Vielleicht war es trotzdem Liebe
Manche Menschen haben uns geliebt.
Vielleicht tun sie es noch.
Nur nicht so, wie wir es gebraucht hätten.
Vielleicht kennst Du das.
Sie haben bezahlt, organisiert und sich gekümmert. Vielleicht stand immer etwas zu essen auf dem Tisch, aber kaum jemand fragte, wie es Dir eigentlich ging.
Vielleicht hielten sie Sorge für Liebe.
Kontrolle für Nähe. Festhalten für Schutz.
Oder Schweigen für Frieden.
Und irgendwann sitzt man da und versucht herauszufinden, welcher Satz nun stimmt:
Ich wurde geliebt.
Oder:
Mir hat Liebe gefehlt.
Vielleicht stimmt beides.
Vielleicht war da Liebe – aber sie konnte Dich nicht erreichen.
Weil Menschen oft nur in der Sprache lieben können, die sie selbst gelernt haben.
Wer nie getröstet wurde, findet später womöglich keine Worte für die Tränen eines anderen.
Wer Zärtlichkeit nicht kennt, zeigt seine Liebe vielleicht dadurch, dass er ungefragt die Winterreifen wechselt.
Und wer gelernt hat, dass Gefühle gefährlich sind, wechselt das Thema, sobald es persönlich wird.
Nicht unbedingt, weil es ihm gleichgültig ist.
Vielleicht gerade, weil es ihm nicht gleichgültig ist – und Nähe etwas in ihm berührt, wofür ihm bis heute die Worte fehlen.
Die Bibel sagt: „Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat.“ – 1. Johannes 4,19
Ich glaube, darin steckt auch etwas sehr Menschliches.
Liebe entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Sie wird erfahrbar, weil jemand bleibt. Zuhört. Hält, ohne festzuhalten.
Aber was lernt ein Mensch, der Liebe selbst nur als Sorge, Pflicht oder Kontrolle erfahren hat?
Vielleicht gibt er später weiter, was er kennt. Ein bisschen Fürsorge. Viel Angst. Einige Regeln. Praktische Hilfe.
Und das, was ihm selbst gefehlt hat, fehlt womöglich irgendwann auch den Menschen, die ihm nahestehen.
Das erklärt, woher manches kommt.
Aber es ändert nichts an dem, was es in Dir hinterlassen hat.
Eine schwere Kindheit ist kein Freifahrtschein, anderen weh zu tun. Gute Absichten machen die entstandenen Verletzungen nicht kleiner. Und der Satz „Er konnte es eben nicht besser“ tröstet nur begrenzt, wenn Du noch Jahre später mit den Folgen zurechtkommen musst.
Und trotzdem musst Du vielleicht gar nicht entscheiden, ob es Liebe war oder nicht.
Ich denke, beides kann nebeneinanderstehen.
Der Blick auf das, was jemand gegeben hat.
Und die Trauer über das, was trotzdem gefehlt hat.
Die gewechselten Winterreifen waren vielleicht Liebe.
Aber sie waren eben keine Umarmung.
Verstehen bedeutet für mich nicht automatisch, etwas in Ordnung zu finden.
Und vielleicht muss eine Geschichte auch nicht nachträglich schöner erzählt werden, nur damit sie für andere leichter auszuhalten ist.
Vielleicht war es trotzdem Liebe.
Eine unbeholfene. Eine verwundete.
Eine Liebe, die selbst voller Angst und unerfüllter Sehnsucht war.
Die Liebe macht die Verletzung nicht kleiner.
Und die Verletzung bedeutet nicht automatisch, dass keine Liebe da war.
Vielleicht lässt sich nicht alles in gut oder schlecht sortieren.
Es war Liebe.
Und es hat trotzdem wehgetan.
Punkt.
Segenregen.
Tschüss,
genieße den Tag!
Deine Mandy

26. August 2026 @ 5:21
Liebe Mandy, dein Text heute hat wie so oft voll ins Schwarze getroffen. Wofür ich schwer Worte finden kann, kleidest du mein Innenleben in einen Text. Manchmal denke ich, Du kennst mich. DANKE für dein Seelenfutter.
Sei gesegnet & bleib behütet!
Herzlichst
Kristin
26. August 2026 @ 5:21
Liebe Mandy, dein Text heute hat wie so oft voll ins Schwarze getroffen. Wofür ich schwer Worte finden kann, kleidest du mein Innenleben in einen Text. Manchmal denke ich, Du kennst mich. DANKE für dein Seelenfutter.
Sei gesegnet & bleib behütet!
Herzlichst
Kristin
26. August 2026 @ 6:48
Liebe Mandy,
heute habe ich etwas verstanden, wo ich seit 34 Jahren Ehe gesucht habe. Warum ist er so praktisch und weniger emotional? Warum berühren ihn meine Tränen nicht? Warum wechselt er das Thema oder hüllt sich ins Schweigen, wenn es persönlich wird?
Die Liebe Gottes in mir da ein unglaublicher Trost. Und je älter ich werde, darf und kann ich mit gnädig sein, mehr die Bedürfnisse des anderen sehen und dankbar sein, für das Kleine, das ich früher nicht gesehen haben.
Vielen Dank, liebe Mandy! Ich bin sehr berührt
26. August 2026 @ 6:52
Vielen lieben Dank, das ist die Geschichte von Corinna und Thilo, unsere Geschichte…
Wir brauchen Gebet und Jesus in unserem Haus und Hof und Herz.
26. August 2026 @ 7:53
Liebe Mandy,
das hast du so treffsicher zusammen gefasst. Genau mit diesem Thema kämpfe ich auch immer wieder. Wenn mir das mal so vor Augen geführt wird, dann sehe ich wieder einmal klarer. Hinter jedem Verhalten steht eine Geschichte, die man von Aussen nicht sofort erkennen kann.
26. August 2026 @ 13:23
Liebe Mandy, an Deinen folgenden Worten bin ich hängen geblieben:
„…Liebe entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Sie wird erfahrbar, weil jemand bleibt. Zuhört. Hält, ohne festzuhalten…“
…
Und da kam mir die „Erleuchtung“…
Genau das ist es…
Es gibt eine Aussage von einem christlichen Philosophen:
„Einen Menschen muss man zuerst kennen, um ihn dann lieben zu lernen. Gott muss man (zuvor) lieben, um ihn dann auch kennen zu lernen.“
Und das bestätigt Deine Worte:
Liebe entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Sie wird erfahrbar, weil jemand bleibt. Zuhört. Hält, ohne festzuhalten.
Gott bleibt, ER hört zu… Und er hält, ohne festzuhalten…
Diesen Gott „muss“ man (deswegen) lieben…
…dann lernt man IHN kennen.
DANKE liebe Mandy,
Bleib weiterhin gesegnet
GLG aus Niederbayern
26. August 2026 @ 13:51
Vielen Dank liebe Mandy. Mein Mann und ich waren viele Jahre in der Ehearbeit tätig, dort sind wir auf das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“ gestoßen. Wir haben es für uns und andere entdeckt und es war sehr hilfreich. Vielleicht möchte jemand das heutige Seelenfutter noch vertiefen, ich kann das Buch sehr empfehlen. Grüße von Monika
26. August 2026 @ 17:15
Liebe Mandy, ein total schwere Text und man muss ihn mehrmals lesen und damit klar zu kommen….. Und trotzdem ist er so richtig… Danke und Gottes Segen für dich
Sabine
27. August 2026 @ 6:30
Liebe Mandy,
danke für diesen Schlüssel.
Ich möchte gerne meiner Mutter deinen Text abschreiben. Sie ist 101 Jahre alt
Ich muss mich selbst schützen,möchte Sie aber auch nicht verletzen in Ihrem letzten Weg. Dein Text ist nicht verletzend…ich selbst kann keine Worte finden und die Zeit ist sehr begrenzt .Ich hoffe es ist in Ordnung Alles liebe für Dich
Du gibst sehr viel Danke Christina