Was ihr nicht seht: Hate im Netz

Liebe Menschen, die öffentlich etwas von sich teilen.

Blogger. YouTuber. Podcaster. Streamer. Autoren. Journalisten. Content Creator – wie auch immer wir heute heißen. 🙂

Ich bin Mandy. Seit 2009 blogge ich beinahe täglich über Glauben, Gott und Jesus – über die Bibel, über Menschen und die vielen Fragen dazwischen.

Ich habe keine riesige Bühne.

Aber ich schreibe öffentlich. Und wenn man das über viele Jahre tut, kommen eben sehr viele Begegnungen zusammen.

Andere von euch sprechen über Politik, Feminismus, Migration, Sexualität, Identität, Klima, Krieg, Erziehung, Persönliches, psychische Gesundheit oder gesellschaftliche Konflikte.

Je näher ein Thema an Überzeugungen und Identität kommt, desto emotionaler kann Widerspruch werden.

Deshalb möchte ich heute meine Tür einen Spaltbreit öffnen.

Nicht, weil ich Mitleid möchte. Sondern weil Menschen, die schon länger öffentlich arbeiten, vermutlich ziemlich genau wissen, was hinter dieser Tür liegt. Und Menschen, die gerade erst anfangen, es vielleicht wissen sollten.

Bei mir findet weit über 90 Prozent dessen, was wirklich unter die Gürtellinie geht, nicht öffentlich statt.

Per Mail. WhatsApp. Privatnachricht.

Manches ist plump. Manches beleidigend. Manches erstaunlich freundlich formuliert und trotzdem darauf ausgerichtet, mich zu verunsichern.

Gerade beim Glauben begegnet mir dabei etwas Merkwürdiges: Menschen, die anders glauben als ich, sehen in mir irgendwann nicht mehr nur eine Frau, die zu anderen Schlüssen kommt.

Manche machen mich zu einer Gegnerin.

Ich sei auf dem falschen Weg. Würde Menschen verführen. Die Bibel verdrehen. Man müsse vor mir warnen.

Und wenn ein Mensch erst einmal zum Gegner geworden ist, verändert sich offenbar auch die innere Erlaubnis, wie man mit ihm umgehen darf.

Das finde ich bis heute bemerkenswert.

Denn eigentlich beginnt vieles ganz normal: Jemand liest einen Text, sieht ein Video, hört eine Podcastfolge und denkt: Das sehe ich völlig anders.

Daran ist überhaupt nichts falsch.

Aber manchmal bleibt es nicht bei der Sache.

Dann wird aus:

„Ich halte deinen Gedanken für falsch.“

irgendwann:

„Mit dir stimmt was nicht.“

Dann wird geschrieben. Immer wieder.

Es wird gewarnt. Bewertet. Es werden Zweifel gesät.

Und irgendwann geht es gar nicht mehr darum, sich mit einem Gedanken auseinanderzusetzen.

Sondern darum, den Menschen dahinter zu treffen.

Gerade bei Themen wie Glaube oder Politik passiert das schnell.

Weil wir unsere Überzeugungen nicht einfach nur haben. Wir bauen manchmal ein Stück unserer Identität darauf.

Wenn jemand öffentlich etwas sagt, das dieser Überzeugung widerspricht, fühlt es sich für manche offenbar nicht nur wie eine andere Meinung an.

Sondern fast wie ein Angriff auf das eigene Weltbild.

Vielleicht erklärt das auch, warum manche Menschen erstaunlich viel Zeit und Energie in jemanden investieren, den sie angeblich überhaupt nicht mögen.

Sie lesen trotzdem weiter. Hören weiter. Schauen weiter. Reagieren weiter.

Nicht immer, weil sie verstehen wollen.

Manchmal geht es eher darum, den eigenen Standpunkt immer wieder zu bestätigen:

Ich bin richtig. Du bist falsch.

Und wenn der andere irgendwann reagiert, hat man ihn wenigstens erreicht.

Ich habe über die Jahre auch Nachrichten bekommen, die weit darüber hinausgingen.

Menschen schrieben, sie wüssten, wo ich wohne. Wo ich unterwegs bin. Wo ich laufen gehe. 

Und da hört für mich irgendwann „Internet halt“ auf.

Ich habe vieles davon damals nicht dokumentiert.

Ich habe gelöscht. Weitergemacht. Mir gesagt: Nicht noch mehr Raum geben.

Heute würde ich das anders machen.

Und genau deshalb schreibe ich diesen Text.

Nicht nur für mich.

Sondern für Menschen, die öffentlich arbeiten und irgendwann anfangen zu denken:

Ach, das gehört halt dazu.

Nein.

Widerspruch gehört dazu. Kritik gehört dazu. Auch harte Kritik.

Aber Drohungen, Einschüchterung und gezielte persönliche Angriffe sind etwas anderes.

Wenn Grenzen überschritten werden, dokumentiert es.

Screenshots. Namen. Nummern. Mailadressen. Datum. Uhrzeit. Zusammenhänge.

Sichert es.

Nicht aus Rache.

Sondern weil ihr später vielleicht froh seid, wenn ihr etwas in der Hand habt.

Und weil Menschen verstehen müssen:

Auch digitales Handeln hat Konsequenzen.

Wer öffentlich etwas von sich teilt, gibt damit nicht seine Grenzen ab.

Vielleicht klingt das für Menschen, die nicht öffentlich arbeiten, erst einmal ziemlich hart.

Aber 17 Jahre sind auch eine lange Zeit.

Da sammelt sich einiges.

Und deshalb ist mir eines wichtig:

Der allergrößte Teil der Rückmeldungen, die ich bekomme, ist gut.

Wertschätzend. Herzlich. Ermutigend.

Menschen schreiben, dass Texte helfen. Dass sie sich wiederfinden. Dass sie anders über etwas nachdenken.

Und genau deshalb mache ich das seit so vielen Jahren. ❤️

Trotzdem bleibt manchmal ausgerechnet die eine Nachricht hängen, die trifft.

Das ist vermutlich ziemlich menschlich.

Darum vielleicht nur das:

Vergiss bei all dem Guten die Grenzen nicht.

Und lass niemanden glauben, er dürfe sie folgenlos überschreiten.

Segenregen.
Mandy