Sind Pinguine wirklich treu?
Man hört ja oft: Pinguine sind treu. 🐧
Und ich dachte: Perfektes Thema für den Abschluss dieser Woche.
Treue.
Bleiben.
Füreinander da sein.
Dann habe ich genauer gelesen – und festgestellt:
So ganz lebenslang ist das mit der Pinguin-Treue gar nicht immer.
Viele Arten sind saisonal monogam.
Für eine Brutsaison ein Paar.
Gemeinsam brüten.
Sich abwechseln.
Sich vertrauen.
Und wenn beide im nächsten Jahr wieder rechtzeitig am gleichen Ort sind, finden sie sich oft wieder.
Aber nicht automatisch. Nicht um jeden Preis.
Das klingt erst einmal weniger romantisch.
Und ich dachte kurz: Vielleicht doch lieber ein anderes Thema.
Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir:
Vielleicht liegt genau darin die erwachsene Form von Treue.
Denn Pinguin-Treue ist keine Märchen-Treue.
Sie ist Zusammenarbeit unter extremen Bedingungen.
Minusgrade. ❄️
Hunger.
Eisiger Wind.
Ein Ei auf den Füßen.
Wochenlang.
Abwechselnd.
Damit Leben geschützt wird.
Sie bleiben nicht, weil es sich schön anfühlt. Sie bleiben, weil es sinnvoll ist.
Ob Pinguine sich „lieben“? Im menschlichen Sinn vermutlich nicht.
Sie empfinden auch keine Verantwortung wie wir. Sie handeln aus Instinkt.
Aus Bruttrieb. Aus einem Muster, das sich bewährt hat.
Sie bleiben, weil ihr Organismus darauf ausgerichtet ist.
Und genau hier liegt der Unterschied: Was bei Pinguinen Instinkt ist, ist bei uns Entscheidung.
Wir können bleiben. Oder gehen.
Wir können Verantwortung übernehmen. Oder uns entziehen.
Treue ist kein Programm. Sie ist Haltung.
Nicht automatisch. Nicht selbstverständlich. Sondern bewusst.
Die Bibel beschreibt Liebe nicht zuerst als Gefühl, sondern als Haltung – als etwas, das trägt, auch wenn es schwierig wird: „Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie hält allem stand.“ – 1. Korinther 13,7 📖
Und doch verspricht man sich oft: „Für immer, egal was kommt.“
Leicht gesagt. Schwer gelebt.
Ich glaube an lebenslange Treue. Ich wünsche sie mir. Ich halte sie für möglich.
Und doch leben wir in einer Zeit, in der vieles fragiler geworden ist.
Biografien brüchiger. Belastungen komplexer. Geduld dünner.
Manchmal scheitert Treue nicht am fehlenden Wollen, sondern an Überforderung.
An Verletzungen. An Umständen, die größer sind als zwei Menschen.
Und vielleicht beginnt Treue deshalb nicht mit großen Versprechen, sondern mit einer kleinen, bewussten Entscheidung: Ich bleibe heute. Ich übernehme meinen Teil. Ich gehe nicht leichtfertig.
Nicht beim ersten Gegenwind.
Nicht beim ersten Zweifel.
Nicht bei der ersten Müdigkeit.
Treue ist nicht, nie zu gehen.
Treue ist, nicht leichtfertig zu gehen.
Treue ist übernommene Verantwortung.
🤍
Hab ein schönes Wochenende!
Mandy
🐧 Themenwoche der Pinguine im SeelenFutter
Rückblick auf die Woche – hier findest Du alle SeelenFutter dazu.
Weil diese unscheinbaren Vögel mehr über Mut, Gemeinschaft und Durchhalten erzählen, als man auf den ersten Blick ahnt.