Liebe, die sich hinkniet
Ihr Lieben, da ist diese Szene.
Das letzte Abendmahl.
Alle sitzen zusammen.
Essen. Reden. Gemeinschaft.
Und dann macht Jesus etwas,
das damals schon ungewöhnlich war.
Er kniet sich hin.
Nimmt Wasser.
Und fängt an, Füße zu waschen.
Das war eigentlich der Job von Dienern.
Damals gab’s noch kein Deichmann, keine Sneaker, keine dicken Sohlen.
Dafür staubige Straßen.
Und Du bist in Sandalen unterwegs gewesen.
Offen.
Schutzlos.
Und alles, was der Tag so mit sich bringt,
hing am Ende… an Deinen Füßen.
Dreck.
Staub.
Schweiß.
Und vermutlich… ordentlich Hornhaut.
Nichts Schönes.
Nichts, womit man glänzt.
Und genau das wäscht er ab.
Er macht sich klein.
Für die anderen.
Und er wäscht auch die Füße von Judas.
Dem, von dem er weiß,
dass er ihn verraten wird.
Und ich stolpere darüber,
weil ich mich darin wiedererkenne.
Nicht in dieser Größe.
Aber in diesen Momenten,
wo etwas in mir schon ahnt:
Das wird wehtun.
Vielleicht kennst Du das auch.
Du bist freundlich.
Obwohl Dich jemand schon zweimal hat hängen lassen.
Du hörst zu.
Obwohl Du merkst,
dass Dein Gegenüber Dich gar nicht wirklich sieht.
Du gibst nochmal eine Chance.
Obwohl ein Teil in Dir längst müde ist.
Und nach außen
sieht das oft stark aus.
Geduldig.
Liebevoll.
Großherzig.
Aber innen?
Da ist oft auch was anderes.
Ein leises Ziehen.
Ein „eigentlich reicht’s“.
Ein Wunsch, einfach mal zu sagen:
Stopp.
Ich mach das nicht mehr.
Ich geh jetzt.
Und ich glaub, genau da wird’s ehrlich.
Denn wir bleiben nicht immer,
weil wir so viel lieben.
Manchmal bleiben wir,
weil wir Angst haben.
Vor dem Alleinsein.
Vor Konflikten.
Davor, nicht mehr gemocht zu werden.
Oder weil wir hoffen,
dass es diesmal anders wird.
Und dann sitzen wir da.
Wie an so einem Tisch.
Lächeln vielleicht sogar.
Und innerlich sind wir längst woanders.
Und genau in so einen Moment hinein
stellt sich diese Szene.
Jesus wusste es.
Und er hat trotzdem geliebt.
Nicht naiv.
Nicht blind.
Sondern bewusst.
Und ich frag mich:
Heißt das,
ich soll alles mit mir machen lassen?
Immer wieder bleiben?
Immer wieder geben?
Ich glaube nicht.
Vielleicht geht es gar nicht darum,
immer so zu handeln wie er.
Sondern darum, ehrlich hinzuschauen:
Wo liebe ich gerade wirklich?
Und wo verliere ich mich?
Wo ist es dran, weich zu bleiben?
Und wo ist es dran, aufzustehen?
Grenzen zu setzen.
Nicht aus Härte.
Sondern aus Selbstachtung.
Vielleicht ist genau das
der Punkt an diesem Gründonnerstag:
Dass Liebe nicht bedeutet,
sich selbst aufzugeben.
Aber auch nicht,
das Herz zuzumachen.
Sondern diesen schmalen Weg zu gehen dazwischen.
Und der ist…
manchmal verdammt schwer.
„Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe,
so sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ – Johannes 13,14
