Wenn Gutmüdigkeit müde wird
Manche Menschen sind gutmütig.
Nicht, weil sie keine Grenzen hätten.
Sondern weil sie gelernt haben, sich selbst zurückzunehmen.
Sie hören zu. Springen ein. Halten aus.
Sagen oft „ja“, obwohl innen längst ein leises „eigentlich nicht“ wohnt.
Nicht aus Dummheit. Sondern aus Liebe. Aus Loyalität.
Manchmal auch aus Angst, sonst nicht mehr dazuzugehören.
Und irgendwann kommt dieser Moment, der sich nicht wie ein Knall anfühlt, sondern wie Müdigkeit.
Eine Erschöpfung, die man kaum erklären kann.
Man merkt:
Ich werde gebraucht – aber nicht wirklich gesehen.
Ich bin zuverlässig – aber austauschbar.
Ich gebe viel – und verliere mich dabei langsam selbst.
Das Schwierige ist:
Gutmütigkeit wird selten offen ausgenutzt.
Sie wird eher übersehen.
Sie funktioniert einfach. Und was funktioniert, wird nicht hinterfragt.
Bis der Mensch dahinter leiser wird.
Oder bitter. Oder sich zurückzieht – und sich dann auch dafür noch schuldig fühlt.
Vielleicht ist das der Punkt, an dem Gott nicht fragt: Warum gibst Du nicht mehr?
Sondern: Warum glaubst Du, dass Du Dich selbst dabei verlieren musst?
Jesus spricht von Liebe. Aber er spricht nie von Selbstaufgabe.
Er zieht sich zurück. Er sagt Nein.
Er lässt Menschen enttäuscht zurück, um sich nicht selbst zu verlieren.
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ – Markus 12,31
Nicht statt Dich selbst. Nicht um jeden Preis.
Vielleicht ist Gutmütigkeit kein Problem. Vielleicht fehlt ihr nur etwas Schutz.
Eine Grenze. Ein ehrliches Nein.
Nicht aus Härte – sondern aus Wahrheit.
Und vielleicht ist es kein Versagen, wenn Du heute merkst: So wie bisher geht es nicht weiter. Vielleicht ist es der Anfang davon, Dich selbst wieder ernst zu nehmen.
Schönes Wochenende!
Deine Mandy
