Was Du nicht geworden bist
Manchmal vermissen wir Menschen.
Und manchmal vermissen wir ein Leben, das niemals stattgefunden hat.
Den Beruf, den wir einmal wollten.
Die Liebe, von der wir dachten, sie würde bleiben.
Das Zuhause, das wir längst vor uns gesehen hatten.
Die Version von uns, die mutiger, erfolgreicher oder glücklicher werden sollte.
Für dieses Vermissen gibt es weder ein Grab noch eine Beerdigung.
Noch nicht mal ein passendes Wort.
Nur dieses leise: Eigentlich dachte ich, mein Leben würde anders werden.
Vielleicht begegnet uns dieses andere Leben manchmal noch. Wenn wir jemanden sehen, der dort angekommen zu sein scheint, wo wir selbst einmal hinwollten.
Dann beginnt es im Kopf:
Wenn ich damals geblieben wäre.
Wenn ich gegangen wäre.
Wenn ich früher begonnen hätte.
Wenn mir manches nicht passiert wäre.
Ich kenne solche Gedanken. Ich kann mir rückwärts ganze Lebensläufe ausdenken. In ihnen bin ich mutiger. Treffe rechtzeitig die richtigen Entscheidungen. Verpasse keine Gelegenheit und erkenne natürlich jeden falschen Menschen sofort. 😉
Das ungelebte Leben hat nämlich einen entscheidenden Vorteil: Es musste niemals wirklich gelebt werden.
Es kennt keine müden Tage, keine Rechnungen, keine Streitigkeiten und keine Zweifel. Keine Entscheidung hatte dort ungeahnte Folgen. In unserer Vorstellung darf dieses Leben vollkommen bleiben.
Wir vergleichen das, was hätte sein können, mit allem, was tatsächlich gewesen ist. Ein ziemlich unfairer Vergleich.
Denn das Heute kann ihn kaum gewinnen.
Vielleicht darfst Du trotzdem um das andere Leben trauern. Nicht, weil Dein heutiges Leben nichts wert wäre. Sondern weil auch ungelebte Möglichkeiten einmal einen Platz in Deinem Herzen hatten.
In Psalm 56 ist David auf der Flucht. Er hat Angst. Menschen verfolgen ihn, und sein Leben ist ganz sicher nicht dort angekommen, wo er es sich einmal vorgestellt hatte.
Er bittet Gott nicht um eine schnelle Erklärung. Er sagt:
„Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie.“
Mag ich.
Vielleicht, weil ich bei Tränen zuerst an sichtbare Verluste denke. An das, was wirklich da war und dann nicht mehr.
Aber vielleicht sammelt Gott auch die Tränen, für die ich selbst kaum Worte finde.
Die um eine Möglichkeit.
Um ein Früher.
Um ein Beinahe.
Um den Menschen, der ich gern geworden wäre.
Ich muss keine davon begründen, damit Gott sie sieht.
Und vielleicht bedeutet Frieden für mich nicht, irgendwann zu behaupten, alles hätte genauso kommen müssen.
Vielleicht heißt Frieden nur: Ich darf betrauern, wer ich nicht geworden bin – ohne dabei zu übersehen, wer ich geworden bin.
Hier.
Heute.
In diesem zerknitterten, unperfekten, wirklichen Leben. ❤️
Oh happy Day!
Deine Mandy

19. August 2026 @ 6:20
Guten Morgen, ihr lieben da draußen.
hätte……
wäre…..
könnte……
Zu mir hat letztens einer gesagt, wenn das alles so gekommen wäre wie ich mir es vorgestellt habe. Dann wäre ich nicht der Mensch geworden, der ich heute bin.
Stellt Euch das mal vor…..
Mein Leben war nicht gerade geprägt von schönen Dingen.
Doch was letztendlich daraus geworden ist, daß macht mich heute zu den Menschen der ich bin.
Dankbarkeit,
Zufriedenheit,
und Glaube an das Gute mit Gottes Hilfe jeden Tag.
Liebe Grüße Bärbl
19. August 2026 @ 8:16
Danke Mandy! ❤️