Aber es hilft dem einen Menschen nicht, dessen Leid gerade vor uns liegt.
Und genau das ist der Punkt: Wir müssen nicht alles tragen.
Aber wir sollten das, was uns begegnet, nicht klein machen. Nicht wegdiskutieren. Nicht in Konkurrenz setzen. Sondern würdigen. Einfach, weil es da ist.
Ich glaube, das liegt nah an dem, was Jesus meint:
„Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ – Matthäus 5,7
Ich wünsche Dir eine gute erste Frühlingswoche.
Mandy