Ich mein’s doch nur gut!
Ihr Lieben,
„Du musst einfach mal loslassen.“
„An Deiner Stelle würde ich …“
„Also, ich würde mir das nicht gefallen lassen.“
Kennt Ihr solche Sätze?
Manchmal erzählt man jemandem von einem Problem und bekommt ungefragt eine komplette Gebrauchsanweisung fürs eigene Leben. Kostenlos. Und mit erstaunlicher Überzeugung vorgetragen. 😉
Dabei wollte man vielleicht einfach nur erzählen.
Ich kenne aber auch die andere Seite.
Jemand erzählt mir von seinen Schwierigkeiten und während ich zuhöre, fängt es in meinem Kopf schon an zu arbeiten.
Was könnte helfen? Was würde ich an seiner Stelle tun? Welche Möglichkeiten gibt es?
Und manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass mich gerade niemand um eine Lösung gebeten hat.
Denn gut gemeint ist nicht automatisch gut für den anderen.
Besonders interessant wird es, wenn jemand einen Rat bekommt und sich trotzdem anders entscheidet.
Da fällt dann schon mal ein Satz wie: „Na gut, dann mach doch, was Du willst!“
Vielleicht sogar mit einem leicht beleidigten Unterton.
Aber warum eigentlich?
Wenn ich wirklich nur das Beste für Dich möchte, warum fällt es mir dann so schwer, wenn Du selbst entscheidest, was das Beste für Dich ist?
Vielleicht steckt hinter manchen Ratschlägen mehr als Hilfsbereitschaft.
Der Wunsch, recht zu haben. Die Überzeugung, eine Situation besser beurteilen zu können. Oder das unangenehme Gefühl, zusehen zu müssen, wie jemand möglicherweise einen Fehler macht.
Dabei ist es leicht, von außen zu wissen, was jemand tun sollte.
Schließlich muss ich mit den Folgen seiner Entscheidung nicht leben.
Er schon.
In der Bibel gibt es eine Geschichte, die mich dabei nachdenklich macht.
Als Hiob beinahe alles verliert, kommen drei Freunde zu ihm. Zunächst setzen sie sich einfach neben ihn. Sieben Tage und sieben Nächte. Ohne ein Wort zu sagen. (Hiob 2,11–13)
Später beginnen sie zu reden. Sie suchen Erklärungen für sein Leid, stellen Vermutungen an und glauben zu wissen, was dahintersteckt.
Und ausgerechnet damit verletzen sie den Menschen, den sie eigentlich trösten wollten.
Vielleicht war das Beste, was sie für Hiob getan haben, tatsächlich das, was sie am Anfang getan haben.
Einfach da sein.
Natürlich gibt es Situationen, in denen ein ehrlicher Rat wichtig ist. Manchmal muss man sogar deutlich werden, besonders wenn jemand in Gefahr ist.
Aber nicht jedes Gespräch braucht eine Lösung. Und nicht jeder Mensch, der mir etwas anvertraut, möchte anschließend wissen, was ich an seiner Stelle tun würde.
Vielleicht sollte ich deshalb öfter fragen: „Möchtest Du meine Meinung hören oder soll ich Dir einfach zuhören?“
Und wenn mein Rat nicht angenommen wird?
Dann darf ich ihn auch wieder loslassen.
Denn einen Menschen ernst zu nehmen bedeutet nicht, immer mit ihm einverstanden zu sein.
Sondern ihm zuzutrauen, seinen eigenen Weg zu finden. Auch wenn es nicht meiner wäre.
Bis morgen, Ihr Lieben. ❤️
Mandy

20. Oktober 2026 @ 6:35
Liebe Mandy
Die Frage möchtest du meine Meinung wissen oder soll ich einfach zu hören, finde ich einen guten Ansatz für ein Gespräch oder im Gespräch.
Mir geht es auch oft so, dass ich schnell eine vorgefertigte Meinung dazu habe oder es mir auch selber so geht mich schnell abgefertigt zu fühlen.
Danke für deine Gedanken, die du mit uns teilst.
Liebe Grüße aus bad Reichenhall
Von Sigrun
20. Oktober 2026 @ 7:13
Danke Mandy❤️