Bildrechte: Wenn Mitgefühl teuer wird
Ihr Lieben,
ich nehm Euch heute mal mit in etwas, das mich die letzten Wochen ziemlich beschäftigt hat.
Kleiner Rückblick 2024 – vielleicht erinnert Ihr Euch:
Der kleine Arian, 6 Jahre alt, verschwindet in Bremervörde. Ein autistischer Junge. Ein Kind, das nicht einfach auf Zurufe reagiert, das sich kaum bemerkbar machen kann. Das vermutlich Angst hat. Er läuft einfach los. Und dann ist er weg. Tage, Wochen voller Suche. Ein ganzes Gebiet wird durchkämmt. Hunderte, später tausende Menschen helfen.
Und dann diese besondere Idee: Luftballons.
Bunte, große Ballons werden steigen gelassen, weil man wusste: Arian mochte sie. Man hoffte, dass sie ihn anziehen. Dass er ihnen folgt. Dass sie ihn zurückführen. Zurück nach Hause.
Von diesem Ballons habe ich ein Foto geteilt. Um mein Mitgefühl auszudrücken … Wir haben so gehofft und gebetet in diesen Tagen, dass der kleine Arian zurück zu seinen Eltern findet.
Dann der Fall in Mannheim.
Der Polizist Rouven Laur, 29 Jahre alt.
Er greift ein, als Menschen von einem feigen Attentäter angegriffen werden – und bezahlt dafür mit seinem Leben. An dem Platz, an dem es geschah: Kerzen. Blumen. Ein Ort, der plötzlich ganz still wird.
Mannheim… mit der Stadt verbinde ich viel. Ich habe da viele Jahre meines Lebens verbracht.
Und an genau diesem Ort, an dem Rouven sein Leben verloren hat, bin ich schon so oft vorbeigegangen.
Deshalb hab ich auch davon ein Foto geteilt. Von den Kerzen, die Menschen dort hingestellt haben.
Zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Aber beide haben viele Menschen berührt. Mich auch.
Und ich hab – wie so oft – Bilder dazu geteilt. Meine Worte dazu geschrieben. Weil ich Anteil nehmen wollte. Weil ich nicht einfach drüber hinwegscrollen wollte. Und vielleicht auch, weil ich in dem Moment ein bisschen zu leichtsinnig war.
Ich habe diese Bilder nicht auf meiner Webseite geteilt, sondern ausschließlich auf Facebook.
Und dann… Jahre später. März 2026.
Post. Abmahnung. Mehr als 4000 € …
Weil ich Bilder verwendet habe, für die ich keine ausreichenden Rechte hatte.
Klar, ich wollte Mitgefühl zeigen. Nicht irgendwas klauen. Aber das Internet funktioniert halt anders. Da zählt am Ende nicht, was du gemeint hast – sondern was du gemacht hast. Und ja… ich habe Fehler gemacht. Bilder genutzt, die nicht lizenzfrei waren. Mir in dem Moment zu wenig Gedanken darüber gemacht.
Ich bin seit 2009 hier online. Und sowas ist mir leider nicht zum ersten Mal passiert.
Einmal habe ich ein Bild aus einer Bilddatenbank verwendet, von dem ich dachte, ich darf es nutzen – und habe ein Zitat drauf geschrieben. Ich hätte es verwenden dürfen. Aber nicht verändern. Ich habe den Hinweis „eingeschränkte Bearbeitungsrechte“ nicht ernst genug genommen.
Das war ebenfalls eine teure Geschichte.
Ich poste jeden Tag Texte und Bilder. Achte eigentlich sehr genau darauf, dass ich sie verwenden darf. Und trotzdem passiert es. Deshalb habe ich irgendwann vorgesorgt und eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen.
Aber auch das lief anders als gedacht. Erst komplette Ablehnung. Und ich stand da und dachte: Okay… das wird jetzt richtig teuer. Nach erneuter Prüfung meinerseits übernehmen sie jetzt zumindest die Hälfte.
Und ja – dafür bin ich echt dankbar.
Der Anwalt, den sie mir vermittelt haben… ich sag’s mal vorsichtig: Das war nicht die Unterstützung,
die ich mir erhofft hatte. Am Ende hatte ich eher das Gefühl, ich muss mich da alleine durchkämpfen.
Und der Kampf ist noch nicht vorbei.
Ganz ehrlich – rund um Ostern hätte ich mir auch was anderes vorstellen können.
Und ja… ich kämpfe auch mit mir selbst. Weil ich natürlich denke: Hättest du doch einfach besser aufgepasst. Ist schließlich mein Business… arrgh.
Und vielleicht schreibe ich das alles auch, weil ich gemerkt habe, wie schnell das passiert.
Dass man etwas sieht, was einen berührt. Ein Bild. Eine Geschichte. Ein Moment, der unter die Haut geht. Und dann handelt man. Man teilt es. Weil man Anteil nehmen will. Weil man zeigen will: Das ist nicht egal.
Vielleicht sogar, weil man andere ermutigen will, zu beten, mitzufühlen, hinzuschauen.
Und genau da passiert es. Dass das Herz schneller ist als der Kopf. Dass das Gefühl zuerst reagiert – und nicht die Frage: Darf ich das eigentlich?
Und ich will hier gar nicht den Zeigefinger heben. Ich versteh das ja selbst. Diese Bilder… die lösen etwas aus. Und man möchte einfach nicht kalt bleiben.
Aber ich hab auf die harte Tour gelernt: Das Internet ist kein geschützter Raum für gute Absichten. Es unterscheidet nicht zwischen „gut gemeint“ und „nicht erlaubt“.
Deshalb vielleicht einfach das, was ich selbst gerade lerne: Einmal mehr hinschauen. Einmal mehr prüfen. Vielleicht passt Du einfach ein bisschen besser auf als ich. Weil es einen Jahre später wieder einholen kann …

30. März 2026 @ 22:02
Oh, man, daß tut mir mega leid! Wünsche dir die nötige Gelassenheit damit umzugehen. Lass dich nicht entmutigen!!!
30. März 2026 @ 22:03
Danke Ute, ja die kann ich gut gebrauchen. Das ist schon mal harter Tobak gewesen.
30. März 2026 @ 22:37
Ganz ehrlich, die Welt braucht mehr solche Menschen, die nicht wegschauen, die das Herz auf der Zunge haben (bzw auf der Tastatur). Es tut weh im Geldbeutel, aber lass dich nicht entmutigen, wie Ute schon sagt! Ich wünsche dir gesegnete, stressfreie Ostern! Der Herr Jesus gebe dir trotzdem ein Herz voller Frieden und Freude!