Die Erde ist keine Kulisse
In Nordrhein-Westfalen brennen Wälder.
Flammen zwischen Bäumen. Rauch über Dächern. Tiere, die fliehen. Menschen, die ihre Häuser verlassen müssen. Und andere, die alles daransetzen, das Feuer aufzuhalten. 🔥
Ihr Lieben, eigentlich geht es um mehr als um diese schlimmen Brände.
Es geht um die Art, wie wir auf die Erde schauen.
Oft behandeln wir sie wie eine Kulisse für unsere Geschichte.
Ein bisschen wie in der Truman Show. 🎬
Der Himmel als Decke unseres Bühnenbilds. Das Meer als hübsche Begrenzung. Die Sonne wird morgens angeschaltet.
Und wir?
Natürlich in der Hauptrolle.
Der Wald wird zum Naherholungsgebiet. Das Meer zum Urlaubsziel. Der Sonnenuntergang zum Fotomotiv.
Selbst dort, wo wir gar nicht vorkommen, beschreiben wir die Natur aus unserer Perspektive.
Wir nennen sie „unberührt“, wenn weit und breit kein Mensch zu sehen ist.
Dabei ist dieser Ort alles andere als unberührt.
Der Regen war längst da. Der Wind auch. Wurzeln haben sich durch die Erde geschlängelt. Pfoten haben Spuren hinterlassen, Vögel sind über ihn hinweggeflogen.
Und unter einem einzigen Stein lebt eine ganze kleine Welt: Asseln, Milben, Springschwänze, Pilze und Bakterien. Sie zersetzen altes Laub, bilden Humus und geben dem Boden zurück, was neues Leben braucht. 🌿
In einem einzigen Gramm Boden können Milliarden von Mikroorganismen leben.
Und wir nennen es oft einfach nur: Dreck.
Klug sind wir.
Und manchmal erstaunlich blind.
„Unberührt“ bedeutet eigentlich nur: noch nicht von uns berührt.
Aber hey, Mensch: Die Natur lebt.
Auch ohne uns.
Die Bibel beginnt nicht mit uns.
Sie beginnt mit Licht und Dunkelheit. Mit Wasser und Land. Mit Pflanzen, Bäumen, Fischen, Vögeln und Tieren.
Und Gott sieht all das an und nennt es gut.
Nicht erst, als der Mensch die Bühne betritt. Nicht erst, als es uns nützlich wird.
Es war schon vorher gut.
Verstehst Du?
Ein Wald ist nicht nur wertvoll, weil er uns Sauerstoff liefert.
Ein Tier nicht nur, weil wir es niedlich finden. Oder lieber essen.
Die Schöpfung hat einen Wert, der nicht von ihrem Nutzen für uns abhängt.
Weil sie lebt.
Weil sie gewollt ist.
Weil sie zu Gott gehört. 🌱
Der Mensch kommt ziemlich spät dazu. Und er bekommt die Erde nicht als Eigentum überreicht. Er wird in den Garten gesetzt, um ihn zu „bebauen und zu bewahren“.
Bewahren.
Nicht verbrauchen, bis nichts mehr übrig ist.
Paulus schreibt später: „Die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt vor Schmerz wie in Geburtswehen.“ – Römer 8,22
Die ganze Schöpfung.
Bei Paulus ist sie keine stumme Kulisse für eine Rettungsgeschichte, in der nur Menschen zählen.
Auch sie wartet.
Auch sie sehnt sich.
Auch sie gehört zu Gottes Hoffnung für diese Welt.
Vielleicht stehen wir der Natur gar nicht gegenüber.
Wir sind mittendrin.
Wir trinken ihr Wasser. Atmen ihren Sauerstoff. Leben von dem, was aus ihrem Boden wächst. Und ohne die Wärme und das Licht der Sonne gäbe es all das nicht.
Eines Tages wird auch unser eigener Körper wieder zu Erde.
Wir sind nicht nur auf der Erde.
Wir sind ein Teil von ihr. 🌍
Wer schon einmal ein Kind zur Welt gebracht oder eine Geburt begleitet hat, weiß: Mit den Geburtswehen beschönigt Paulus den Schmerz ganz sicher nicht. Aber in ihnen kämpft sich auch neues Leben ins Licht.
Die Schöpfung seufzt nicht hoffnungslos. Sie wartet darauf, dass Zerstörung und Tod nicht das letzte Wort behalten.
Und diese Hoffnung bedeutet nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen können.
Im Gegenteil.
Ich denke, was Gott liebt, sollte uns nicht gleichgültig sein.
Doch wenn ich ehrlich bin: Ich möchte, dass Dinge jederzeit verfügbar sind, wenig kosten und Bestellungen möglichst schon morgen ankommen. Ich kaufe Lebensmittel viel zu oft in Plastik, weil es praktisch ist. Ersetze manchmal etwas, weil Reparieren umständlicher wäre.
Ja, tut mir leid: Auch Eure SeelenFutter-Mandy ist keine Heilige. 😬
Nicht, weil mir die Erde egal ist. Sondern weil ich im Alltag oft vergesse, dass auch mein Leben Spuren hinterlässt.
Und manchmal bleiben diese Spuren nicht klein.
Irgendwo schnippt jemand achtlos eine Kippe ins trockene Gras.
Eine winzige Bewegung.
Ein kurzer Moment.
Bis aus einem Funken ein Feuer wird.
Nicht immer sind es die großen, bösen Entscheidungen.
Manchmal ist es Bequemlichkeit. Manchmal Gedankenlosigkeit.
Dieses kurze: Wird schon nichts passieren.
Es geht nicht darum, von jetzt an fehlerlos zu leben. Niemand von uns kann allein die Welt retten.
Und Schuldgefühle sind noch kein Umweltschutz.
Aber vielleicht beginnt Bewahren damit, dass wir wieder hinsehen.
Dass wir nicht nur erschrecken, wenn ein Wald brennt, sondern uns auch dann an ihn erinnern, wenn er still dasteht. 🌳
Vielleicht sind wir nicht die Hauptfiguren in einer Welt, die eigens für uns errichtet wurde.
Vielleicht sind wir Mitgeschöpfe.
Mit einer besonderen Verantwortung.
Die Erde ist keine Kulisse, die man austauschen kann, wenn sie beschädigt ist.
Sie ist unser Zuhause.
Und sie gehört nicht uns.
Sie ist uns anvertraut. ❤️🌍
Meine Gedanken sind besonders bei allen, die wegen der Brände ihre Häuser verlassen mussten oder sorgenvoll auf den Rauch am Himmel schauen.
Den Einsatzkräften wünsche ich Kraft, ausreichend Regen – und dass sie gesund zu ihren Familien und Freunden zurückkehren.
Und dem Wald?
Zeit.
Sehr viel Zeit, um wieder zu leben.
Kommt gut und ein kleines bisschen achtsamer durch diesen Tag.
Eure Mandy 👋
