Im Schuppen
Ich bin ohne Kirche aufgewachsen.
Ohne Gebete am Bett oder vorm Essen.
Ohne „Gott“ im Wortschatz meiner Kindheit.
Glaube war kein Thema.
Nicht verboten. Nicht gewollt.
Einfach nicht präsent.
Und trotzdem war da etwas.
Ich hatte keine leichte Kindheit.
Es gab Tage, da wurde alles zu viel – innerlich wie äußerlich.
Dann bin ich in diesen Schuppen gegangen. Draußen, wo das Holz gestapelt wurde. 🪵 Je mehr Holz darin lag, desto weniger Platz blieb mir. Manchmal stand ich kerzengerade zwischen den Stapeln. Oder hockte mich ganz klein zusammen – in der Hoffnung, dass keine Spinne kam. 🕷️
Wenn ich heute daran denke, ist alles wieder ganz real.
Es war seltsam schön – mein Rückzugsort. Mein geheimer Ort.
Ich glaube bis heute, niemand wusste davon.
Dort habe ich geredet.
Ich dachte, ich rede mit mir selbst.
Ich habe meine Angst ausgesprochen.
Meine Fragen. Meine Überforderung.
Viele Tränen geweint, die keiner sehen sollte.
Und da kamen Gedanken zurück.
Leise. Klar. Tröstend.
Wie kleine innere Hinweise, was ich tun könnte.
Wie Mut, der sich nicht nur nach mir selbst anfühlte.
Damals hätte ich das nie Gott genannt.
Erst viele Jahre später – als ich begann, mich bewusst mit Glauben zu beschäftigen und die Bibel zu lesen – fiel mir etwas auf: Vielleicht war ich nie allein in diesem Schuppen.
Ich habe Glauben weniger von irgendwem übernommen. Ich habe ihn viel mehr gesucht. Aus Neugier. Aus dem Wunsch zu verstehen, was Menschen daran fasziniert. Was sie trägt. Was sie hoffen lässt.
Und je mehr ich las, je mehr ich betete, desto klarer wurde mir: Diese leise Verbindung war vielleicht nie nur „Selbstgespräch“. Vielleicht war es Gott, der längst mein Herz kannte.
In Jesaja 65, 24 steht: „Ehe sie zu mir um Hilfe rufen, stehe ich ihnen bei; noch während sie beten, habe ich sie schon erhört.“
Dieser Satz fühlt sich für mich persönlich an.
Ich glaube, weil ich rückblickend eine Spur erkenne.
Und vielleicht ist das das Schönste am Glauben: Dass er nicht immer mit Prägung beginnt.
Sondern manchmal ganz leise. Unbemerkt. Mitten im ganz normalen Leben.
Ich wollte mich damals einfach nur verstecken. Vor allem und jedem.
Und vielleicht war ich genau dort nicht allein.
Wenn ich heute daran denke, bin ich dankbar.
Dankbar, dass ich gehalten wurde – lange bevor ich wusste, wie ich das nennen soll.
Das wünsche ich Dir auch. 💛
Hab einen schönen Mittwoch.
Mandy
