Gibt es Dämonen?
Guten Morgen.
Kaffee schon fertig? ☕️
Gut.
Dann können wir jetzt über Dämonen sprechen.
Montagmorgen, kurz nach sieben. Andere beginnen die Woche mit einem Motivationsspruch.
Wir nehmen heute Besessenheit und böse Geister.
Man gönnt sich ja sonst nichts. 😬
Aber tatsächlich beschäftigt mich diese Frage: Gibt es Dämonen wirklich?
Denn sie stehen nun mal in der Bibel.
Besonders in den Geschichten über Jesus tauchen sie auf.
Sie sprechen. Sie erkennen ihn.
Sie scheinen Menschen beherrschen und quälen zu können.
Und Jesus befiehlt ihnen, diese Menschen zu verlassen.
Eine der merkwürdigsten Geschichten wird gleich in mehreren Evangelien erzählt.
Jesus begegnet einem Mann, der zwischen Grabhöhlen lebt und von anderen längst aufgegeben wurde.
Er trägt keine Kleidung, schreit Tag und Nacht und verletzt sich selbst mit Steinen.
Die Menschen haben versucht, ihn mit Ketten zu fesseln. Doch er hat sie immer wieder zerrissen.
Die Ketten halten nicht.
Und zu ihm selbst scheint längst niemand mehr durchzudringen.
Jesus fragt: „Wie heißt du?“
Die Antwort lautet: „Legion heiße ich; denn wir sind viele.“ (Markus 5,9)
Eine Legion war damals eine große Einheit römischer Soldaten.
Mit anderen Worten: Hier spricht nicht nur einer, sondern offenbar eine ganze Armee von Dämonen.
Vielleicht ist das sogar das Verstörendste an dieser Geschichte: Jesus fragt nach einem Namen.
Doch als Antwort kommt nicht der Name des Mannes.
Es antwortet das, was ihn beherrscht.
Legion.
Als wäre von dem Menschen selbst kaum noch etwas übrig. Als hätte seine Qual nicht nur seinen Körper und sein Leben übernommen, sondern sogar seinen Namen.
Vielleicht beginnt das Böse genau dort: Wo ein Mensch hinter dem verschwindet, was ihn quält. Wo niemand mehr ihn sieht, sondern nur noch das Verstörende. Das Unberechenbare. Das, wovor alle Angst haben.
Jesus sieht ihn trotzdem.
Die Dämonen fahren später in eine Schweineherde, die sich daraufhin einen Abhang hinunterstürzt.
Und spätestens hier hilft auch der zweite Kaffee nicht mehr. ☕️
Was macht man mit so einer Geschichte?
Man könnte sagen: Damals wusste man noch nichts über Epilepsie, Psychosen, Traumafolgen oder dissoziative Zustände. Menschen erklärten sich Unerklärliches mit Dämonen.
Das ist möglich.
Aber ganz so leicht lässt die Bibel uns auch nicht davonkommen.
Denn manche Texte unterscheiden ausdrücklich zwischen Krankheiten und Dämonen. Sie erzählen nicht so, als handele es sich nur um ein Missverständnis.
Vielleicht existieren also tatsächlich Mächte, die wir weder sehen noch messen können.
Ich weiß es nicht.
Ich glaube an einen Gott, den ich nicht sehen kann.
Deshalb wäre es ziemlich überheblich, grundsätzlich auszuschließen, dass es noch andere Wirklichkeiten gibt, nur weil sie nicht in mein heutiges Weltbild passen.
Genauso gefährlich wäre es allerdings, hinter jeder psychischen Erkrankung einen Dämon zu vermuten.
Das ist leider nicht nur eine theoretische Warnung.
Bei sogenannten Befreiungsritualen wurden Menschen beschämt, festgehalten, angeschrien und gequält. Manche bekamen keine medizinische Hilfe, weil andere überzeugt waren, in ihnen einen Dämon erkannt zu haben.
Plötzlich sah niemand mehr den leidenden Menschen. Alle sahen nur noch das angeblich Böse in ihm.
Ausgerechnet im Namen dessen, der den Gequälten ihre Würde zurückgab.
Vielleicht ist deshalb nicht nur die Frage gefährlich, ob es Dämonen gibt.
Gefährlich wird es vor allem dann, wenn Menschen behaupten, ganz genau zu wissen, in wem sie stecken.
Denn das fällt mir an den Geschichten über Jesus auf: Er sucht nicht überall nach Dämonen.
Er macht kein Schauspiel daraus.
Er erklärt den betroffenen Menschen nicht zum Bösen.
Jesus sieht einen Menschen, der leidet.
Einen, vor dem alle anderen Angst haben.
Einen, den niemand mehr bei sich haben möchte.
Und am Ende sitzt derselbe Mann, der zuvor nackt und schreiend zwischen den Gräbern lebte, ruhig und bekleidet bei Jesus.
„Sie kamen zu Jesus und sahen den Besessenen […] bekleidet und vernünftig dasitzen.“
(Markus 5,15)
Was auch immer dort geschehen ist: Aus einem Menschen, vor dem alle Angst hatten, wird wieder jemand, der einfach ruhig dasitzt. Einer, der nicht länger den Mächten ausgeliefert ist, die ihn quälen.
Auffällig ist: Die Evangelien diskutieren gar nicht darüber, ob Dämonen existieren. Für sie scheint das keine Frage zu sein. Die entscheidende Frage lautet dort nicht: Gibt es diese Mächte?
Sondern: Dürfen sie einen Menschen für immer behalten?
Und die Antwort, die Jesus gibt, ist ziemlich eindeutig: Nein.
Vielleicht muss ich nicht jede unsichtbare Wirklichkeit erklären können.
Vielleicht genügt für heute die Hoffnung, dass nichts, was einen Menschen quält, stärker ist als die Liebe, mit der Jesus ihm begegnet. ❤️
Ob Dämonen tatsächlich existieren?
Ich weiß es nicht.
Aber falls es sie gibt, erzählt die Bibel nicht davon, um uns Angst vor ihnen zu machen.
Sondern um zu sagen: Auch sie haben nicht das letzte Wort.
Komm gut in diese neue Woche 😊
Bis morgen.
Mandy
