Das würde ich niemals tun
Manchmal hören wir von einer Entscheidung und wissen innerhalb weniger Sekunden ganz genau, was wir davon halten.
Wir kennen die Überschrift. Vielleicht noch zwei, drei Einzelheiten. Schon steht unser Urteil.
„Also ich würde das niemals machen.“ 🙄
Ein ziemlich mutiger Satz für jemanden, der noch nie in genau dieser Situation gesteckt hat.
Von außen ist vieles klar.
Da bleibt jemand in einer Beziehung, die ihm nicht guttut.
Da trifft jemand eine Entscheidung, die man nicht versteht.
Da macht jemand plötzlich genau das, was er früher selbst kritisiert hat.
Und schnell ist das Urteil fertig.
Unvernünftig.
Widersprüchlich.
Doppelmoral.
Vielleicht stimmt das sogar manchmal.
Aber manchmal stimmt eben auch: Das Leben sieht von innen anders aus als von außen.
Von außen sieht man die Entscheidung.
Von innen gibt es vielleicht Angst. Sehnsucht. Einsamkeit. Überforderung. Eine lange Vorgeschichte, von der kaum jemand etwas weiß. 😔
Und plötzlich macht ein Mensch etwas, über das er früher ganz anders gedacht hat.
Vielleicht kennst Du das auch.
Eine Entscheidung in Deinem Leben, bei der Du heute sagen würdest: „Früher hätte ich darüber geurteilt.“
Oder: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal an diesen Punkt komme.“ 😶
Leben ist bekanntlich das, was passiert, während wir andere Pläne machen. Und manchmal bringt es nicht nur unsere Pläne durcheinander, sondern auch das, wovon wir immer überzeugt waren.
Dinge, bei denen wir früher vollkommen sicher waren, sehen heute plötzlich anders aus.
Vielleicht, weil wir inzwischen mehr wissen. Weil wir selbst erlebt haben, dass hinter einer Entscheidung oft mehr steckt, als man von außen sehen kann. Und weil einfache Antworten manchmal nur so lange eindeutig klingen, wie das Leben theoretisch bleibt.
Das kann auch beim Glauben passieren.
Ich glaube heute noch immer.
Aber anders.
Mit mehr Fragen. Mit weniger schnellen Antworten.
Ich bin vorsichtiger geworden, wenn jemand sehr genau zu wissen scheint, was Gott will. 🤔
Nicht, weil mir der Glaube weniger bedeutet.
Vielleicht eher, weil ich gemerkt habe, wie schnell aus Gewissheit Härte werden kann.
Jesus sagt in Matthäus 7,3:
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?“
Vielleicht steckt darin weniger eine fertige Glaubensregel als eine ziemlich unbequeme Beobachtung: Bei anderen sehen wir Widersprüche oft erstaunlich deutlich. Bei uns selbst kennen wir plötzlich alle Gründe.
Wir wissen, warum wir so gehandelt haben. Was uns gefehlt hat. Wovor wir Angst hatten. Wie lange wir gerungen haben.
Und wir hoffen, dass niemand nur auf diesen einen Moment schaut und daraus unser ganzes Wesen erklärt. 🫤
Vielleicht sollten wir deshalb vorsichtiger sein mit Sätzen wie: „Das würde ich niemals tun.“
Denn wir wissen nicht, welche unserer heutigen Gewissheiten das Leben noch auf die Probe stellen wird.
Manche Haltungen verändern sich, weil wir bequemer werden.
Andere, weil wir genauer hingesehen haben.
Und manchmal ist es gar nicht so leicht, den Unterschied zu erkennen.
Vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht so schnell fertig zu sein.
Nicht mit anderen.
Nicht mit uns selbst.
Und vielleicht auch nicht mit Gott.
Ich möchte anderen zugestehen, dass sich ihre Meinung ändern kann. Und darf.
Dass Entwicklung nicht sofort als Widerspruch verurteilt wird.
Und dass wir einander nicht auf das festlegen, wovon wir irgendwann einmal überzeugt waren.
Hab einen guten Tag. 🌿

20. Juli 2026 @ 6:11
Hallo Mandy,
Schön, daß du wieder da bist. Nicht nur ich habe dich vermisst. Auch wenn das Verständnis für die Pause da ist.
Aber es tun sich Fragen auf, bei mir, Fragen, die den Glauben betreffen.
Eine davon ist, ob man wieder aus der Gnade fallen kann. Diese Frage habe ich mir in den letzten Tagen oft gestellt, und ich habe darüber geweint.
Ich kenne das Gleichnis vom verlorenen Sohn, aber ich habe auch Angst, mich gegen den heiligen Geist zu versündigen. Dabei ist mir nicht ganz klar, was diese Sünde genau ist, und ob es überhaupt möglich ist, sich selbst so vollständig von der Gnade Gottes abzuschneiden.
Oder ob der Glaube nicht genug ist.
Oder ob ich jemanden zugehört habe, dem ich vielleicht besser nicht zugehört hätte.
Ich habe Angst, aber eben diese Angst scheint mir die falsche Grundlage zu sein, denn diese sollte Liebe sein.
20. Juli 2026 @ 7:28
Hallo Julia,
mir scheint, das der Text, den Mandy hier zitiert, keinen aktuellen Bezug zu Jens Spahn hat (dessen Rücktritt war aus anderen Gründen lange überfällig).
Die Gewichtung der Gründe mag da völlig unterschiedlich sein.
Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren es auch.
20. Juli 2026 @ 7:33
Ich möchte noch einmal auf die Gründe zurückkommen, die ich erwähnt habe.
Ich habe im Prediger Salomon in den ersten 3 Kapiteln doch so manches gefunden, was mir das Herz leichter gemacht hat.
Dies zeigt mir einmal mehr, dass man Gottes Wort durchaus persönlich nehmen kann, wenn man sich beim Lesen von Gott führen lässt.
Dies erstaunt mich immer wieder.
20. Juli 2026 @ 9:56
Lieber Günter, danke Dir – und ja, ich freue mich auch, wieder da zu sein. 😊
Deine Angst klingt gerade ziemlich schwer. Ich persönlich glaube nicht, dass ein Mensch, der sich solche Gedanken macht, sucht und sich nach Gottes Nähe sehnt, einfach außerhalb seiner Gnade steht.
Vielleicht ist es manchmal gerade die Angst, etwas falsch gemacht zu haben, die uns Gott weiter entfernt erscheinen lässt, als er tatsächlich ist.
Dass Du im Prediger Worte gefunden hast, die Dein Herz leichter machen, freut mich sehr.
Vielleicht muss Glaube nicht immer bedeuten, sofort Gewissheit zu haben. Manchmal ist es schon viel, einen Satz zu finden, an dem man sich für heute festhalten kann.
Und vielleicht passt genau das auch zum heutigen Text: Auch beim Glauben kann sich etwas verändern. Nicht unbedingt, weil er weniger wird, sondern weil wir anders fragen, anders suchen und manches nicht mehr so schnell beantworten können wie früher.
Vielleicht müssen wir auch mit uns selbst nicht so schnell fertig sein. Und vielleicht ist Gott es mit uns ebenfalls nicht. ❤️
20. Juli 2026 @ 6:59
Lieber Günter,
in Matthäus steht:
Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. Auch dem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber etwas gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt. (Matthäus 12,31-32).
Das heißt, wenn du dich bewusst gegen den Heiligen Geist stellst, ihn ablehnst, keine Reue darüber empfindest sondern dich lächerlich darüber machst, verspottest, ablehnend dazu stehst, dann wird es nicht vergeben.
Die Sünde wider den Heiligen Geist ist keine einmalige Verfehlung, sondern eine bewusste, dauerhafte Ablehnung von Gottes Gnade. Sie besteht darin, das Wirken des Geistes, der zur Umkehr ruft, so lange auszuschlagen, bis das Gewissen völlig verhärtet und Reue unmöglich wird.
Matthäus 12,31 und Markus 3,28-29
Diese Sünde nicht deshalb unverzeihlich, weil Gott nicht vergeben wollte, sondern weil der Mensch sich durch die ständige Ablehnung der Wahrheit selbst unfähig für die Vergebung macht.
Der Grundgedanke ist, dass der Heilige Geist den Menschen von seiner Sünde überzeugen und zu Jesus Christus führen möchte. Wenn jemand diese Stimme beharrlich ignoriert oder bewusst als Werk des Teufels diffamiert, stumpft das Gewissen schrittweise ab. Das ist die einzige Sünde, die Gott nicht vergeben kann.
Deshalb gilt: Wer befürchtet, diese Sünde begangen zu haben, ist in der Regel nicht davon betroffen, da die Sorge um das eigene Seelenheil beweist, dass der Heilige Geist noch im Herzen wirkt.
Ich hoffe, dir damit geholfen zu haben.
Gott segne dich.
Liebe Grüße
Rose
20. Juli 2026 @ 10:06
Liebe Rose, danke Dir, dass Du so ausführlich auf Günters Angst eingegangen bist. ❤️
Soweit ich es verstehe, geht es bei dieser Bibelstelle tatsächlich nicht um einen einzelnen Zweifel, einen falschen Gedanken oder eine Phase, in der der eigene Glaube ins Wanken gerät. Der Zusammenhang beschreibt eher eine bewusste und dauerhafte Ablehnung dessen, was als Gottes Wirken erkannt wird.
Bei dem Satz, dass Günters Sorge beweise, der Heilige Geist wirke in ihm, wäre ich nur etwas vorsichtiger. Aber ich finde den Gedanken tröstlich: Wer Gott sucht, sich nach seiner Nähe sehnt und Angst hat, ihn verloren zu haben, wirkt jedenfalls nicht wie ein Mensch, dem Gott und seine Gnade völlig gleichgültig geworden sind.
Und damit sind wir eigentlich wieder beim heutigen Text: Von außen scheint eine Glaubensfrage manchmal schnell beantwortet. Für den Menschen, der selbst darin steckt, hängt aber viel mehr daran. Vielleicht müssen wir deshalb auch mit Antworten über Gott vorsichtig sein – und den Menschen mit seiner Angst zuerst einmal wirklich sehen.
Danke Dir für Deine Gedanken.
20. Juli 2026 @ 22:13
Diese Auslegung entspricht nicht der Erzählung in der Apostelgeschichte zu Ananias und dessen Frau. Ich finde übrigens die Strafe irre und viel zu hart …
20. Juli 2026 @ 7:09
Liebe Mandy, schön, dass du wieder da bist.
Falls du mit diesem Text auf Jens Spahn anspielst, wäre das eine recht oberflächliche Betrachtungsweise. Denn hier geht es ein bisschen um was.
Und man kann die Sehnsüchte etc. klar sehen und anerkennen und respektieren. Und dennoch sagen: da hätte es andere, verantwortungsvollere Wege gegeben als den ausbeuterischen, kapitalistischen.
Wer sich dafür interessiert, könnte z. B. die Doku „Liebe ohne Sex – geht das?“ vom SWR schauen. Der Titel ist total irreführend, es geht um eine Regenbogenfamilie, eine lesbische Frau und ein schwuler Mann, die zusammen drei Kinder großziehen. Es geht mir hier um die Haltung des Mannes.
20. Juli 2026 @ 10:01
Liebe Julia,
ja, der aktuelle Fall war tatsächlich der Anstoß für den Text. Und Du hast mit Deinem Einwand recht: Eine Sehnsucht zu verstehen bedeutet nicht automatisch, den gewählten Weg gutzuheißen.
Mir war nur wichtig, daraus bewusst keine politische Diskussion zu machen. Deshalb habe ich Jens Spahn im Text auch nicht genannt. Ich möchte auf dem Blog weder über seine Person noch über Parteipolitik oder die grundsätzliche Bewertung von Leihmutterschaft diskutieren.
Mich hat eher der menschliche Moment dahinter beschäftigt: Was passiert, wenn eine Haltung, die lange feststand, plötzlich mit dem eigenen Leben kollidiert? Für mich ist das keine Frage, die sich nur an einem prominenten Fall entscheidet. Sie betrifft uns alle irgendwann.
Darum wollte ich den Blick nicht auf einen einzelnen Menschen richten, sondern auf uns selbst. Auf die Stellen, an denen wir Entwicklung schwer aushalten. Auf die Versuchung, jemanden dauerhaft an alten Aussagen festzuhalten. Und auf die Frage, ob wir anderen dieselbe Veränderung zugestehen, die wir für uns selbst selbstverständlich beanspruchen.
Die konkrete politische Debatte möchte ich hier aber bewusst nicht weiterführen. ❤️
20. Juli 2026 @ 10:57
Liebe Mandy! Ich freue mich sehr, dass du wieder da bist! Und hoffe, dass die Pause dir gut getan hat!
Dein Text heute ist, wie so oft, sehr wertvoll für mich! Danke!
Aber auch dir, liebe Rose, vielen Dank für deinen Kommentar zum Heiligen Geist!
Herzliche Grüße an euch Alle! 😘 Lisa
20. Juli 2026 @ 22:06
Ich bin gerade an so einem Punkt. Meine eigenen Grundsätze und diese der christlichen Community aufzugeben – weil ich nicht anders kann, weil ich mich mit jeder Faser nach einer Person sehne, die bereits in einer langjährigen offenbar glücklichen Partnerschaft steckt.
Es ist furchtbar. Erst ist es so schön, sich jeden Tag auf den Tag zu freuen, weil man liebt und sich an dem anderen freut. Und dann wird es zur Qual. Weil die Sehnsucht da ist und gegen alle Vernunft und Moral hofft und wächst. Die Frage, ob es besser gewesen wäre, nie zu lieben und weiter stumpf aber moralisch sauber herumzudümpeln.
Manchmal frage ich mich, ob man sich überhaupt nur aus Mangel an Gelegenheit überhaupt an Grundsätze hält (…)
Ist es möglich, innerlich so zu wachsen und gleichzeitig ehrlich und endgültig zu entsagen während man weiterhin lieben kann, wenn man aus der Situation ohnehin nicht herauskommt ?
Ich würde die Regeln brechen. Im Herzen habe ich sie längst gebrochen. Es ging über meine Kraft.
21. Juli 2026 @ 0:58
Danke für Deinen ehrlichen und offenen Kommentar.
Ich glaube, Gefühle können einen an Grenzen bringen, von denen man vorher überzeugt war, dass sie für einen selbst niemals zum Thema werden. Und ich glaube auch, dass es leicht ist, Grundsätze zu haben, solange sie nichts kosten. Erst wenn Verzicht wirklich wehtut, zeigt sich, wie schwer es ist, ihnen treu zu bleiben.
Ob man jemanden weiter lieben und trotzdem verzichten kann? Ich glaube ja. Aber wahrscheinlich nicht auf eine saubere, heldenhafte Art. Eher mit „Rückfällen“ im Kopf. Mit Sehnsucht. Einer Art Trauer. Mit Tagen, an denen die Vernunft stärker ist, und anderen, an denen man am liebsten alles über Bord werfen würde.
Manchmal zeigt sich Liebe vielleicht sogar darin, eine Grenze nicht zu überschreiten – gerade dann, wenn andere Menschen verletzt würden.
Dein Satz, dass Du die Regeln im Herzen längst gebrochen hast, klingt für mich sehr hart gegen Dich selbst. Ich glaube nicht, dass jeder Gedanke, jede Sehnsucht und jedes innere Durchspielen schon dasselbe ist wie eine tatsächliche Entscheidung. Gefühle sind nicht immer gehorsam. Verantwortung beginnt für mich eher dort, wo ich entscheide, was ich daraus mache.
Vielleicht ist das gerade nichts, was Du allein mit Dir ausmachen solltest. Nicht, weil jemand Dir sagen soll, was Du zu tun hast. Sondern weil solche Gefühle im Verborgenen oft immer größer werden und es gut ist, sie zu teilen. Du hast ja hier schon einen Anfang gemacht 😉
Ich wünsche Dir einen Menschen, bei dem Du ehrlich sein kannst. Ohne Verurteilung. Aber auch ohne dass Dir jemand etwas schönredet, was am Ende mehrere Herzen zerbrechen könnte. ❤️