Waldrama
Da draußen in der Lübecker Bucht liegt ein Wal.
Zu groß. Zu schwer. Am falschen Ort.
Er kämpft sich frei. Kommt wieder ins Wasser.
Und dann… steckt er wieder fest. Auf der nächsten Sandbank.
Ich schau seit einer Woche immer mal in den Livestream.
Lese Kommentare. Höre Meeresbiologen.
Alle rätseln.
Und zwischendurch dieser Gedanke: Stell Dir mal vor… da würde plötzlich ein Mensch rauskommen.
Wie in dieser alten Geschichte. Von Jona.
Du weißt schon – die wir unseren Kindern seit Jahrhunderten erzählen.
Weil sie in so ziemlich jeder Kinderbibel steht.
Warum eigentlich?
Ganz ehrlich… das ergibt doch keinen Sinn.
Kein Platz zum Atmen.
Magensäure.
Druck. Dunkelheit.
Ein Mensch würde das nicht überleben.
„Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ – Klar.
Aber ganz ehrlich – wie man es dreht und wendet, das bleibt schon eine ziemlich wilde Geschichte.
Und trotzdem… zeigt sie etwas, was wir alle kennen.
Dieses Gefühl, verschluckt zu sein.
Von Umständen.
Von Gedanken.
Von Dingen, die größer sind als wir.
Eng.
Dunkel.
Kein Ausweg in Sicht.
Und genau da drin passiert bei Jona etwas Merkwürdiges: Er kämpft nicht.
Ich mein… rein logisch? Die Speiseröhre wieder hochklettern? Oder den anderen Weg nehmen…? 🙈
Er versucht scheinbar gar nichts, um da rauszukommen.
Er wird still. Sitzt da. Irgendwo im Dunkeln.
Und sagt: „Aus meiner Not rief ich zu Gott, und er antwortete mir.“ – Jona 2,3
Der betet da drin!
Vielleicht sollten wir uns gar nicht nur fragen, ob das Ganze überhaupt möglich ist – ein Mensch im Bauch eines Wals. Sondern: Dass ein Mensch in der absurdesten Situation überhaupt, in tiefster Dunkelheit, sich an Gott wendet. 🐋
Und weißt Du, was dann passiert?
Gott diskutiert nicht. Er hält ihm keinen Vortrag. Er sagt nicht: „Hab ich Dir doch gesagt.“
Der Fisch spuckt ihn wieder aus. Zurück ins Leben. Zurück an Land. Zurück in eine zweite Chance.
Und genau das ist vielleicht der eigentliche Punkt dieser Geschichte: Nicht, dass alles logisch ist. Sondern, dass es weitergeht. Selbst nach dem Weglaufen. Selbst nach dem Feststecken. Selbst nach dem Tiefpunkt.
Dass Du nicht da drin bleibst. Nicht für immer.
Und wir schauen gerade auf diesen Wal. 🐋
Wie er kämpft. Wie er festliegt. Wie er sich wieder bewegt. Und doch noch nicht frei ist.
Wir hoffen. Dass er es schafft. Zurück ins tiefe Wasser. 🌊 Dorthin, wo er hingehört. Und vielleicht… ist genau das auch unsere Hoffnung. Dass wir rauskommen. Aus dem, was uns gerade festhält.
Richtung Leben.
Ich wünsch diesem Wal so sehr, dass er es schafft. Und Dir auch.
Denn vielleicht… ist auch eine Geschichte noch nicht zu Ende.
Viel Erfolg für diese Woche!
Mandy